Überwachung zur Qualität der Fließgewässer

naturnaher Gewässerlauf
Weiße Elster bei Greiz, Foto: K. Wyrwa

Der Zustand der Fließgewässer wird durch die Einwirkung menschlicher Aktivitäten geprägt. Industrie, Kommunen und Landwirtschaft tragen zur Gewässerbelastung bei. Die Ermittlung und Überwachung des Zustandes der Fließgewässer sind eine grundlegende Aufgabe des TLUBN. In verschiedenen Messnetzen werden chemische und ökologische Gewässerdaten ermittelt. Jährlich werden die wichtigsten Monitoringergebnisse des vergangenen Jahres in Monitoringberichten zusammengefasst.

Die Ergebnisse der Überwachungen werden außerdem in Berichten zu verschiedenen Themen vorgestellt.

Seit einigen Jahren werden in Thüringen Schadstoffuntersuchungen im Muskelgewebe von Fischen (=Biota) durchgeführt. Das gilt vor allem für Schadstoffe, die sich mit der Nahrungskette anreichern und sehr  langlebig sind. Erste Ergebnisse der Untersuchungen werden im Bericht vorgestellt.

Biota Untersuchungen in Thüringen 2013 bis 2017

An der Gera wurden von 2015 bis 2017 Untersuchungen zur Nährstoff - und Schadstoffbelastung im Längsverlauf durchgeführt. 

Auswertung des Oberflächengewässer - Pflanzenschutzmittel - Messprogrammes in Thüringen von 2016 und 2017. Das Messprogramm wird fortgeführt.

Überwachungsprogramme

Die Überwachung der Oberflächengewässer basiert auf den Anforderungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die seit 2011 in der Oberflächengewässerverordnung bundesweit einheitlich umgesetzt sind. Die Messstellen sind je nach Bedeutung und Anlass in folgende Kategorien untergliedert:

  • Messstellen zur Überblicksüberwachung,
  • zur operativen Überwachung und
  • zur Überwachung zu Ermittlungszwecken.

Die Überblicksüberwachung ist auf überregionale Umwelt- bzw. Bewirtschaftungsziele ausgerichtet und muss eine zusammenhängende und umfassende Beschreibung des ökologischen und chemischen Zustandes im Einzugsgebiet sowie eine langfristige Beobachtung der Entwicklungen zulassen. Es werden alle Qualitätskomponenten überwacht, die die biologische, hydromorphologische und physikalisch-chemische Qualität eines Gewässers kennzeichnen.

 

Auflistung der Thüringer Überblicksmessstellen
In Thüringen werden 9 Messstellen zur Überblicksüberwachung der Oberflächengewässer geführt.

Die operative Überwachung dient der Überprüfung der Einhaltung von Umweltzielen in den einzelnen Wasserkörpern. Das operative Monitoring ergänzt das Überblicksmonitoring durch mehr flächenhafte und lokale Informationen. Grundsätzlich wird es an den Oberflächenwasserkörpern (OWK) durchgeführt, die den guten Zustand wahrscheinlich nicht erreichen oder in die bestimmte Schadstoffe oder Salze eingeleitet werden und deren Auswirkungen auf den Gewässerzustand zu überwachen sind. Die Messstellen, die Untersuchungsfrequenz und die Auswahl der Parameter sind problemorientiert, räumlich und zeitlich flexibel und nicht auf Dauer angelegt.

Die Überwachung zu Ermittlungszwecken wird an den Messstellen mit einem Monitoring durchgeführt bzw. fortgesetzt, an denen Überschreitungen der Qualitätsnormen für Schadstoffe registriert wurden bzw. bisher noch keine eindeutigen Ursachen identifiziert werden konnten. Untersuchungsfrequenzen, Parameter und Dauer des Monitorings sind der jeweiligen Fragestellung angepasst und werden jährlich überprüft.

Die einzelnen Messstellen werden in Abhängigkeit vom jeweiligen Überwachungsziel in unterschiedlichem Maße beprobt. Die Karte zeigt die Gesamtheit der Oberflächenwassermessstellen.

