Messprogramme zur Bestimmung der Luftqualität

Die messtechnische Erfassung der Immissionssituation ist unverzichtbar für die erforderliche qualifizierte Beurteilung der Luftqualität und die Realisierung von Maßnahmen auf der Basis qualifizierter Luftreinhaltepläne.

Die Entwicklung der Immissionsüberwachung erfolgte in den letzten Jahren auf der Grundlage der EU-Rahmenrichtlinie (EU-RRL) über die Beurteilung und Kontrolle der Luftqualität aus dem Jahre 1996 und der nachfolgenden 4 Tochterrichtlinien.

Mit dem 21.05.08 wurde die Richtlinie 2008/50/EG über Luftqualität und saubere Luft für Europa im Amtsblatt der EU veröffentlicht. Es erfolgte die Zusammenfassung in einer einheitlichen Richtlinie und es wurden neue Schwerpunkte gesetzt. In deutsches Recht umgesetzt wurde diese Richtlinie durch die 39. BImSchV in 2010. Dies war der aktuelle Anlass, die Immissionsüberwachung auf die neuen Erfordernisse einzustellen.

Für die Umsetzung dieser Richtlinie war u. a. folgenden neuen Anforderungen Rechnung zu tragen:

-    Die Gesamtzahl an Probenahmestellen für PM2,5 und PM10 darf nicht um mehr als den Faktor 2 differieren

-    Messstationen an denen der Grenzwert für PM10 in den letzten 3 Jahren überschritten wurde, müssen beibehalten werden

Damit wird die Bindung von Messkapazitäten an den am stärksten belasteten Messorten zwingend festgeschrieben.

Die Auswahl der Messstandorte und die Festlegung des erforderlichen Messumfangs erfolgte seit 1991 auf der Basis von Emissionskatastern, Modellrechnungen und Stichprobenmessprogrammen.

Zur Ermittlung der Standorte für städtische Stationen wurden eine Reihe von Rastermessungen durchgeführt, um geeignete Standorte zu finden.

Die Auswahl der Standorte von Verkehrsmessstationen richteten sich nach vorangegangenen Modellrechnungen im Jahr 2002 (Projekt Fa. Heusch/Boesefeldt GmbH). Es wurden landesweit 819 Straßenabschnitte mit mehr als 5000 Kfz/Tag untersucht. Dabei wurden 116 Straßenabschnitte für PM10 und 50 Straßen für Stickstoffdioxid ermittelt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die ab 2005 (PM10) bzw. 2010 (Stickstoffdioxid) geltenden Luftqualitätsgrenzwerte der EU überschreiten könnten. An den Punkten mit der am höchsten prognostizierten Belastung wurden in den Folgejahren weitere Stichprobenmessungen durchgeführt. An den ermittelten Schwerpunkten wurden zeitnah ortsfeste Messstationen zur kontinuierlichen Überwachung errichtet (z.B. Weimar Steubenstraße und Mühlhausen Wanfrieder Straße).

Im Jahr 2010 begannen Messungen von Stickstoffdioxid mit Passivsammlern in Straßenabschnitten mit mutmaßlich erhöhter Belastung. Die Passivsammler wurden vor allem in eng bebauten Straßenschluchten eingesetzt, in denen konventionelle Messstationen nicht installiert werden können.

Die ländlichen Hintergrundstationen wurden im Rahmen der Zusammenarbeit mit der damaligen Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei (TLWJF) und dem Deutschen Wetterdienst aufgebaut.

Die Grundlage für die Ableitung des generellen Untersuchungsbedarfes ist die jährliche Beurteilung der Luftschadstoffsituation gemäß EU-RRL durch das TLUBN. Diese dient der Einordnung aller Gemeinden in Thüringen bezüglich ihrer lufthygienischen Belastung (Beurteilungsschwellen). Aufgrund der schadstoffspezifischen Belastungsunterschiede wurden für Thüringen 5 Gebiete festgelegt.

Die aktuelle Beurteilung dieser Gebiete wird jährlich in einem Bericht dargelegt.

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