Wasserbau - eine staatliche Bauaufgabe der Wasserwirtschaft im Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz

Die staatliche Bautätigkeit an den Gewässern Thüringens geht Jahrhunderte zurück. Als Folge katastrophaler Hochwasserereignisse wurden die Flüsse ausgebaut und Deichanlagen errichtet. Für die Flösserei und die Schifffahrt wurden Staustufen angelegt und Wasserkraftanlagen gebaut. Die Bauverwaltungen vieler Landesherrschaften waren im Laufe der Zeit tätig. Für die heutige Wehranlage in Artern zeichnete beispielsweise die sächsische Fiskalverwaltung unter Kurfürst August dem Starken verantwortlich. Die großen Flutpolder an der Unstrut im Kyffhäuserkreis wurden rund 150 Jahre später unter preussischer Verwaltung angelegt. Mit der Melioration der Talauen seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts kamen eine Vielzahl an Deichanlagen und Schöpfwerken hinzu. Entsprechend den Vorgaben der Landesplanung lag in den vergangenen Jahren der Schwerpunkt bei den Defiziten im Hochwasserschutz bebauter Gebiete und der ökologischen Umgestaltung der Gewässer im Zuge von Ersatzinvestitionen und Neubauvorhaben. Der so entstandene Bestand an Bauwerken muss entsprechend den jeweiligen Erfordernissen unterhalten und betreiben werden.

In Thüringen gibt es eine Teilung der Baulast an den Gewässern entsprechend der Bedeutung der Gewässer, die in Gewässerklassen 1. und 2. Ordnung eingeteilt wurden. Während die Kommunen an den meist kleineren Gewässern 2. Ordnung zuständig sind, hat der Freistaat Thüringen über rund 1300 km Gewässer 1. Ordnung (Anlage 1 Thüringer Wassergesetz). Für rund 3000 km Uferlinie ist das TLUBN damit unmittelbarer Nachbar einer Vielzahl von Bürgern.

Übersichtskarte Gewässer 1. Ordnung, Foto: TLUBN
Übersichtskarte Gewässer 1. Ordnung, Foto: TLUBN

Eine der Schwerpunktaufgaben im Referat 45 ist die Umsetzung der Landesprogramme Hochwasserschutz sowie Gewässerschutz 2016 - 2021. In diesem Umsetzungszeitraum werden ca. 300 Vorhaben mit einem Finanzvolumen von ca. 280 Mio. € bearbeitet, die Landesprogramme werden nach dem ersten Zyklus entsprechend fortgeschrieben. Die im Wasserbau bearbeiteten Projekte lassen sich in folgende Typen klassifizieren:

  • Konzeptionelle Planungen
    • Gewässerentwicklungskonzepte
    • Durchgängigkeitskonzepte
    • Hochwasserschutzkonzepte
  • Bauliche Umsetzung
    • Hochwasserschutzvorhaben
    • Durchgängigkeitsvorhaben
    • Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur
    • Instandsetzung wasserwirtschaftlicher Anlagen

Integrale Hochwasserschutzkonzepte

Hochwasserschutzkonzepte sind wasserwirtschaftliche Pläne zur Verbesserung des Hochwasserschutzes an Gewässerabschnitten oder ganzen Gewässern. In Hochwasserschutzkonzepten sind unter anderem enthalten:  

  • Grundlagenermittlung, Beschreibung der Einzugsgebiete,
  • eine Analyse historischer und aktueller Hochwasserereignisse,
  • hydrologische Untersuchungen und zweidimensionale hydraulische Berechnungen,
  • die Ermittlung der Defizite im Hochwasserschutz sowie des Gefährdungs- und Schadenspotenzials,
  • Ist-Ziel Vergleich, Ableitung eines Schutzniveaus unter Beachtung der Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts und der Schadenshöhe,
  • ein Maßnahmenplan zur Erreichung des definierten Schutzniveaus sowie eine Maßnahmenpriorisierung anhand einer Nutzen-Kosten Betrachtung.

Über die „integrale“ Betrachtung soll der ganzheitliche Ansatz im Hochwasserschutz gewährleistet werden. Mit den bislang vor allem auf  die   technischen   Maßnahmen   ausgerichteten   Hochwasserschutzkonzepten   sollen   einzugsgebietsbezogene   Lösungen  zum  Hochwasserschutz  gesucht  werden,  ohne  eine  Verschärfung  für  die  Unterlieger  hervorzurufen.  Dabei  spielen  vor  allem  die  Wiederherstellung  des  Wasserrückhalts  in  der  Fläche,  die  Flächenvorsorge  durch  das Freihalten  des  Hochwasserabflusses,  konkrete  Objektschutzmaßnahmen,  die  Gefahrenabwehr  vor  Ort  sowie    die    technischen    Maßnahmen    eine    maßgebliche    Rolle. (Quelle: Landesprogramm Hochwasserschutz) 

 

Im Rahmen der Umsetzung des Landesprogramms sollen bis Ende 2021 für alle Gewässer 1. Ordnung integrale Hochwasserschutzkonzepte erarbeitet werden. An den in nachfolgender Kartendarstellung rot markierten Gewässerabschnitten werden derzeit im Referat Wasserbau Hochwasserschutzkonzepte bearbeitet.

Hochwasserschutzkonzepte an Gewässern 1. Ordnung, Foto: TLUBN
Hochwasserschutzkonzepte an Gewässern 1. Ordnung, Foto: TLUBN

Hochwasserschutz

Grundsätzlich kann Hochwasserschutz in folgende Kategorien unterteilt werden:

Natürlicher Wasserrückhalt

Die Maßnahmen zur Verbesserung des natürlichen Wasserrückhalts haben ein hohes Potenzial die Gefährdung durch Hochwasserereignisse zu verringern.

