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Aufgaben der Unterhaltung und Entwicklung der Gewässer

Unterhaltung

Gewässerunterhaltung ist eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung des Staates und der Kommunen. Sie umfasst insbesondere die Gewässer für den Wasserabfluss zu erhalten, zu räumen und zu reinigen, die biologische Wirksamkeit des Gewässers zu erhalten, die Ufer und Uferrandstreifen möglichst naturnah zu gestalten und zu bewirtschaften und die Gewässer in einem den wasserwirtschaftlichen Bedürfnissen entsprechenden Zustand für die Abfuhr oder Rückhaltung von Wasser, Geschiebe und Eis zu halten.

Instandhaltung

Die Instandhaltung der wasserwirtschaftlichen Anlagen ist eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung des Staates und der Kommunen. Wasserwirtschaftliche Anlagen sind zum Beispiel Hochwasserschutzanlagen wie Hochwasserschutzwände, Deiche, Siele und Schöpfwerke, aber auch Pegel oder Wehranlagen

Zur Unterhaltung der Deiche gehört insbesondere die regelmäßige Pflege der Grasnarbe, die Kontrolle auf Schadstellen und deren Beseitigung sowie Bekämpfung von Schädlingen. Nur so kann eine einwandfreie Funktion im Hochwasserfall sicher gestellt werden. Die Anlagen sind im Hochwasserfall zu betreiben und zu kontrollieren.

Entwicklung

Gleichwertig mit der Erhaltung des Gewässerzustandes ist die naturnahen Entwicklung der Gewässer zu sehen. Dieses Thema wird nachfolgend intensiv thematisiert. 

Maßnahmen, die vom Umfang her die Unterhaltungsaufgaben überschreiten, das sind Gewässerausbauvorhaben und größere Instandsetzungen, Ertüchtigungen oder Neubaumaßnahmen, werden als Projekte durch den Wasserbau umgesetzt.

Ingenieurbiologische Bauweisen zur Ufersicherung und Strukturverbesserung an Fließgewässern

Benutzerhinweise
Im Rahmen der Schriftenreihe der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) sind in der Vergangenheit bereits umfangreiche Veröffentlichungen zur fachlichen Unterstützung der Gewässerunterhaltung erschienen, u. a.:

  • das „Handbuch zur naturnahen Unterhaltung und zum Ausbau von Fließgewässern“ (im Folgenden als Handbuch Gewässerunterhaltung bezeichnet, TLUG 2011),
  • der Leitfaden „Ingenieurbiologische Bauweisen für die eigendynamische Gewässerentwicklung – Praxisleitfaden“ (im Folgenden als Eigendynamikleitfaden bezeichnet, TLUG 2015) sowie
  • der Leitfaden „Gehölze an Fließgewässern – Anlage, Entwicklung und Pflege“ (im Folgenden als Gehölzleitfaden bezeichnet, TLUG 2018a)

In Fortsetzung dieser Schriftenreihe durch das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) dient der vorliegende Leitfaden „Ingenieurbiologische Bauweisen zur Ufersicherung und Strukturverbesserung an Fließgewässern“ der Vermittlung von entsprechendem Fachwissen. Er stellt das Gegenstück zum Eigendynamikleitfaden „Ingenieurbiologische Bauweisen für die eigendynamische Gewässerentwicklung – Praxisleitfaden“ dar. Denn überall dort, wo eigendynamische Prozesse, die eine Verlagerung des Gewässers bewirken würden, nicht oder nicht mehr zugelassen werden können, müssen diese Prozesse gestoppt bzw. unterbunden werden. Die Gesetzgebung fordert, dass dies möglichst naturnah erfolgt. Genau dieser Anforderung können ingenieurbiologische Bauweisen zur Ufersicherung gerecht werden. Richtig ausgeführt, tragen sie aber auch zur Strukturverbesserung von Fließgewässern bei, wenngleich auch in geringerem Maße als dies mit ingenieurbiologischen Bauweisen zur Unterstützung eigendynamischer Prozesse erfolgen kann.
Die Inhalte und Bauweisenbeschreibungen des Leitfadens konkretisieren zugleich die Maßnahme U2 „Maßnahmen zur Ufersicherung / Ersetzen naturferner Uferbefestigungen durch naturnahe Bauweisen“ des Handbuchs Gewässerunterhaltung. Da solche Bauweisen vielfach mit der Etablierung von Gehölzbeständen einhergehen, kann er auch als Untersetzung des Gehölzleitfadens verstanden werden.

