Naturgefahren

Naturgefahren kennen. Risiken vermeiden.

Plötzlich steht die Saale im Wohnzimmer, ein Orkan deckt das Dach ab oder im Vorgarten klafft ein Krater. Dramatische Szenarien wie diese waren in den vergangenen Jahren leider auch in Thüringen Realität. Zwar kann es keinen 100-prozentigen Schutz gegen Naturgefahren geben, doch die Menschen können vorsorgen, um Schäden möglichst gering zu halten.

Mit der Kampagne „Thüringen wappnet sich gegen Hochwasser und andere Naturgefahren“ wollen die Landesregierung und ihre Partner alle Bürgerinnen und Bürger für mehr Eigenvorsorge gegen so genannte Elementarschäden sensibilisieren.

Informieren Sie sich auf den folgenden Seiten über die wichtigsten Naturgefahren in Thüringen und die Möglichkeiten des Versicherungsschutzes. Darüber hinaus finden Sie Tipps zur baulichen und technischen Vorsorge sowie zum richtigen Verhalten vor, während und nach einem Schadensfall.

Mit welchen Naturgefahren müssen Thüringer rechnen?

Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) warnen davor, dass extreme Wetterlagen zunehmen werden. Intensive Niederschläge und Überschwemmungen werden als Folge erwartet. Auch in Thüringen häufen sich die Hochwasserereignisse. Zuletzt hat das schwere Hochwasser im Frühsommer 2013 gezeigt, welche Macht die Natur über unser Leben und unser Wirtschaften hat.

Zudem häufen sich lokale Sturzfluten auch fernab größerer Flüsse und außerhalb der bekannten Überschwemmungsgebiete. Hangrutsche und Erdfälle sind in Thüringen ebenfalls eine ernstzunehmende Naturgefahr, wie die Ereignisse der vergangenen Jahre gezeigt haben.

  • Die Intensität von Starkregenereignissen hat in den vergangenen Jahren auch in Thüringen zugenommen. Diese Gefahr wird häufig unterschätzt. Starkregen kann auch fernab von Flüssen gefährliche Sturzfluten auslösen. Kleine Rinnsale können in kürzester Zeit zu reißenden Bächen anwachsen. Tatsächlich machen Schäden durch Starkregen inzwischen rund 50 Prozent der Überschwemmungsschäden aus.

    Bei Starkniederschlägen kann das Wasser nicht schnell genug im Boden versickern, so dass es zu einem überproportionalen Abfluss von Oberflächenwasser kommt, der binnen kürzester Zeit zu einer Sturzflut anschwillt. Auch die Kanalsysteme können solche Wassermengen nicht mehr schadlos ableiten, weil sie auf derart außergewöhnliche Abflussmengen nicht ausgelegt sind. Besonders gefährdet sind Gebäude in Hang- und Muldenlagen oder in der Nähe von versiegelten Flächen. In einer Stunde können durch Starkregen bis zu 10 % der gesamten Jahresniederschlagsmenge fallen.

  • Hagel entsteht in sehr großen Gewitterwolken mit starken Auf- und Abwinden, die im Sommer bis zu 10 km hoch reichen. Anzeichen sind die typischen dunklen Quellwolken, in denen starke Turbulenzen herrschen. Durch die Feuchtigkeit in der Wolke bilden sich zunächst Kondensationskerne, die durch Anlagerung von Wasser immer weiter wachsen. Die starken Aufwinde tragen sie nach oben, wo das Wasser gefriert. Sind sie schwer genug, gelangen sie in den Abwärtsstrom, in dem sich erneut Wasser anlagert. Evtl. werden sie durch den Aufwind wiederholt nach oben getrieben und gefrieren weiter. Irgendwann sind sie zu schwer und fallen als Hagel auf die Erde. Je länger die Hagelkörner in der Wolke rotieren, desto größer werden sie.

    Das Gewitter- und Hagelrisiko ist an Nachmittagen im Sommer am höchsten. Keine Gegend in Deutschland ist vor Hagel sicher. Abhängig von der Windstärke können Hagelkörner auch schräg oder sogar waagerecht fliegen und damit nicht nur Dächer, sondern auch Fassaden zerstören. Folgeschäden entstehen oft durch das Eindringen von Regenwasser durch die beschädigten Dachflächen.