Ein weiterer Vorteil ist eine mögliche Kostenverringerung. Als Beispiel sind hier Maßnahmen des natürlichen Wasserrückhalts außerhalb von Ortschaften zu nennen, die den notwendigen Ausbaugrad von Hochwasserschutzanlagen innerhalb einer Ortschaft reduzieren.  Durch eine Laufverlängerung der Fließgewässer, die Unterstützung der eigendynamischen Entwicklung, die Auenentwicklung und eine naturnahe Bepflanzung kann der Wasserrückhalt verbessert werden. Die Maßnahmen der Gewässerentwicklung und Auenrevitalisierung biete eine Möglichkeit die Abflüsse zu drosseln und die Abflussspitzen zu verringern. Zudem bewirkt die naturnahe Gestaltung eines Fließgewässers eine Erhöhung des Fließwiderstands und damit die Verringerung der Fließgeschwindigkeit, wodurch der Wasserrückhalt im Gewässer selbst und in den Auen erreicht wird. Mit dem Erhalt und der Wiedergewinnung der natürlichen Rückhalteflächen wird ebenfalls der natürliche Wasserrückhalt gestärkt. Viele Rückhalteflächen wurden durch den Deichbau oder die Bebauung vom Fließgewässer getrennt. Im Resultat verkleinerte sich der Durchflussquerschnitt bei Hochwasser. Dadurch kommt es zu einem starken Anstieg der Fließgeschwindigkeit. Durch die Maßnahmen der Deichrückverlegung wird dem Gewässer mehr Raum zur Ausbreitung gegeben. Bei einem Hochwasser dient dieser Raum der Wasserspeicherung. (Quelle: Landesprogramm Hochwasserschutz).

Technischer Hochwasserschutz

Der Handlungsbereich technischer Hochwasserschutz umfasst:

• die Gewässerunterhaltung und den Gewässerausbau,

• die  Unterhaltung und Sanierung der Hochwasserschutzanlagen,

• die Erneuerung und den Neubau von Hochwasserschutzanlagen,

• die Steuerung der Hochwasserschutzanlagen

sowie

• den Einsatz mobiler Hochwasserschutzsysteme.

Durch gezielte Maßnahmen der Gewässerunterhaltung und des Gewässerausbaus kann die Leistungsfähigkeit der Abflussquerschnitte erhöht werden, sodass eine Schadensreduzierung bei Hochwasserereignissen erreicht wird kann. Die nachteiligen Folgen für die Gemeinden im Unterlauf und die Bedürfnisse des Gewässerschutzes müssen jedoch berücksichtigt werden. Die technischen Hochwasserschutzanlagen sind dort unverzichtbar, wo Menschen, Sachwerte und Infrastrukturen von Überschwemmungen bedroht  sind.  Der  Bau  von  Deichen,  Mauern oder Stauanlagen darf jedoch nicht dazu führen, dass weiterhin  in den hochwassergefährdeten Gebieten gebaut und so deren  Funktion  als  natürliche  Rückhaltefläche eingeschränkt  wird.  Denn  auch  die  Möglichkeiten  des  technischen  Hochwasserschutzes  sind   begrenzt.   Deiche   und   Mauern   werden   so   bemessen,   dass   sie   bis   zu   einem   bestimmten  Wasserstand  Schutz  vor  Überschwemmungen  bieten.  Wie  das  Hochwasserereignis  im  Jahr  2013  gezeigt  hat,   können  auch  Hochwasserereignisse  auftreten,  welche  die  Bemessungswasserstände  der  Anlagen  überschreiten.  Dann  können  diese  Anlagen  versagen  und  über-  oder  unterströmt  werden.  Es  kommt  zu  einer  Überschwemmung   der Flächen,   die   durch   technische   Bauwerke   geschützt   schienen.   Die   technischen Baumaßnahmen  werden  daher  auf  die  hochwertige  Infrastruktur  sowie  die  Städte  und  Gemeinden  beschränkt  werden. Einen  rechtlichen    Anspruch  auf  den  Neubau  bzw.  die  Verbesserung  des  Hochwasserschutzes  gibt  es  nicht.  Das Land und auch die Gemeinden handeln hier freiwillig im Rahmen ihrer Daseinsvorsorge (Quelle: Landesprogramm Hochwasserschutz).

Derzeit werden im Rahmen der Umsetzung des Landesprogrammes Hochwasserschutz ca. 50 Vorhaben bearbeitet.

 

Maßnahmen des Landes zum Neubau und der Erweiterung von Hochwasserschutzanlagen, Foto: TLUBN
Maßnahmen des Landes zum Neubau und der Erweiterung von Hochwasserschutzanlagen, Foto: TLUBN

Wasserrechtliche Grundlagen

Die Bewirtschaftung der Gewässer nach Menge und Beschaffenheit sowie deren ökologische Entwicklung und Pflege wird durch das Wasserrecht umfasst. Als Rahmenrecht des Bundes, dem  Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushaltes (Wasserhaushaltsgesetz – WHG) wird es entsprechend durch die Wassergesetze der Länder ergänzt und ausgefüllt. Damit bilden das Thüringer Landeswassergesetz (ThürWG) und das Wasserhaushaltsgesetz des Bundes zusammen das geltende Wasserrecht.

Für den Freistaat Thüringen bildet hier das Thüringer Wassergesetz (ThürWG) vom 10. Mai 1994, zuletzt geändert durch Gesetz am 28. Mai 2019, die rechtliche Grundlage. Die dem Land durch Gesetz übertragenen Aufgaben liegen im Wasserrecht schwerpunktmäßig in der Gewässerentwicklung, Gewässerunterhaltung und dem Wasserbau.

 

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