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Abschluss der Verwahrungsarbeiten am Altkalischacht ,,Günthershall" in Göllingen

Der auf dem Gelände des ehemaligen Kaliwerkes Günthershall in Göllingen befindliche Schacht „Günthershall“ wurde zur Herstellung der Dauerstandsicherheit vollständig verfüllt. Die Verwahrung des Schachtes wurde mit Mitteln der Altbergbausicherung im Auftrag des Freistaates Thüringen durch die Firma TS Bau GmbH (Niederlassung Jena) mit Bauüberwachung von Seiten der ERCOSPLAN Ingenieurgesellschaft Geotechnik und Bergbau mbH ausgeführt. Die Arbeiten sind abgeschlossen.

Zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung an der Tagesoberfläche werden in bisher nicht verwahrten Tagesschächten des Altkalibergbaues im Freistaat Thüringen zur Erkennung von Aus- und Verbrüchen in den Schachtröhren Überwachungsarbeiten durchgeführt. Aus den Erkenntnissen der seit 1970 erfolgten Kontrollen am Schacht „Günthershall“ in der Ortslage Göllingen (Kyffhäuserkreis), insbesondere der Lotungs-ergebnisse der freien Schachtteufe, war auf Ausbrüche aus dem Schachtausbau zu schließen. Die lotbare Schachtteufe hatte sich seit der verunglückten Verfüllmaßnahme von 1964 von 420 m bis 2017 auf 392 m, d.h. um 28 m (einem Ausbruchsvolumen von rd. 190 m³) verringert. Die Lage des Ausbruches/der Ausbrüche aus der Schachtwandung sowie der Zustand des Schachtausbaues waren nicht feststellbar. Durch fortschreitende Verschlechterung der Gesamtsituation durch anhaltende Bewegungen in der Schachtröhre war eine Kontamination des Grundwassers, ausgehend von der in der Schachtröhre befindlichen Salzlauge (geschichtete mineralisierte Lösungen), nicht auszuschließen. Da neben der Gefahr des Schachteinsturzes auch eine Gefährdung des Grundwassers zu besorgen war, musste der Schacht durch vollständige Verfüllung der Schachtröhre über eine Rohrtour im Kontraktorverfahren (Einbringen von Frischbeton in einen tiefer liegenden, mit Flüssigkeit gefüllten Bereich) zeitnah verwahrt werden.

Der auf dem Gelände des ehemaligen Kaliwerkes in Göllingen befindliche Schacht „Günthershall“ wurde von 1905 bis 1907 unter sofortiger Mitnahme des endgültigen Ausbaues (erstmalig beim Abteufen von Kalischächten) auf eine Endteufe von 630 m mit lichtem Durchmesser von 5,25 m abgeteuft. Der Schachtausbau wurde von 8 m bis 160 m Teufe in Tübbingen aus Gusseisen, bis zur Endteufe in Ziegelmauerung ausgeführt. Es wurden am Schacht zwei Sohlen angeschlagen. In 601 m Teufe die Wettersohle und in 616 m Teufe die Fördersohle. Kalisalzabbau fand von 1907 bis 1925 statt. Streckenvortrieb und Abbau erfolgten schon mit Hilfe elektrischer Bohrmaschinen.

Zum Kaliwerk gehörten eine Rohsalzfabrik (1907), eine Kieserit- (1909) und eine Bromfabrik (1910). In der Betriebszeit gab es vermehrt Probleme mit Wasserzutritten in die Schachtröhre.1927/1929 wurden die Werksanlagen größtenteils abgebrochen. Es war beabsichtigt, den Schacht und die Grube trocken zu halten und ggf. nach Jahrzehnten wieder in Betrieb zu nehmen.

Die Schachtröhre stand aber im Herbst 1938 voll Wasser. Ein Zusammenhang mit drei im Raum Göllingen am 25./26.09.1936 aufgetretenen Erdstößen (Gebirgsschlägen) wird vermutet. Der 1928 abgedeckte Schacht war lt. Bericht vom 08.09.1935 noch wasserfrei, soll es angeblich auch im August 1938 noch gewesen sein.