  • Hochwasser ist ein Naturereignis, mit dem insbesondere die Bewohner von Flusstälern immer wieder konfrontiert werden. Hochwasser ist das Ergebnis des Zusammenwirkens ungünstiger Faktoren, z.B. von ergiebigem Dauerregen und gesättigten oder gefrorenen Böden oder von Dauerregen und intensiver Schneeschmelze.Die Folge größerer Hochwasserabflüsse sind Ausuferungen, die sowohl den unmittelbaren Uferbereich als auch - bei nicht eingedeichten Flüssen - ganze Flussniederungen betreffen können. Bei extremen Hochwassern kann es jedoch auch passieren, dass ein Teil des Wassers außerhalb des Gewässerbettes und sogar außerhalb der Schutzanlagen (Deiche, Wände etc.) abfließt und dort zu massiven Schäden führt.

    Im Juni 2013 ließ ergiebiger Dauerregen in Thüringen die Wasserstände in den Flüssen und Bächen rapide ansteigen. Besonders im Osten des Freistaates kämpften die Einsatzkräfte gegen die Fluten der ausufernden Flüsse Sprotte, Pleiße und Weiße Elster. In mehreren Landkreisen und in der kreisfreien Stadt Gera wurden die Richtwasserstände der höchsten Alarmstufe 3 weit überschritten und der Katstrophenfall festgestellt.

    Deutschlandweit verzeichneten viele Flüsse historische Pegelhochstände, vor allem in den Flussgebieten von Donau und Elbe. Durch Deichbrüche wurden Regionen überflutet, in denen es seit Jahrzehnten, zum Teil seit Jahrhunderten, kein Hochwasser gab. Diese Flut hinterließ verheerende Spuren und Milliardenschäden.

    Überschwemmungen durch Hochwasser sind für rund ein Drittel der Sachschäden verantwortlich, die auf Naturereignisse zurückgehen. Allein das Hochwasser vom August 2002 verursachte in Deutschland Schäden in Höhe von 11,6 Milliarden Euro und war damit die größte Naturkatastrophe der letzten 40 Jahre. Im Jahr 2010 wurde zudem der bisher größte Industrieschaden durch eine Überschwemmung ausgelöst.

  • Wiebke 1990, Lothar 1999, Kyrill 2007, Christian und Andreas 2013: Gemessen an der Häufigkeit von Schadenereignissen und am Schadenausmaß sind Stürme die bedeutendste Elementargefahr der letzten Jahrzehnte. In den letzten Jahren führten Stürme in Deutschland im Schnitt zu rund 750.000 versicherten Schäden pro Jahr im Privatsektor.

    Allein der Orkan Kyrill führte im Januar 2007 europaweit zu volkswirtschaftlichen Schäden von bis zu zehn Milliarden US-Dollar, versichert waren knapp sechs Milliarden US-Dollar. Der Sturm forderte in ganz Deutschland 13 Menschenleben. Auch der Hagelsturm Andreas im August 2013 verursachte große Schäden, allein an Wohn- und Geschäftsgebäuden in Deutschland (ohne Kfz) rund 1,9 Milliarden Euro.

    Sturmschäden werden vermutlich auch in Thüringen zunehmen. Verantwortlich dafür sind die zunehmende Bebauung, die das Schadenspotenzial erhöht, sowie Veränderungen im Wettergeschehen.

    Orkane entstehen in Mitteleuropa vor allem im Herbst und Winter, da in dieser Zeit die Temperatur- bzw. Luftdruckunterschiede zwischen der Polarregion und den Subtropen besonders groß sind. Es muss befürchtet werden, dass sich die Zugbahnen von Tiefdruckgebieten künftig stärker nach Mitteleuropa verlagern und damit die Zahl der starken Stürme in Deutschland steigen wird.

    Unter Sturm versteht man aus meteorologischer Sicht Windgeschwindigkeiten über ca. 75 km/h (Windstärke 9 Beaufort), während ab 117 km/h (12 Beaufort) von einem Orkan gesprochen wird. Im Versicherungsbereich gelten andere Grenzen: Für die Regulierung von Sturmschäden durch ein Versicherungsunternehmen muss eine Windgeschwindigkeit von 8 Beaufort bzw. 64 km/h vorliegen.

  • Ausgiebige Schneefälle führten Anfang 2006 in einigen Teilen Deutschlands zur größten Schneekatastrophe der letzten Jahrzehnte. Tagelang schaufelten Feuerwehrmänner und Soldaten Dächer frei - und doch stürzten manche ein. Über mehr als zwei Monate hatten sich große Schneedecken ansammeln und setzen können, da durchgreifendes Tauwetter ausgeblieben war. Dadurch war das Gewicht der Schneedecken besonders groß.