Die erläuterten Bauweisen geben einen Einblick in die Grundprinzipien und Funktionsweisen der Ingenieurbiologie zur Ufersicherung. Sie sind vielseitig einsetzbar und stellen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem umfangreichen Pool ingenieurbiologischer Maßnahmen dar. Einige der dargestellten Bauweisen sind mit relativ wenig Aufwand einfach herstellbar. Andere erfordern mehr handwerkliches Geschick und sind komplexer im Einbau. Der Anwender wird in die Lage versetzt, die Bauweisen zu verstehen und nachzubauen. Und er darf den Leitfaden als Ideengeber sehen, selbständig kreativ mit dem lebenden Material umzugehen, um Gewässerufer nicht nur zu sichern, sondern vielmehr strukturreiche und lebensfreundliche Gewässer zu entwickeln.
Der Leitfaden richtet sich insbesondere an Gewässer-unterhaltspflichtige der Gewässer 1. und 2. Ordnung, an Planer sowie an ausführende Firmen, die mit der Umsetzung von Maßnahmen zur Ufersicherung beauftragt sind. Angesprochen sind aber auch die zuständigen Behörden, die den Unterhaltungspflichtigen als Berater zur Seite stehen, ggf. entsprechende Festlegungen und Anordnungen sach- und fachgerecht zu treffen haben und den praktischen Ablauf kontrollieren. Schließlich kann der Leitfaden dazu beitragen, dass die Akzeptanz der Maßnahmen bei betroffenen Anliegern erhöht wird.
Entsprechend dem Leitsatz „Von der Praxis für die Praxis“ gliedert sich der Leitfaden wie folgt:
 

  1. Mit einer Einführung in das Thema werden grundlegende Aspekte der Ufersicherung mit ingenieurbiologischen Bauweisen erläutert. In Merkkästen sind jeweils die wichtigsten Informationen zusammengefasst..
  2. Anschließend wird auf Systematik und Gliederung ingenieurbiologischer Bauweisen zur Ufersicherung eingegangen.
  3. Im Focus des allgemeinen Textteils steht die Erläuterung der Vorgehensweise zur Auswahl ingenieurbiologischer Bauweisen zur Ufersicherung, untersetzt mit Beispielen aus der Praxis.
  4. Die zur Ufersicherung gebräuchlichsten 15 ingenieurbiologischen Bauweisen werden anhand von Bauweisensteckbriefen erläutert. Diese Steckbriefe enthalten alle erforderlichen Informationen, um diese Bauweisen erfolgreich anwenden zu können. Diesem Ziel dienen insbesondere auch Detailzeichnungen zu Regeldetails, Bauschritten und Pflegeschritten der jeweiligen Bauweise.
  5. Die fotografische Ausstattung des Leitfadens und der Bauweisensteckbriefe trägt zur Veranschaulichung bei und vertieft ausführungsrelevante Hinweise.

Weiterführende Informationen zur Anwendung ingenieurbiologischer Bauweisen im naturnahen Wasserbau finden sich in zahlreichen Veröffentlichungen, auf denen der vorliegende Leitfaden aufbaut (vgl. Kapitel 1.3). Empfohlen werden in diesem Zusammenhang insbesondere die entsprechenden Regelwerke der DWA.

Download des Praxisleitfadens

 

Handbuch naturnahe Gewässerunterhaltung

Das Handbuch greift die neue Vorgabe des Gesetzgebers auf, wonach Gewässerunterhaltung Pflege und Entwicklung umfasst. Anders als früher, sind heute bei der Gewässerunterhaltung nicht nur Nutzungsansprüche zu berücksichtigen. Vielmehr sind Bäche und Flüsse gleichermaßen zu mehr Naturnähe hin zu entwickeln. Das Handbuch zeigt Lösungsmöglichkeiten auf, wie trotz bestehender Restriktionen aus Nutzungsansprüchen ein Mehr an Naturnähe bestmöglich verwirklicht werden kann. Es richtet sich vor allem an Gewässerunterhaltungspflichtige und deren Planer, aber auch an die zuständigen Behörden und hilft den Verantwortlichen, im Spannungsfeld von Nutzung und Naturnähe sicher zu navigieren.

