Flussgebietsmanagement

Luftbild des Saaletales unterhalb Jena
Saale uh Jena; Foto: M. Janßen

Flussgebietsmanagement ist die Zusammenarbeit aller Institutionen und Personen, die im Flussgebiet agieren: Kommunen, Behörden, Ver- und Entsorger, Wasserverbände, Industrie, Landwirtschaft, Fischerei, Naturschutzverbände. Deren Aufgabe besteht darin, ein Gleichgewicht zwischen Ökologie und Ökonomie herzustellen. Einerseits gilt es den in den gesetzlichen Regelungen in Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie geforderten guten chemischen und ökologischen Zustand der Oberflächengewässer zu erreichen, andererseits müssen ökologische Maßnahmen mit der finanziellen Situation der Mitglieder (z. B. Kommunen, Wasserversorgungsunternehmen, Industrie) abgestimmt werden.

Im Flussgebietsmanagement der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie wird das chemische und biologische Gewässermonitoring als Basis für die Zustandsbewertung der Fließgewässer durchgeführt. Auf der Grundlage der ermittelten Ergebnisse werden Maßnahmen abgeleitet, die zum Erreichen des guten Zustandes erforderlich sind. Diese Aufgaben werden entsprechend dem zeitlichen Vorgehen im jeweiligen Bewirtschaftungszyklus der WRRL in enger Zusammenarbeit mit den Flussgebietsgemeinschaften Elbe, Weser und Rhein wahrgenommen.
 

Bestandsaufnahme

Ausgangspunkt aller Analysen, Bewertungen und Maßnahmen zum Erreichen eines guten chemischen und ökologischen Zustandes der Oberflächengewässer ist das Einzugsgebiet aus welchem der gesamte Oberflächenabfluss an einer einzigen Flussmündung abfließt. Der Freistaat Thüringen hat Anteile an den Flussgebietseinheiten Elbe (Saale), Weser (Werra, Leine) und Rhein (Mainzuflüsse Steinach und Milz), die wiederum in Bearbeitungsgebiete untergliedert wurden. Die überregionale Verantwortlichkeit liegt bei den Flussgebietsgemeinschaften Elbe, Weser und Rhein.
Für jede Flussgebietseinheit wurde eine umfassende Bestandsaufnahme durchgeführt. Sie stellt den ersten Schritt bei der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie dar.
Die Bestandsaufnahme enthält:

  • eine Analyse der Merkmale der Flussgebietseinheit
  • Auswirkungen menschlicher Tätigkeit auf den Zustand der Gewässer und
  • eine wirtschaftliche Analyse der Wassernutzung.

In Thüringen wurde die Einschätzung des Zustandes der Oberflächengewässer auf der Basis der zum damaligen Zeitpunkt vorhandenen Daten und Methodiken vorgenommen, da die offiziellen Untersuchungs- und Bewertungsverfahren noch nicht verfügbar waren. Die Ersteinschätzung wurde mit dem Bericht Bestandsaufnahme in Thüringen, Flüsse, Seen Grundwasser im Jahr 2004 abgeschlossen. Diese dient als Grundlage für alle weiteren Schritte zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie und wird in den Bewirtschaftungsplänen fortgeschrieben.

Bewirtschaftungsplan

In Thüringen laufen wie in allen anderen Bundesländern derzeit die Aktivitäten zur Aufstellung der Bewirtschaftungspläne. Sie sind für alle Flussgebietseinheiten spätestens bis zum Jahr 2009 als zentrale Elemente bei der künftigen Flussgebietsbewirtschaftung aufzustellen und zu veröffentlichen. Sie fassen alle für den Bezugsraum relevanten Informationen zusammen und sollen die gebiets- und sektorenübergreifende Koordination erleichtern. Die Zusammenfassung der ebenfalls aufzustellenden Maßnahmenprogramme ist Bestandteil der Bewirtschaftungspläne. Besonders für die Kommunikation aller wasserwirtschaftlichen Aktivitäten im Rahmen der WRRL gegenüber der Europäischen Kommission und gegenüber der Öffentlichkeit sind die Bewirtschaftungspläne wichtig. Sie sind alle sechs Jahre zu aktualisieren. Die Einbeziehung der Öffentlichkeit ist bei der Aufstellung der Pläne ein wesentliches Element. Am 22.06.2007 endete die 1. Anhörungsphase, ein Jahr später wurde die 2. Phase der Anhörung abgeschlossen.  

Im Zeitraum vom 22.12.2008 bis 22.06.2009 waren alle Betroffnen und Interessierten aufgefordert, den Entwurf des Bewirtschaftungsplanes und des Maßnahmenprogramms zu diskutieren. Einwendungen zu vorgeschlagenen Maßnahmen werden von der TLUG fachlich geprüft und bewertet. Wird die angeregte Änderung befürwortet, erfolgt eine Anpassung des Bewirtschaftungsplanes.

Für die Veröffentlichung der Ergebnisse der Anhörung ist das Thüringer Landesverwaltungsamt zuständig. Die Auswertung der eingegangenen Stellungnahmen finden Sie hier in tabellarischer Zusammenstellung.

Maßnahmenprogramm

Zum fristgerechten Erreichen der Umweltziele sind Maßnahmen erforderlich, die für jede Flussgebietseinheit bis 2009 in Maßnahmenprogrammen zusammengefasst werden müssen. Die Maßnahmen sind innerhalb der Flussgebietseinheiten abzustimmen. Die Auswahl und Kombination erfolgt dabei unter den Gesichtspunkten von Wirksamkeit und Kosten. Die Maßnahmenprogramme sind gemeinsam mit den Bewirtschaftungsplänen alle sechs Jahre zu aktualisieren und finden in zusammengefasster Form in den Bewirtschaftungsplänen Eingang.