    Schneekatastrophen haben zum Teil ähnliche Ursachen wie Überschwemmungen: Zuviel Niederschlag in kurzer Zeit. Zu den extremen Neuschneemengen kommt häufig noch ungünstige Witterung, z. B. anhaltende Frostperioden oder Stürme mit Verwehungen. Dabei kann starker Wind die Ablagerung von Schnee an Hindernissen wie z. B. Gebäuden verstärken. Eine Gefahr können aber auch relativ hohe Temperaturen während des Schneefalls darstellen, da der Schnee dann besonders nass und schwer ist.

  • Erdfälle oder Erdsenkungen bilden sich vornehmlich durch chemische Lösung wasserlöslicher Gesteine (Korrosion), gelegentlich auch durch Ausspülung des Feinanteils von Lockergesteinen (Suffosion). Dadurch entstehen unterirdische Hohlräume, die zum plötzlichen Einsturz oder allmählichen Absenken der Erdoberfläche führen können. Sie machen sich in Form von Trichtern (so genannte Dolinen) oder Schloten bemerkbar. Diese sind bis zu 20 Meter tief und weisen Durchmesser von wenigen Metern bis zu mehreren zehn Metern auf. Senkungsmulden können sich über mehrere 100 Meter erstrecken.

    Gebiete, in denen aufgrund der geologischen Situation eine erhöhte Erdfallneigung besteht, sind in Thüringen bekannt. Jedoch kann z. B. der einzelne Erdfall sowohl zeitlich als auch örtlich nicht vorhergesagt werden.Mögliche Gebäudeschäden können von Rissen bis zum Einsturz des Gebäudes reichen und lassen sich nur bei kleineren Erdfällen durch eine angepasste Bauweise verhindern.

    Im Versicherungsbereich sind bei der Elementarschadenversicherung sowohl die Bezeichnung Erdfall als auch Erdsenkung gebräuchlich. Beide werden als eine naturbedingte Absenkung des Erdbodens über natürlichen Hohlräumen definiert.

    Mehr: Informationen des Landeserdbebendienstes

  • Unter Hangrutschungen, in Fachkreisen auch Massenbewegungen genannt, werden Verlagerungen von Boden- und Gesteinsmassen in Hangbereichen und Steilböschungen unter der Einwirkung der Schwerkraft verstanden.

    Je nach Art des bewegten Materiales, der Art des Bewegungsvorganges, der Bewegungsgeschwindigkeit sowie der Größenordnung wird zwischen Bodenkriechen, Hangrutschungen, Talzuschub, Muren, Steinschlag, Blockschlag, Fels- bzw. Bergsturz unterschieden. Derartige Ereignisse können Veränderungen von lediglich wenigen Metern bis hin zum Abbruch ganzer Felswände oder sogar zum Zuschub ganzer Täler erreichen. Die Klimaänderungen und die damit verbundenen Wetterereignisse, wie z.B. lang anhaltende Starkregen, erhöhen die Gefährdung von Grundstücken, Gebäuden und Straßen.

  • Als Erdbeben werden Erschütterungen des Erdkörpers bezeichnet. Sie entstehen durch plötzliche Freisetzung mechanischer Energie (Deformationsenergie), die sich in begrenzten Arealen von Erdkruste und/oder Erdmantel aufgestaut hat. Diese Energiefreisetzung erzeugt Erdbebenwellen, die sich vom Erdbebenherd (Hypozentrum) ausbreiten.

    Am häufigsten treten tektonische Beben (Verschiebungen an Plattengrenzen/Störungszonen der Lithosphäre) auf. Seltener werden Erdbeben durch vulkanische Aktivität, Einsturz unterirdischer Hohlräume, große Erdrutsche und Bergstürze sowie durch Sprengungen hervorgerufen. Liegt das Hypozentrum in der Nähe bewohnter Gebiete und ist das Erdbeben stark genug, können die Erschütterungen vom Menschen verspürt werden und Schäden an Bauwerken auftreten.

    Zumeist bestehen Erdbeben nicht aus einer einzelnen Erschütterung. Ein stärkeres Hauptbeben wird häufig von Vor- und Nachbeben begleitet. Treten Erdbeben in einer bestimmten Region über einen längeren Zeitraum gehäuft auf, wird von Schwarmbeben gesprochen. Diese sind z.B. für das Vogtland charakteristisch.

    Der Freistaat Thüringen (vor allem Ostthüringen) liegt gemeinsam mit Sachsen und Sachsen-Anhalt in einer Erdbebenzone, in der zumeist schwächere, verschiedentlich auch etwas stärkere Erdbeben gespürt werden. Dies hat Einfluss auf Bauvorschriften und deren praktische Umsetzung.

