Ökologisches Großprojekt Rositz und Schnittstellenprojekt Schelditz

Ökologisches Großprojekt Rositz

Das ehemalige Teerverarbeitungswerk Rositz (TVW Rositz) befindet sich im Nordosten des Freistaates Thüringen, im Landkreis Altenburger Land, am Südostrand der Gemeinde Rositz.

Seit 1993 gilt die Sanierung des ehemaligen TVW Rositz als Ökologisches Großprojekt (ÖGP) im Sinne des Verwaltungsabkommens zwischen den Bundesministerien (BMU, BMF), der Treuhandanstalt und den neuen Bundesländern.

Sanierungsverantwortliche im ÖGP Rositz ist die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH (LEG) auf Grundlage des Freistellungsbescheides vom 11.04.1994, dem öffentlich-rechtlichen Vertrag (ÖRV) zwischen dem Freistaat Thüringen und der LEG vom 28.10.1996 in der jeweiligen Fassung sowie den Bescheiden der Ordnungsbehörden (Thüringer Landesverwaltungsamt, Staatliches Umweltamt Gera, Landratsamt Altenburger Land sowie Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz).

Quelle: Teerverarbeitungswerk Rositz vor der Sanierung; „Die Wandlung des ehemaligen Teerverarbeitungswerkes Rositz, im Altenburger Land, zum jetzigen Industrie- und Gewerbepark“; Aufnahme aus dem Jahr 1992; LANDESENTWICKLUNGSGESELLSCHAFT THÜRINGEN MBH; Datum: 28.10.2015
Quelle: Teerverarbeitungswerk Rositz vor der Sanierung; „Die Wandlung des ehemaligen Teerverarbeitungswerkes Rositz, im Altenburger Land, zum jetzigen Industrie- und Gewerbepark“; Aufnahme aus dem Jahr 1992; LANDESENTWICKLUNGSGESELLSCHAFT THÜRINGEN MBH; Datum: 28.10.2015
Quelle: Teerverarbeitungswerk nach der Sanierung; „Die Wandlung des ehemaligen Teerverarbeitungswerkes Rositz, im Altenburger Land, zum jetzigen Industrie- und Gewerbepark“; Aufnahme aus dem Jahr 2014; LANDESENTWICKLUNGSGESELLSCHAFT THÜRINGEN MBH; Datum: 28.10.2015
Quelle: Teerverarbeitungswerk nach der Sanierung; „Die Wandlung des ehemaligen Teerverarbeitungswerkes Rositz, im Altenburger Land, zum jetzigen Industrie- und Gewerbepark“; Aufnahme aus dem Jahr 2014; LANDESENTWICKLUNGSGESELLSCHAFT THÜRINGEN MBH; Datum: 28.10.2015

Das ÖGP Rositz umfasst die 3 Teilbereiche:

  • das ehemalige Werksgelände,
  • den sogenannten Teersee „Neue Sorge“ und
  • die „Aschehalde Fichtenhainichen“.

Die drei vorgenannten Altlastenstandorte stellen ein zusammenhängendes Sanierungsgebiet im Sinne von § 13 Absatz 5 BBodSchG dar.

Quelle: Kennzeichnung des Ökologischen Großprojektes Rositz; „Die Wandlung des ehemaligen Teerverarbeitungswerkes Rositz, im Altenburger Land, zum jetzigen Industrie- und Gewerbepark“; LANDESENTWICKLUNGSGESELLSCHAFT THÜRINGEN MBH; Datum: 28.10.2015
Quelle: Kennzeichnung des Ökologischen Großprojektes Rositz; „Die Wandlung des ehemaligen Teerverarbeitungswerkes Rositz, im Altenburger Land, zum jetzigen Industrie- und Gewerbepark“; LANDESENTWICKLUNGSGESELLSCHAFT THÜRINGEN MBH; Datum: 28.10.2015

Historie ehemaliges Werksgelände

Das Werksgelände umfasst eine Fläche von ca. 43,6 ha, es ist ca. 1.300 m lang und ca. 300 m breit.

Die Deutsche Erdöl AG (DEA) errichtete in den Jahren 1916/1917 das Teerverarbeitungswerk (TVW) Rositz mit dem Ziel der Erzeugung von Kraftstoffen aus einheimischen Rohstoffen. Ab 1930 erfolgte der Aufbau der Erdölverarbeitung. Im Jahr 1923 wurde das Kraftwerk zur Deckung des Eigenbedarfes an Elektroenergie und Wärme errichtet. Auf dem Gelände des ehemaligen TVW Rositz wurden von 1917 bis 1990 ca. 17,5 Mio. Tonnen Braunkohlenschwelteer, ca. 9 Mio. Tonnen Erdöl sowie ca. 600.000 Tonnen sonstige Rohstoffe, darunter 210.000 Tonnen Schwefelsäure, Natron- und Kalilauge, in entsprechenden Anlagen vorwiegend zu Kraftstoffen, Leicht-, Mittel-, Heiz- und Teerölen, Elektrodenkoksen, Paraffinen sowie Bitumen verarbeitet und gelagert. Im Jahr 1990 wurde das TVW stillgelegt, 1992 wurde auch das Kraftwerk außer Betrieb genommen.