Tabelle: Monitoringstellen von 2014 - 2022

Karte Thüringens, dargestellt sind die aktuellen Messstellen an Thüringer Oberflächengewässern

Fließgewässertypisierung

In einem Bach, der im Thüringer Wald entspringt, findet man andere Wasserlebewesen als in einem Bach im Thüringer Becken. Deswegen werden nach Wasserrahmenrichtlinie die oberirdischen Gewässer nach Gewässertypen unterschieden. Die Gewässertypologie bildet die Grundlage für die biologische Bewertung und wurde einheitlich für die Bundesrepublik Deutschland entwickelt und gewährleistet damit flächendeckend vergleichbare Ergebnisse. Die so genannten "typspezifischen Referenzbedingungen" charakterisieren dabei die Lebensgemeinschaften der Wasserlebewesen unter natürlichen Verhältnissen, den "sehr guten ökologischen Zustand". Sie sind somit das Leitbild, das den naturnahen, durch menschliche Tätigkeit unbeeinflussten Zustand des betrachteten Gewässerabschnittes beschreibt. Nur für die Gruppe der Fische wurden Thüringen - spezifische Leitbilder entwickelt.

Karte Thüringens, dargestellt sind die Thüringer Fliessgewässertypen

Von den "biozönotisch bedeutsamen" Fließgewässertypen in Deutschland sind zwölf Typen in Thüringen vertreten. Neun davon repräsentieren Typen des Mittelgebirges, zwei weitere sind den Typen des Tieflandes zugeordnet.

Der Typ5 (grobmaterialreiche, silikatische Mittelgebirgsbäche) ist insbesondere im Thüringer Wald weit verbreitet. Er findet sich sowohl in den Oberläufen der Ilm, Apfelstädt und Gera als auch in den Werrazuflüssen an der Südseite des Thüringer Waldes.

Der Typ der feinmaterialreichen, silikatischen Mittelgebirgsbäche (Typ 5.1) ist in Thüringen für keinen Oberflächenwasserkörper der prägende Gewässertyp, aber einzelne Gewässerabschnitte eniger Zuflüsse von Werra, Saale und weißer Elster werden dennoch durch diesen Typen am besten charakterisiert.

Im Thüringer Becken, am Harzrand sowie im Eichsfeld ist bei den kleinen Gewässern der Typ 6 (feinmaterialreiche, karbonatische Mittelgebirgsbäche) weit verbreitet. Er charakterisiert die rechtsseitigen Zuflüsse der Unstrut wie Gramme und Lossa ebenso wie die Oberläufe von Helme und Zorge sowie wesentliche Abschnitte der oberen Leine und die Bode. In Ostthüringen ist die Sprotte mit ihren Nebengewässern sowie die Wyhra diesem Typ zuzuordnen. Der Subtyp Keuperbach (Typ 6_K) wurde einigen karbonatischen Gewässern im Thüringer Becken und in Südthüringen zugewiesen.

Fließgewässer des Typ 7 (grobmaterialreiche, karbonatische Mittelgebirgsbäche) sind in Thüringen im Oberlauf der Unstrut und der Helbe aufzufinden. Darüber hinaus werden eine Reihe von Gewässern mit einer sehr kurzen Lauflänge, die in entsprechenden geologischen Formationen entspringen, mitunter vollständig durch diesen Typ repräsentiert. Beispiele hierfür sind die Wilde Weiße, die Deube, der Hopbach, die Lotte oder der Lehnstedter Bach.

Gewässer des Typs 9 (silikatische, fein- bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse) finden sich im Werragebiet, so beispielsweise der Oberlauf der Werra, die untere Schleuse und die untere Hasel sowie die Hörsel vor Einmündung der Nesse. Im Einzugsgebiet der Saale sind es die untere Loquitz, die untere Schwarza oder die Weiße Elster oberhalb der Göltzschmündung.