    In Deutschland wecken bereits schwache Erdbeben, sobald sie verspürt werden,  erhöhte Aufmerksamkeit.  Durch automatisierte Verfahren werden die seismischen Signale der Messstationen des Thüringer Seismologischen Netzes (TSN) kontinuierlich ausgewertet und die Parameter von gemessenen Erdbeben schnellstmöglich veröffentlicht (z.B. Landeserdbebendienst oder Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe). Auch bei weniger spektakulären Erdbeben dient die Darstellung der aktuellen Seismizität der interessierten Öffentlichkeit, sich mit dem Georisiko Erdbeben auseinanderzusetzen und persönliche Beobachtungen zuordnen zu können.

Schadenereignisse in Deutschland

In Deutschland steigt die Zahl der Schadenereignisse. Von 1970 bis 2013 waren von 860 Schadenereignissen 70 Prozent durch Stürme, 19 Prozent durch Überschwemmungen, acht Prozent durch andere wetterbedingte Naturereignisse wie Hitzewellen, Dürren oder Waldbrände und drei Prozent durch Erdbeben verursacht.

Insgesamt entstanden Schäden von rund 90 Milliarden Euro, von denen nur 42 Prozent versichert waren. Auffällig ist, dass Überschwemmungen einen relativ großen Anteil der Gesamtschäden verursachten (34 %), aber nur mit 15 Prozent versichert waren. 2013 haben die Überschwemmungsschäden im Mai/Juni und die Hagelschläge im Juli/August mit insgesamt über 13,5 Milliarden Euro Gesamtschaden dazu beigetragen, dass 2013 das zweitteuerste Schadenjahr seit Beginn der Aufzeichnungen wurde.

Wie sorgen Sie richtig vor?

Besonders in den Hochwasserschutz hat der Freistaat Thüringen in den letzten Jahren viele Millionen Euro investiert. Dennoch bleibt die Eigenvorsorge der Betroffenen eine unerlässliche Ergänzung des staatlichen Hochwasserschutzes und gegen andere Naturgefahren.

Eigenvorsorge heißt, Schutzvorkehrungen an Grundstücken, in Haus oder Wohnung zu treffen, aber auch, das dann immer noch verbleibende Risiko abzusichern. Das ist nur durch den Abschluss einer Erweiterten Naturgefahrenversicherung (Elementar) möglich. Auf staatliche Hilfen haben Geschädigte keinen Rechtsanspruch.

Gebäude- und Grundstückseigentümer sind aufgerufen, durch gezielte präventive Maßnahmen an und in Gebäuden, an Grundstücken sowie durch ausreichenden Versicherungsschutz Eigenvorsorge zu betreiben und zur Absicherung im Schadenfall beizutragen.

Mieter und Pächter sollten berücksichtigen, dass sie neben einem entsprechenden Versicherungsschutz für ihre Einrichtungsgegenstände auch für Vorkehrungen zum Schutz ihres Inventars selbst verantwortlich sind.

  • Die Karten zu Hochwassergefahren und Hochwasserrisiken sind öffentlich zugänglich. Die Karten verdeutlichen, welche Gebiete Thüringens durch großflächige Überschwemmungen gefährdet sind. Informieren Sie sich, ob Sie persönlich betroffen sind.

    Der Kompass Naturgefahren wurde durch den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in Kooperation mit mehreren Bundesländern, darunter Thüringen, entwickelt. Geobasisdaten der Vermessungsverwaltungen, Naturgefahrendaten der Umweltverwaltungen und Risikodaten der Versicherungswirtschaft wurden verknüpft und gestatten dem Nutzer, das von Hochwasser und anderen Naturereignissen ausgehende Gefährdungspotential objektbezogen einzuschätzen.

    Über aktuelle Pegelstände und Gefahren informiert die Hochwassernachrichtenzentrale an der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie.

    Vor Unwetter jeder Art warnen der Deutsche Wetterdienst und die Unwetterzentrale Deutschland.

    Auch historische Dokumente und Fotos vergangener Hochwasser sind nach vielen Jahren ohne Hochwasser oftmals die einzigen Hinweise auf eine bestehende konkrete Gefahr. Auch Hochwassermarken, die an Gebäuden, Brücken etc. die einstigen Hochwasserstände anzeigen, weisen auf das hin, was wieder passieren kann und sind unbedingt zu sichern und zu erhalten. Bauherren sind gut beraten, vor dem Baubeginn historische Zeugnisse zu prüfen.

  • Neben dem Abschluss von Versicherungen kann jeder Bürger und Unternehmer durch entsprechendes Handeln vorsorgen, um sich gegen mögliche Schäden zu schützen. Dazu gehören bau- und anlagentechnische Schutzvorkehrungen am und im Gebäude sowie Vorsichtsmaßnahmen vor, während und nach einer Überschwemmung, eines Sturms oder eines Erdfalls.