Der Förderturm wurde dann (vermutlich zur Metallgewinnung) im II. Weltkrieg abgerissen.

Die Überwachung des Schachtes „Günthershall“ erfolgte nach 1990 im Rahmen des Monitorings Altkalischächte durch Lotungen der freien Teufe und Sonarerkundung in der Schachtröhre sowie Probenahmen und Analysen der mineralisierten Lösungen im Schacht.

2019/2020 wurden im Vorfeld der eigentlichen Schachtverwahrung durch die Bergsicherung Ilfeld GmbH der in ca. 5 m Tiefe liegende, vom Schacht abgehende ehemalige Wetterkanal erkundet und verfüllt sowie die später zu nutzende Verfüllbohrung durch die 1964 errichtete Schachtabdeckplatte und die darunterliegende 5 m starke Schachtplombe hergestellt.

Weiterhin wurden von der Fa. Baugrunderkundung Roßla GmbH im Auftrag des TLUBN zwei schachtnahe Grundwassermessstellen (GWMS) zur Überwachung des Grundwasser-chemismus während der geplanten Schachtverfüllung im An- und Abstrombereich errichtet.

Die Schachtröhre wurde 2021 über eine eingehängte Rohrtour mit 7.718 m³ Dämmerbaustoff verfüllt. Aus der Schachtröhre wurden entsprechend dem Verfüllfortschritt insgesamt 7.578 m³ Schachtlösung gehoben, zwischengestapelt und per LKW zu den Versatzbergwerken Sondershausen und Teutschenthal zur Entsorgung/Verwertung transportiert.

Die Verfüllung des Schachtes wurde termingerecht Anfang August 2021 beendet. Der abschließende „Schachtdeckel“ (Stahlbeton) erhielt eine Klinkerumrandung. In den Beton wurde die Schachttafel eingelassen. Der Schachtbereich ist durch große Natursteine gesichert. Die Endabnahme der Baustelle fand am 16.08.2021 ohne Mängel statt.

Die Verfüllung des Schachtes wurde von der Fa. TS Bau GmbH, Niederlassung Jena ausgeführt. Alle Planungs- und Bauüberwachungsarbeiten der Verwahrungsmaßnahme wurden im Auftrag des TLUBN (Referat 86) von der ERCOSPLAN Ingenieurgesellschaft Geotechnik und Bergbau mbH aus Erfurt erbracht. Für die gesamte Verwahrmaßnahme wurden im Zeitraum 2019-2021 durch den Freistaat Thüringen 2,2 Millionen Euro eingesetzt. Das Ziel der Altbergbauverwahrmaßnahme, die nachsorgefreie Verfüllung des Schachtes, wurde erreicht, die Dauerstandsicherheit der Schachtröhre hergestellt. Das anspruchsvolle Verwahrvorhaben konnte durch alle Beteiligten unfallfrei umgesetzt werden.

  In die Schachtabdeckplatte eingelassene Schachttafel für den Altkalischacht „Günthershall.“. Bildquelle: ERCOSPLAN.

   Kennzeichnung der Schachtröhre durch den Klinkerkranz auf der neuen Schachtabdeckplatte. Bildquelle: ERCOSPLAN.

   Schachtverfüllung. Blick von den Laugenstapelbehältern zum Schacht (vor dem Mobilkran). Bildquelle: TLUBN.

   Kühlturm und Schachtförderanlage aus Haupt- und Nebenförderung (halb verdeckt). Um 1920, Bildquelle: Heimatverein Göllingen.

Bildquelle: TLUBN

   Verfüllung des noch 26 m offenen, in 2 m Tiefe liegenden Wetterkanals (2 x 2 m) durch die Bergsicherung Ilfeld GmbH mit hydraulisch abbindendem Baustoff. Über den befahrbaren Kanal wurden Schachtmauerwerk/-plombe mittels Horizontalbohrung in 3 m Teufe erkundet. Bildquelle: ERCOSPLAN.

   Bohranlage der Fa. Baugrunderkundung Roßla auf der Pegelbohrung 1. Bildquelle: ERCOSPLAN.

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