Kernstück des Handbuches ist ein Satz von insgesamt 21 Maßnahmensteckbriefen. Ein Entscheidungsbaum unterstützt den Anwender dabei, die für seine Situation zutreffende Maßnahme auszuwählen. Das Maßnahmenziel soll kosteneffizient erreicht werden. Wo immer möglich und sinnvoll, wird dazu ermuntert, ingenieurbiologischen Maßnahmen vor konventionellen Maßnahmen des Wasserbaus den Vorrang einzuräumen.

Die Steckbriefe gehen auf mögliche Bedenken der Verantwortlichen bei der Maßnahmenumsetzung ein und stellen dar, wie Fehler und kritische Situationen vermieden werden können, ohne das Ziel, mehr Naturnähe zu wagen, aus den Augen zu verlieren. Dazu trägt auch ein transparenter Dialogprozess unter allen Beteiligten bei, dessen Bedeutung ausdrücklich im Handbuch herausgestellt wird. Die Steckbriefe sind zwar nicht als „Bauanleitungen“ zu verstehen, es wird vielmehr umfänglich auf die entsprechende Literatur verwiesen.

Die Erstellung des Handbuches wurde von einer Arbeitsgruppe begleitet, um möglichst viele praktische Erfahrungen in das Werk einfließen zu lassen. Das Handbuch lehnt sich zwar stellenweise bewusst an das Merkblatt DWA-M 610 „Neue Wege der Gewässerunterhaltung - Pflege und Entwicklung von Fließgewässern“ an, ist aber konsequent auf die Situation der Gewässerunterhaltung in Thüringen ausgerichtet und wesentlich kompakter gehalten. Im Übrigen wurde großer Wert darauf gelegt, es anwenderfreundlich zu verfassen.

Das Handbuch kann als kostenlose Schriftenreihe Nr. 99 bei dem TLUBN bestellt werden und steht hier zum Download zur Verfügung.

Handbuch zur naturnahen Unterhaltung und zum Ausbau von Fließgewässern

 

Handbuch
Vorgehensweise bei Neupflanzungen und beim Ausdünnen vorhandener dichter, linienhafter Ufergehölze (Quelle: GEBLER 2005)

Gehölze an Fließgewässern - Anlage, Entwicklung und Pflege

Gehölze an Fließgewässern vergrößerte Ansicht
Naturnaher Gehölzbestand an der Ilm, Foto: TLUBN

Der Anlage, Entwicklung und Pflege von Gehölzbeständen an den Ufern unserer Fließgewässer kommt eine herausragende Bedeutung für eine naturnahe Gewässerausprägung und die Lebensraumqualität im und am Gewässer zu. Gleichzeitig können solche Gehölzbestände einen naturnahen Hochwasserschutz unterstützen. Und schließlich besitzen sie auch eine bedeutende Rolle im Sinne der Erlebbarkeit und Naherholung.

Das, was an Naturnähe erreichbar ist, ist je nach örtlicher Situation unterschiedlich.

Umso wichtiger ist es für den Gewässerunterhaltungspflichtigen und seine Planer zu wissen, welche Handlungsoptionen je nach Ausgangssituation, Standortbedingungen und anzutreffenden Restriktionen existieren. Zugleich ist auch den gesetzlichen Anforderungen zu genügen.

Der vorliegende Praxisleitfaden „Gehölze an Fließgewässern – Anlage, Entwicklung und Pflege“ will dazu das notwendige Wissen vermitteln. Er gliedert sich in drei Teile. Von zentraler Bedeutung ist die Übersicht Maßnahmenauswahl „Gehölze an Fließgewässern“. Sie soll ein sicheres Navigieren durch die Handlungsoptionen ermöglichen.

Gehölze an Fließgewässern vergrößerte Ansicht
Naturnaher Gehölzbestand an der Ilm, Foto: TLUBN

Eine Zusammenfassung der wichtigsten rechtlichen Aspekte zu Gehölzen an Fließgewässern rundet den Leitfaden ab. Sie beruht auf dem Werk „Handreichung und rechtliche Betrachtungen - Ergänzungsband zum Handbuch zur naturnahen Unterhaltung und zum Ausbau von Fließgewässern“, das 2018 unter der Nummer 116 in der Schriftenreihe der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie erschienen ist.

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