    Insbesondere zum Hochwasserschutz gibt es eine Reihe von Ratgebern:

    • Hochwasserschutzfibel: Sie gibt Bauherren, Hausbesitzern oder auch Mietern wichtige Hinweise, um Elementarschäden wirksam abzuwenden
    • Broschüre "Schutz vor Überschwemmungen - Leitfaden für Schutzkonzepte und Schutzmaßnahmen bei Industrie- und Gewerbeunternehmen" - Diese Broschüre des GDV enthält ausführliche Informationen speziell für Betriebe.
    • Der Hochwasserpass: Der Hochwasserpass gibt ein detailliertes Bild über das individuelle Überschwemmungsrisiko in ganz Deutschland. Dabei wird der Ist-Zustand des Hauses bewertet, Risiken werden aufgezeigt und Maßnahmen zum Schutz initiiert. Dadurch können Schäden an Gebäuden und Grundstücken verringert oder vermieden werden.Die Kernaussage des Hochwasserpasses - das Gefährdungspotenzial - wird in einem Farbschema dargestellt und in die Lastfälle Hochwasser, Starkregen/Sturzfluten und Kanalrückstau aufgeteilt.

      Der Hochwasserpass dient dem Nachweis, ob das Gebäude hochwassergefährdet, durch Hochwasserschutzmaßnahmen geschützt und/oder hochwasserangepasst gebaut ist.

    Über sicheres Bauen in Erdfallgebieten sowie das richtige Verhalten bei einem Erdfall informieren Merkblätter des Geologischen Landesdienstes.

  • Wegen der erwarteten Zunahme extremer Naturereignisse wird es immer wichtiger, sich vor deren Folgen auch finanziell zu schützen. Und das auch dann, wenn auf den ersten Blick keine Gefahr zu drohen scheint, weil das Gebäude z. B. weit entfernt von Überschwemmungsgebieten oder Flüssen liegt.

    Immer noch haben viele Immobilienbesitzer und Mieter in Thüringen keine ausreichende Eigenvorsorge getroffen.

    Ist Ihr Gebäude versicherbar?

    Wie ein Gebäude in der Elementarschadenversicherung versicherbar ist, hängt vor allem vom Hochwasserrisiko seines Standortes ab. Hierzu hat der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) mit Hilfe von Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie das computergestützte Zonierungssystem ZÜRS (ZÜRS = Zonierungssystem für Überschwemmung) entwickelt. Die erste Version von 2001 wurde regelmäßig weiterentwickelt und aktualisiert, so dass heute nahezu jedes Gebäude in Deutschland in eine von vier Gefährdungsklassen (GK) eingestuft ist:

    • GK 4: statistisch häufiger als 1 mal in 10 Jahren ein Hochwasser
    • GK 3: statistisch 1 mal in 10-50 Jahren ein Hochwasser
    • GK 2: statistisch 1 mal in 50-200 Jahren ein Hochwasser
    • GK 1: statistisch seltener als einmal alle 200 Jahre ein Hochwasser

    Zusätzlich wurde eine Bachzone festgelegt, die sich als Zone von jeweils 100 Metern entlang von kleinen Fließgewässern erstreckt. Liegt ein Haus innerhalb dieser Zone, gibt ZÜRS diese Information zusätzlich zur Gefährdungsklasse an.

    In der Zone der GK 1 liegen in Thüringen etwa 87,2 Prozent und in GK 2 etwa 9,1 Prozent der Gebäude. Nur etwa 3,7 Prozent der Gebäude liegen in den Zonen 3 und 4.

    Viele Versicherungsunternehmen benutzen ZÜRS, um die Kosten einer Elementarschadenversicherung für die einzelnen Gebäude risikogerecht kalkulieren zu können und/oder über die jeweilige Gefährdung hinsichtlich einer Überschwemmung zu entscheiden. Um herauszufinden, in welcher Zone sich Ihr Gebäude befindet und zu welchen Konditionen es versicherbar ist, müssen Sie sich an ein Versicherungsunternehmen wenden.

    Da ZÜRS lediglich Aussagen zur Überschwemmungsgefährdung infolge Hochwasser (Ausuferung von Gewässern) trifft, lässt sich eine Gefährdung durch die anderen Elementargefahren z. B. Starkregen oder Schneedruck, aus ZÜRS nicht ableiten. Die Risikoprüfung der Versicherungsunternehmen umfasst daher in der Regel auch weitere Faktoren, z. B. ob ein Objekt schon einmal von einem Elementarschaden betroffen war. Auch dies kann entscheidend dafür sein, ob ein Objekt Versicherungsschutz erhält oder nicht - unabhängig davon, in welcher ZÜRS-Zone sich das Objekt befindet.

