Geräusche und Schattenwurf von Windenergieanlagen

Bei der Prognose und bei der Messung der Geräusche von Windenergieanlagen (WEA) sind einige Besonderheiten zu beachten. Aus diesem Grund wurden von der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI) die „Hinweise zum Schallimmissionsschutz bei Windenergieanlagen“ erarbeitet. Diese sind in der aktuellen Version vom 30.06.2016 veröffentlicht und werden in Thüringen seit dem 23.11.2017 in dieser Fassung angewendet.

Messungen am maßgeblichen Immissionsort gemäß TA Lärm (Immissionsmessungen) zur Ermittlung des Beurteilungspegels von WEA-Geräuschen sind aufgrund von Fremdgeräuschen, die durch den Wind hervorgerufen werden, mit großen Schwierigkeiten verbunden oder gänzlich unmöglich. Stattdessen kann der Schallleistungspegel LW der Einzelanlage gemessen und dann der Beurteilungspegel am Immissionsort in einer Schallimmissionsprognose berechnet werden.

Schallimmissionsprognose für Windenergieanlagen

Grundsätzlich gilt für die Beurteilung der von WEA verursachten Geräuschimmissionen die TA Lärm und für Prognosen dort der Anhang A.2. Hier sei verwiesen auf die Notwendigkeit der Berücksichtigung von Vorbelastungen, welche von Anlagen ausgehen, für welche die TA Lärm gilt. Dazu zählen Gewerbebetriebe aber ebenso nicht gewerbliche Anlagen. Gemäß Nummer A.2.6 der TA Lärm ist die Geräuschimmissionsprognose in einem Bericht darzustellen, der eine Angabe zur Qualität der Prognose enthält. Für eine sachgerechte Einschätzung der örtlichen Gegebenheiten ist eine Ortsbesichtigung erforderlich.

Die zu erwartenden Beurteilungspegel sind mittels einer detaillierten Prognose (Nr. A.2.3 TA Lärm) zu berechnen. Da die DIN ISO 9613-2 für bodennahe Quellen ausgelegt ist, hat der Normenausschuss Akustik, Lärmminderung und Schwingungstechnik (NALS) das „Interimsverfahren zur Prognose der Geräuschimmissionen von Windkraftanlagen“ veröffentlicht. Dieses ist für neu zu genehmigende Windkraftanlagen in Thüringen mit dem Schreiben des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz ab sofort zu berücksichtigen. Demnach ist die Prognose frequenzselektiv durchzuführen. Hierbei sind für die Absorptionskoeffizienten α von Luft die Werte nach Tabelle 2 der DIN ISO 9613-2 bei einer relativen Luftfeuchte von 70 % und der Temperatur von 10 °C einzusetzen. Die Bodenreflexion wird durch den Wert der Dämpfung Agr berücksichtigt und konstant zu - 3 dB gesetzt. Die meteorologische Korrektur Cmet findet keine Verwendung und gleich 0 dB gesetzt. Eine Übersicht über die Besonderheiten des Interimsverfahrens ist in diesem Vortrag zu finden.

Gemäß den LAI-Hinweisen ist der Nachweis der Einhaltung der Immissionsrichtwerte mit einer statistischen Sicherheit von 90 % zu führen. Bei der Ermittlung der oberen Vertrauensbereichsgrenze des Beurteilungspegels sind die Unsicherheit der Emissionsdaten und die Unsicherheit der Ausbreitungsrechnung zu berücksichtigen. Die Unsicherheit der Emissionsdaten setzt sich zusammen aus der Unsicherheit der Typvermessung und Unsicherheit der Serienstreuung. Die Unsicherheit des Prognosemodells ist bei dem Interimsverfahren mit einem Wert von 1 dB festgesetzt.

Optische Immissionen von Windenergieanlagen

Optische Immissionen von WEA, insbesondere in Form des periodischen Schattenwurfs, können zu erheblichen Belästigungen führen. Sie sind Immissionen im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG). Zur Beurteilung werden die „Hinweise zur Ermittlung und Beurteilung der optischen Immissionen von Windenergieanlagen“ herangezogen. Zu beachten ist, dass die astronomisch maximal möglichen Beschattungsdauern beurteilt werden, denn auf diese sind die Immissionsrichtwerte abgestimmt. Mittels geeigneter Software und einem digitalen Rechenmodell, das möglicherweise bereits für die Schallberechnung genutzt worden ist, können die Schattenwurf-Immissionen im Jahresverlauf berechnet werden.

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