Zur Umsetzung der in den Gewässerrahmen- bzw. Maßnahmenplänen festgelegten Maßnahmen an den Gewässern besteht künftig ein höherer Bedarf an Planungsgrundlagen für Dritte, z. B. Unterlagen zur Maßnahmenlenkung für die Gewässerunterhalter an Gewässern II. Ordnung. Für die Erarbeitung dieser wasserwirtschaftlichen Grundlagen ist die TLUG gemäß § 104 ThürWG zuständig. Um diese Grundlagen erarbeiten zu können, stehen der TLUG für die einzelnen Fragestellungen leistungsfähige Instrumente, z. B. Fachinformationssysteme zur Verfügung.

Gewässerrahmenplan

Der Gewässerrahmenplan Thüringen ist eine Ergänzung zu den Bewirtschaftungsplänen und Maßnahmenprogrammen der Flussgebiete Elbe, Weser und Rhein. In ihm sind alle Maßnahmen des Landesprogramms Gewässerschutz zur Herstellung der Durchgängigkeit und zur Verbesserung der Gewässerstruktur für die als Schwerpunktwasserkörper eingestuften Flüsse und Bäche erläutert. Er wurde im Jahr 2009 für den ersten Bewirtschaftungszyklus der WRRL aufgestellt und im Jahr 2016 in aktualisierter Form fortgeschrieben. Die Darstellung erfolgt interaktiv im Kartendienst der TLUBN unter der Rubrik Gewässerschutz. Über Auswahlfelder ist eine individuelle Gestaltung der angezeigten Maßnahmen möglich, wie z. B. Wasserkörper, Gewässer, Gemeinde, Landkreis, Maßnahmentyp, Bewirtschaftungszeitraum, Umsetzungsstand. Das Faltblatt “Gewässerrahmenplan 2016 - 2021“ gibt eine kurze Übersicht und die Bedienungsanleitung des GRP gibt eine genauere Anleitung der zur Verfügung stehenden Funktionalitäten im Kartendienst. Eine kurze Beschreinung der zur Verfügung stehenden Informationen im Kartendienst finden Sie hier:

Flussgebietsmanagement, Darstellung Gewässerrahmenplan

Eine ausführliche Beschreibung des Gewässerrahmenplans und dessen Anwendung in Thüringen, sowie Informationen zu den bundeseinheitlich verwendeten Bezeichnungen der Maßnahmen (LAWA-Maßnahmentypen) und den in Thüringen verwendeten Einzelmaßnahmentypen finden Sie hier:

Flussgebietsmanagement, Erläuterungen Gewässerrahmenplan

Der Gewässerrahmenplan des ersten Bewirtschaftungszyklus

Der Gewässerrahmenplan Thüringen wurde für den ersten Bewirtschaftungszeitraum der WRRL 2009 bis 2015 aufgestellt. Er ist ein ergänzendes Thüringer Dokument zu den Bewirtschaftungsplänen und Maßnahmenprogrammen der Flussgebiete Elbe, Weser und Rhein. In ihm sind Maßnahmen zur Herstellung der Durchgängigkeit und zur Verbesserung der Gewässerstruktur enthalten. Diese Maßnahmen wurden für die als Schwerpunktgewässer des ersten Bewirtschaftungszeitraums eingestuften Flüsse und Bäche abgeleitet. Zu jeder Maßnahme liegt ein erläuterndes Maßnahmenblatt vor.

Hauptinhalt ist ein Planteil mit einer Beschreibung von Maßnahmenbereichen als detaillierteste Ebene der Maßnahmenplanung (Maßnahmenblätter) zur Verbesserung der Gewässerstruktur und Gewässerdurchgängigkeit an Schwerpunktgewässern in Thüringen. Vorangestellt ist eine allgemeine Erläuterung zur Einordnung und Stellung der Pläne sowie zum Inhalt des Planteiles. Abgerundet wird dieser Teil mit einer Begriffserläuterung (Glossar).

Der Gewässerrahmenplan des ersten Bewirtschaftungszeitraums hat sich als untersetzende Planungsgrundlage sehr gut bewährt. Daher soll dieses Vorgehen im zweiten Bewirtschaftungszeitraum konsequent weiter verfolgt und weiterentwickelt werden. Weitergehende und aktuelle Informationen zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie finden Sie auf der Seite der AKTION FLUSS.

Modellvorhaben, Projekte

Bei der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie musste in vielen Bereichen Neuland betreten werden. Deshalb wurden und werden in Thüringen unterschiedliche Modellvorhaben und Projekte durchgeführt. Unter Flussgebietsmanagement, Modellvorhaben finden Sie hierzu eine umfangreiche Materialsammlung.

Gewässerforen

Verteilung Gewässerforen in Thüringen
Gewässerforen in Thüringen

In Thüringen wurden drei regionale Gewässerforen eingerichtet. Sie dienen als Informationsplattformen zur Vernetzung der regionalen Tätigkeiten sowie der Erörterung von konkreten Problemstellungen und deren Lösungsmöglichkeiten in den Regionen.

Folgende regionale Gewässerforen gibt es, deren "Zuständigkeitsbereich" Sie der nebenstehenden Karte (zum Vergrößern auf die Karte klicken) entnehmen können:

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