    Warum sind nicht alle Gebäude gegen Hochwasser versicherbar?

    Nicht versicherbar sind mittlerweile nur wenige Gebäude in Thüringen, weil diese z. B. in unmittelbarer Flussnähe liegen und regelmäßig, d. h. in statistisch sehr kurzen Zeitabschnitten, von Überschwemmungen heimgesucht werden. In Zahlen ausgedrückt heißt das:

    In Thüringen sind mittlerweile ca. 98,9 Prozent der Gebäude mit Standardprodukten versicherbar. Tatsächlich sind aber nur 42 Prozent der privaten Gebäude in Thüringen gegen Elementargefahren versichert. Nur etwas mehr als ein Prozent der Gebäude liegen in stark hochwassergefährdeten Bereichen. Für diese besteht zum Teil durch schadenverhütende Maßnahmen oder erhöhte Selbstbehalte ebenfalls eine Versicherungsmöglichkeit.

  • Gegen Schäden aus Naturgefahren sollte man sowohl sein Haus als auch den Hausrat absichern. Während die meisten Haus- und Wohnungsbesitzer bereits eine Versicherung gegen Feuerschäden abgeschlossen haben, sind es bei der Absicherung gegen Sturm und Hagel schon weniger.

    Stark unterschätzt wird bislang die Gefahr, durch die sogenannten "weiteren Elementargefahren" geschädigt zu werden. Als "weitere Elementargefahren" werden im Versicherungsbereich Überschwemmung, Rückstau, Erdrutsch, Erdsenkung/Erdfall, Erdbeben, Schneedruck, Lawinen und Vulkanausbruch bezeichnet. In Thüringen besteht vor allem die Gefahr, durch Überschwemmung oder Starkregen geschädigt zu werden.

    Wie versichere ich mein Haus gegen Elementarschäden?
    1. Absicherung gegen Elementarschäden

    Eine Versicherung gegen die so genannten erweiterten Elementarschäden wird als Baustein im Rahmen einer Wohngebäudeversicherung oder als gesonderte Elementarschadenversicherung angeboten. Die Einzelgefahren in der erweiterten Elementarversicherung (Überschwemmung, Rückstau, Hochwasser, Schneedruck, Erdrutsch, Erdfall/Erdsenkung, Erdbeben, Lawinen, Vulkanausbruch) sind in der Regel nicht einzeln ab- bzw. zuwählbar.

    Im Falle eines Schadens werden Reparaturkosten am Haus und an den versicherten Nebengebäuden auf dem Grundstück ersetzt. Falls notwendig, übernimmt die Versicherung alle Kosten, die für den Abriss des alten sowie die Konstruktion und den Bau eines neuen Hauses in gleicher Art und Güte erforderlich sind. Und zwar zu den heute üblichen Preisen, unabhängig davon, wie alt das Gebäude war.

    Die Landesregierung rät allen Bürgern, die besonderen Risiken ausgesetzt sind (z. B. Lage in einem Hochwasserrisikogebiet), dringend, eine Elementarschadenversicherung als Zusatz zur Wohngebäudeversicherung und eine Hausratsversicherung unter Einschluss von Elementargefahren abzuschließen. Aufgrund der Zunahme von Starkniederschlägen, die lokal auch fern der Gewässer auftreten und hinsichtlich ihres Risikos nicht räumlich eingegrenzt werden können, wird auch Bewohnern außerhalb der o.g. Gebiete empfohlen, ihr Risiko durch den Abschluss einer in diesem Fall meist sehr günstigen zusätzlichen Elementarschadenversicherung zu reduzieren.

    Automatisch eingeschlossen ist in der Wohngebäudeversicherung der Mietausfall. Wenn das eigene Haus vorübergehend unbewohnbar ist, wird der ortsübliche Mietwert einschließlich fortlaufender Nebenkosten erstattet, bei vermieteten Objekten die ausgefallene Miete einschließlich Nebenkosten.

    2. Absicherung gegen Hagel- und Sturmschäden

    Hagel- und Sturmschäden (ab Windstärke 8) am Gebäude können entweder durch eine separate Sturmversicherung oder im Rahmen einer Wohngebäudeversicherung abgedeckt werden. Hat der Sturm Dächer abgedeckt, sind Folgeschäden am Gebäude, wie durch eindringende Niederschläge, ebenfalls mitversichert. In Deutschland verfügen über 70 Prozent aller Wohngebäude über eine entsprechende Versicherung.