Die als bekannt vorausgesetzten ökologischen Schäden resultieren aus dem mehr als 70-jährigen Produktionsgeschehen dieses ehemaligen Industriestandortes. Sie wurden verursacht durch den Betrieb der Anlagen (Produktionsweise) und dem damit in Zusammenhang stehenden unsachgemäßen Umgang mit Ausgangs- und Hilfsstoffen, Endprodukten, Reststoffen und Abfällen sowie durch Kriegseinwirkungen während des 2. Weltkrieges. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Werk bei Luftangriffen im Oktober 1944 und im Februar 1945 zu etwa 85 % zerstört. Dabei wurden 4.372 Bomben abgeworfen.

Es wird geschätzt, dass ca. 100.000 t Brenn- und Treibstoffe ausliefen und dabei teilweise verbrannten sowie teilweise versickerten

Auf Grund einer Havarie wurde das TVW Rositz im Dezember 1990 stillgelegt.

Mit den Sanierungsmaßnahmen wurde 1998 begonnen:

  • Abbruch, Demontage und Entsorgung der Verarbeitungs- und Nebenanlagen,
  • Sanierung von 32 Teilsanierungsprojekten,

Mit der Sanierungsplangenehmigung wurde der LEG eine bau- und investitionskonkrete Sanierung der Altlasten auf dem Areal des Werksgeländes genehmigt. Danach wurde orientierend an den Teilflächen des Bebauungsplanes die Altlastenbehandlung des Werksgeländes parallel zu den bautechnischen (Erschließung) und baugrundbedingten Maßnahmen der Investorenansiedlung (Baureifmachung) als nachnutzungsbezogene Sanierung durchgeführt, das heißt, die Sanierungsmaßnahmen wurden in konkreter Abhängigkeit von der Nachnutzung und den lokalen Kontaminationsverhältnissen realisiert. Durch die Sanierungsmaßnahmen wurden in Verbindung mit den Maßnahmen der Baureifmachung und Erschließung die im Boden (ungesättigte Bodenzone) vorhandenen Schadensbereiche durch Bodenaushub dekontaminiert oder durch flächige Versiegelung gesichert. So wurden bislang durch die Erschließungs-, Bau- und Sanierungsmaßnahmen auf dem Areal des Werksgeländes ca. 1,93 Mio. Tonnen Aushubmedien erfasst, bewegt/zwischengelagert, bewertet, ggf. behandelt und entsorgt bzw. wiedereingebaut, die Sanierungsmaßnahmen waren einerseits darauf ausgerichtet, schrittweise die Schadstoffeinträge aus dem Boden in das Schutzgut Grundwasser zu reduzieren (Sanierung der Schadstoffquellen), anderseits die ökologischen Voraussetzungen für eine gewerbliche oder industrielle Nachnutzung auf dem Areal des Werksgeländes herzustellen.

Der sogenannte Teersee „Neue Sorge“ befand sich im Bereich eines ehemaligen Braunkohlentagebaus, dieser wurde von 1922 bis 1930 betrieben, davor wurde die Braunkohle im Tiefbau abgebaut. Die Tagebausohle war bei ca. 164 m ü. NN und seit 1935 wurde der ehemalige Tagebau als Betriebsdeponie genutzt.

Die Verfüllung des Tagebaus erfolgte u.a. mit flüssigen und pastösen Abfällen aus der Produktion, sogenannte „Produktionsrückstände und Fehlproduktionen“, dabei wurde die Kapazität durch Dammbauarbeiten mehrmals erhöht, die Dammhöhe parallel der Molbitzer Straße betrug ca. 8 m.

Die Ausdehnung des sogenannten Teersees betrug zu Beginn der Sanierung: ca. 175 m Länge und ca. 120 m Breite, Fläche 2,1 ha und die Tiefe des Teersees betrug ca. 18 m.

Im Ergebnis einer Erkundungsmaßnahme und einer Abschätzung wurde das Volumen des Teersees mit 394.000 m3 angegeben.

1997 wurde mit der Sanierung des Teersees „Neue Sorge“ begonnen. Im Zeitraum von 1998 bis 2007 wurden dabei 343.000 m3 Produktrückstände entsorgt. Ab 2008 bis 2012 erfolgte die Verfüllung des Restloches mit 266.580 t Bodenmaterial. Zum Abschluss erfolgte die Wiederherstellung einer Oberflächenabdichtung inklusive der Bepflanzung der rekultivierten Fläche mit Gräsern und Sträuchern.