Im Thüringer Becken sowie in Nordthüringen ist demgegenüber eher der Typ 9.1 (karbonatische, fein- bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse) verbreitet. Er charakterisiert zum Beispiel die Biozönosen der Wipper, der mittleren Unstrut (Subtyp Keuper 9.1_K), der Gera, der unteren Zorge sowie den größten Teil der Ilm ab Einmündung der Wohlrose. In Südthüringen ist dieser Typ an der Felda, an der Ulster und an der Rodach (Subtyp Keuper 9.1_K) anzutreffen, in Ostthüringen lediglich an der Pleiße oberhalb der Einmündung der Sprotte.

Der Typ 9.2, der die großen Flüsse des Mittelgebirges charakterisiert, ist der Werra unterhalb der Haselmündung, der Saale unterhalb der Selbitzmündung, der Unstrut unterhalb der Mündung der Gera und schließlich der Weißen Elster unterhalb der Einmündung der Göltzsch zuzuordnen.

Die zwei in Thüringen vorkommenden Typen des Tieflands kommen ausschließlich in Ostthüringen vor. Zum einen ist die Pleiße unterhalb der Sprottemündung als ein kiesgeprägter Tieflandfluss (Typ 17) anzusehen, zum anderen sind dies die Löss-Lehm geprägten Tieflandbäche (Typ 18), wie beispielsweise der Gerstenbach oder die Schnauder.

Naturmnahes Erscheinungsbild eines Tieflandsbaches
Spannerbach, Typ 18: Löss - Lehm geprägter Tieflandsbach Foto: W. Bloß
naturnahes Erscheinungsbild eines silikatischen, grobmaterialreichen Mittelgebirgsbaches
Obere Ilm, Typ 5: grobmaterialreicher, silikatischer Mittelgebirgsbach Foto: M. Peise

Fischfaunistischer Referenzkatalog

Der fischfaunistische Referenzkatalog stellt eine fachliche Grundlage für die fischereiliche Bewirtschaftung dar. Auf der Grundlage der längszonalen Abfolgen, die innerhalb eines bestimmten Fließgewässertyps auftreten können und des natürlichen zoogeographischen und regionalen Faunenunterschiedes wurden für die 9 in Thüringen ausgewiesenen Fließgewässertypen 35 fischfaunistische Referenzen festgelegt. Darüber hinaus wurden für die Fließgewässer, die einer spezifischen Nutzung unterliegen, je nach Nutzungstyp weitere differenzierte Referenzzönosen generiert.

Das potentielle Vorkommen der Wanderfischarten Lachs, Stör, Meer- und Flussneunauge ist mit den historischen Verbreitungskarten abzugleichen!

Verteilung der Fischtypen in den Oberflächengewässern in Thüringen
Fischtypenkarte für Thüringen. Die Karte ist auch als Download im PdF Format verfügbar (siehe oben).

Chemische und Ökologische Zustandsbewertung

Bei der Bewertung wird zwischen dem ökologischem und dem chemischen Zustand unterschieden. Die Bewertung erfolgt jeweils für die Dauer eines Bewirtschaftungszeitraums (6 Jahre). 

Der chemische Zustand wird durch einheitliche Umweltqualitätsnormen für gefährliche Stoffe bestimmt. Sie werden im gesamten Gebiet der europäischen Union überwacht und decken alle wasserwirtschaftlich relevanten Schutzaspekte ab, d. h. neben dem Schutz der aquatischen Lebensgemeinschaften auch den Schutz der menschlichen Gesellschaft.
Der ökologische Zustand wird über biologische und besondere, flussgebietsspezifische, chemische Parameter bestimmt.

Die Zustandsbewertung des 2. Bewirtschaftungszyklus, Stand 2015, ist im Landesprogramm Gewässerschutz beschrieben und für Oberflächenwasserkörper  in der Anlage 1 dargestellt. Diese steht hier als Auszug im pdf-Format, und als Karte, zur Verfügung.

Tabelle: Zustand und Zielerreichung Thüringer Oberflächenwasserkörper

 

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