    3. Absicherung gegen Feuerschäden und Blitzschlag

    Die Brand- oder Feuerversicherung deckt Schäden am Gebäude ab, die aufgrund eines Feuers oder eines Blitzeinschlages entstehen. In vielen Fällen ist die Absicherung gegen Feuer aber auch ein Bestandteil der Wohngebäudeversicherung. Fast jedes Haus in Thüringen ist gegen Feuerschäden versichert, da dies in der Regel von den Finanzinstituten bei der Kreditvergabe gefordert wird.

    Wie versichere ich meinen Hausrat gegen Elementarschäden?

    Sturmschäden sowie Folgeschäden am Hausrat ersetzt nur die Hausratversicherung. Die Hausratversicherung bietet für Einrichtungs-, Gebrauchs- und Verbrauchsgegenstände eines Haushaltes Versicherungsschutz gegen Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Einbruchdiebstahl, Raub und Vandalismus. Außerdem sind beispielsweise Aufräumkosten, Schutzkosten und in der Regel auch Hotelkosten versichert.

    Um einen umfassenden finanziellen Schutz gegen Naturgefahren zu erhalten, sollten Haus- und Wohnungsbesitzer sowie Mieter außerdem ihren Hausrat gegen die Elementargefahren Starkregen, Hochwasser, Überschwemmung, Erdbeben, Erdfall/Erdsenkung, Schneedruck, Lawinen und Vulkanausbruch versichern. Hierzu ist meist eine Ergänzung der vorhandenen Hausratversicherung erforderlich. Diese Einzelgefahren sind in der erweiterten Elementarversicherung in der Regel nicht einzeln ab- bzw. zuwählbar.

  • Gegen Schäden aus Naturgefahren sollte man sowohl seine Immobilie bzw. Geschäftsräume als auch die Betriebseinrichtung, Vorräte und Waren absichern. Auch die Zeit nach einem Schaden, wenn der Betrieb oder Teile davon stillstehen, lässt sich finanziell überbrücken.

    Während die meisten Unternehmer bereits eine Versicherung gegen Feuerschäden abgeschlossen haben, sind es bei der Absicherung gegen Sturm und Hagel weniger.

    Stark unterschätzt wird bislang die Gefahr, durch die sogenannten "weiteren Elementargefahren" Überschwemmung, Rückstau, Erdrutsch, Erdsenkung / Erdfall, Schneedruck, Lawinen, Erdbeben und Vulkanausbruch geschädigt zu werden.

    Wie versichere ich meinen Betrieb bzw. meine Geschäftsräume gegen Elementarschäden?
    1. Absicherung gegen Elementarschäden: Überschwemmung, Rückstau, Hochwasser, Schneedruck, Erdrutsch, Erdsenkung / Erdfall, Erdbeben, Lawinen, Vulkanausbruch

    Eine Versicherung gegen die weiteren Elementarschäden wird als Baustein im Rahmen einer Geschäftsgebäudeversicherung oder als gesonderte Elementarschadenversicherung angeboten. Die Einzelgefahren in der erweiterten Elementarversicherung sind in der Regel nicht ab- bzw. zuwählbar.

    Im Schadenfall werden die Reparaturkosten am Gebäude ersetzt. Bei Versicherung zum Neuwert wird im Fall eines Totalschadens der Neubau einer Immobilie in gleicher Art und Güte übernommen.

    2. Absicherung gegen Hagel- und Sturmschäden

    Hagel- und Sturmschäden (ab Windstärke 8) am Gebäude können entweder durch eine separate Sturmversicherung oder als Baustein im Rahmen einer Geschäftsgebäudeversicherung abgedeckt werden. Hat der Sturm Dächer abgedeckt, sind Folgeschäden am Gebäude, wie durch eindringende Niederschläge, ebenfalls mitversichert.

    3. Absicherung gegen Feuerschäden und Blitzschlag

    Die Brand- oder Feuerversicherung deckt Schäden am Gebäude ab, die aufgrund eines Feuers oder eines Blitzeinschlages entstehen. Feuerschäden können entweder durch eine separate Feuerversicherung oder als Baustein im Rahmen einer Geschäftsgebäudeversicherung abgedeckt werden. Fast jedes Gebäude in Thüringen ist gegen Feuerschäden versichert, da dies in der Regel von den Finanzinstituten bei der Kreditvergabe gefordert wird.

    Wie versichere ich meine Betriebseinrichtung und Waren gegen Elementarschäden?