Historie „Aschehalde Fichtenhainichen“

Die „Aschehalde Fichtenhainichen“ („AHF“) befindet sich im Bereich eines ehemaligen Braunkohlentagebaus, davor wurde die Braunkohle im Tiefbau abgebaut. Dessen Tagebausohle war bei ca. bei 164 m ü. NN. Die Verfüllung des Restloches erfolgte u.a. mit Aschen und mit Abfällen aus der Produktion, sogenannte „Produktionsrückstände und Fehlproduktionen“.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden auf der Haldenoberfläche mehrere Becken zur Verrieselung von Schwelwässern angelegt und ab den sechziger Jahren wurden neben Aschen auch Bauschutt und Abfälle aus der Produktion abgelagert. So wurde z.B. an der Ostflanke Hausmüll abgekippt.

Die Gesamtfläche der „AHF“ beträgt ca. 16 ha und grenzt unmittelbar an das ehemalige Werksgelände an.

Der eigentliche Haldenkörper selbst umfasst ca. 10 ha, er hat eine Ausdehnung von ca. 220 – 300 m in Nord-Süd Richtung und von ca. 600 m in Ost-West Richtung und das Volumen des Haldenkörpers beträgt ca. 1,1 Mio. m³. Der höchste gelegene topographische Punkt liegt bei ca. 201 m ü. NN und damit etwa 29 m über dem Niveau des Erlbachs. Dieser fließt zwischen dem Werksgelände und der „AHF“ von Nordwesten nach Südosten und mündet in den Gerstenbach. Im Haldenkörper befinden sich 4 offene Becken mit „Produktionsrückständen und Fehlproduktionen“ mit einem geschätzten Gesamtvolumen von 124.250 m3. Ein weiteres mit Bodenmaterial überdecktes Becken (ca. 4.100 m3) grenzt nordwestlich an den Haldenkörper. Das Areal ist komplett mit einem Zaun umfriedet.

Quelle: Altlast „Aschehalde Fichtenhainichen“ (AHF) mit Kennzeichnung der Becken mit Produktionsrückständen (PR 1 bis PR 4); ÜBERFLIEGEN DURCH DAS THÜRINGER LANDESBERGAMT; Datum: September 2008
Quelle: Altlast „Aschehalde Fichtenhainichen“ (AHF) mit Kennzeichnung der Becken mit Produktionsrückständen (PR 1 bis PR 4); ÜBERFLIEGEN DURCH DAS THÜRINGER LANDESBERGAMT; Datum: September 2008

Schnittstellenprojekt Schelditz

Der Ortsteil Schelditz liegt in der Talaue des Gerstenbachs. Ein Hochwasser vom August 2002 förderte Grundwasserverunreinigungen zu Tage und der daraus resultierte Schadensbereich erstreckt sich über eine Fläche von ca. 400 m Länge und ca. 300 m Breite.

Schelditz liegt in der Nähe des Werksgeländes und somit in der Nähe der Herkunft der Verunreinigung. Die Hochwasserereignisse aus den Jahren 2011 und 2013 förderten erneut Grundwasserverunreinigungen zu Tage. Die Schadstoffausbreitung über die Kanalisation führte seitdem zu Geruchsbelästigungen in der Umgebung und auch in den Gebäuden.

Seit der Unterzeichnung des Öffentlich-Rechtlichen-Vertrages am 16.02.2018 zwischen der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH (LEG) und dem Freistaat Thüringen (TLVwA) läuft im Ortsteil Schelditz die Sanierung. Hierfür wurde eine Projektträgervereinbarung zwischen der LEG und der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau Gesellschaft mbH (LMBV) abgeschlossen. Ebenso wurde eine Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet, vertreten durch das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN), sowie vertreten durch das TLVwA und der LEG.

Im Zuge der Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen wurden im Jahr 2019 mehrere betroffene Häuser durch die LEG von den Eigentümern erworben und im Jahr 2020 abgerissen.

Im weiteren Verlauf der Sanierungsmaßnahmen sind noch geplant:

  • Umverlegung des Gerstenbaches
  • Errichtung einer Vertikalbodenfilteranlage & Speicherbecken
  • Errichtung eines Linearen Grundwasserentnahmeelementes
  • Geländeprofilierung (Einbau einer Wasserhaushaltsschicht)
  • Rückbau & Neubau von Medienleitungen, Schmutz-, Regen- und Trinkwasserleitungen
  • Anhebung der Talstraße

Der Abschluss der Maßnahmen ist laut den abgeschlossenen Verträgen für das laufende Jahrzehnt geplant.

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