    Ihre Betriebseinrichtung, ihre Waren und Vorräte sichern Sie mit einer Geschäftsinhaltsversicherung finanziell ab. Dabei kann man wählen, ob die Deckung die Gefahren Feuer, Sturm und Hagel oder auch Schäden durch Leitungswasser, Einbruchdiebstahl, Raub und Vandalismus umfassen soll. Um einen umfassenden finanziellen Schutz gegen Naturgefahren zu erhalten, sollten Unternehmer die Geschäftsinhaltsversicherung um die Elementargefahren erweitern.

    Wie versichere ich eine Betriebsunterbrechung nach Elementarschäden?

    Steht nach einem Elementarschaden der Betrieb oder Teile davon still, weil die Räume nicht genutzt werden können oder Maschinen defekt sind, entsteht ein sog. Unterbrechungsschaden. Die Fixkosten (z. B. Kreditraten, Leasinggebühren oder Gehälter) laufen trotz Stillstand weiter und der Gewinn bricht weg.

    Finanziellen Schutz erhalten Unternehmer mit einer Betriebsunterbrechungsversicherung. Gegenstand der Deckung ist die finanzielle Kompensation der fortlaufenden Kosten und des entgangenen Gewinns nach einem versicherten Sachschaden. Dabei kann man wählen, ob die Deckung die Gefahren Feuer, Sturm und Hagel oder auch Schäden durch Leitungswasser, Einbruchdiebstahl, Raub und Vandalismus umfassen soll.

    Um einen umfassenden finanziellen Schutz gegen Naturgefahren zu erhalten, sollten Unternehmer ihre Betriebsunterbrechungsversicherung um die Elementargefahren ergänzen.

    Wie versichere ich einen Mietausfall nach Elementarschäden?

    Haben Sie Gebäude oder Teile davon vermietet, die ganz oder überwiegend gewerblich genutzt werden, können diese im Falle eines Sachschadens unbenutzbar werden. Dadurch kann es zum Ausfall von Miet- oder Pachteinnahmen kommen.

    Finanziellen Schutz erhalten Vermieter mit einer Mietverlustversicherung. Gegenstand der Deckung ist die finanzielle Kompensation des Mietausfalls und der fortlaufenden Mietnebenkosten nach einem versicherten Sachschaden. Dabei kann man wählen, ob die Deckung die Gefahren Feuer, Sturm und Hagel oder auch Schäden durch Leitungswasser umfassen soll.

    Um einen umfassenden finanziellen Schutz gegen Naturgefahren zu erhalten, sollten Unternehmer ihre Mietverlustversicherung um die Elementargefahren ergänzen.

Unterstützung durch den Freistaat

Was leistet der Freistaat zum Schutz vor Naturgefahren?

Im Zuge der Umsetzung des Landesprogramms Hochwasserschutz wurde ein Maßnahmenpaket geschnürt, das Aktivitäten auf Landes-, Landkreis- und Gemeindeebene enthält.

Der Freistaat Thüringen ist in vielen Bereichen tätig, um Naturkatastrophen zu verhindern und im Falle von Krisen Hilfestellung zu leisten.

Mit dem Thüringer Anpassungsprogramm an den Klimawandel (IMPAKT) sorgt die Landesregierung für eine bestmögliche Anpassung an nicht vermeidbare Folgen. Allein in den Hochwasserschutz investiert sie jedes Jahr mehrere Millionen Euro. Die Katastrophenschutzbehörden sorgen mit vielfältigen Maßnahmen für einen effizienten Katastrophenschutz. Sie planen die notwendigen Kräfte und Mittel, übernehmen im Falle von Katastrophen die Gesamt-Einsatzleitung und koordinieren die mitwirkenden Behörden, Organisationen und Einsatzkräfte.

Staatliche Hilfen für Geschädigte sollen künftig die Ausnahme bleiben und sich auf Härtefälle beschränken. Grundsätzlich hat die Eigenvorsorge Vorrang.

Die Kampagne und ihre Partner stellen sich vor

Da künftig mit einer zunehmenden Zahl von Naturkatastrophen gerechnet werden muss, wird eine ausreichende Vorsorge immer dringlicher. Die Thüringische Landesregierung hat daher beschlossen, gemeinsam mit Verbänden, Kammern und Wirtschaftsvertretern eine Öffentlichkeitskampagne zum Thema Elementarschadenversicherung durchzuführen. Ziel ist es, die Bürger darauf hinzuweisen, dass Eigenvorsorge der Bürger Vorrang hat und ein umfassender Versicherungsschutz gegen Elementarschäden in den meisten Fällen sinnvoll und möglich ist.

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