Naturschutzgebiet „Großer Inselsberg“ neu ausgewiesen Schutzzweck des Gebietes erstmals verbindlich festgeschrieben


Bereits seit 1961 besteht das Naturschutzgebiet „Großer Inselsberg“.

Der Berg, mit 916,5 m N.N. eine der höchsten Erhebungen des Thüringer Waldes, überragt das allgemeine Niveau des Gebirges markant bis zu 200 Metern und ist daher als Landmarke weithin zu sehen. Der Beginn der Erholungsnutzung des Inselsberg-Gebietes lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Auf dem Gipfel entstanden dadurch im Laufe der Zeit touristische Gebäude, aber auch Funkmastanlagen, während die umliegenden Wälder für Freizeitaktivitäten wie Wandern, Reiten, Rad- und Skifahren erschlossen sind. Die Obere Naturschutzbehörde hat das Gebiet nun einer Überprüfung unterzogen und nach den aktuell geltenden Verfahrensvorschriften des Naturschutzrechts neu ausgewiesen.

Anlass der Neuausweisung des Gebietes ist vor allem die Aufhebung des NSG gem. § 9 Abs. 5 ThürNatG für Teilflächen, auf denen die Aufrechterhaltung der Schutzerklärung nicht mehr gerechtfertigt ist. Dies betrifft wegen der dort vorhandenen Bebauung, Versiegelung bzw. der räumlich-funktionalen Isolierung Teile des Inselsberg-Gipfels, die Zufahrten zum Gipfel (u. a. Kreisstraße) einschließlich Parkplatz und Grundstücke mit Wohnbebauung am Südostrand des NSG.

Die Flächen des Großen Inselsberges, für die ein Bebauungsplan zur Umsetzung des Tourismus-Schwerpunktprojektes Inselsberg-Region vorgesehen ist, liegen nach Inkrafttreten der o.g. Verordnung außerhalb des NSG.

Mit dem Erlass der neuen Verordnung wurde erstmals der Schutzzweck des Gebietes verbindlich festgeschrieben. Dieser besteht u.a. darin,

  • den ausgedehnten, weitgehend geschlossenen Waldkomplex aus natürlichen Buchenwäldern in seiner Gesamtheit zu sichern und stabile, naturnahe und reich strukturierte Waldbestände zu erhalten und zu erzielen,
  • optimale Lebensbedingungen für an Alt- und Totholz gebundene Arten wie Käfer, Kleinsäuger und Vögel sowie Moose, Flechten und Pilze zu bieten,
  • den Strukturreichtum des Gebietes zu bewahren und zu verbessern, um das Gebiet als Brut-, Nahrungs- und Rastgebiet für Vögel zu sichern,
  • die kleinflächigen, naturnahen Offenlandbiotope wie die Bergwiese, Felsen, Bachtälchen und Stillgewässer als vielseitige und artenreiche Lebensbereiche zu bewahren,
  • die geologischen und geomorphologischen Besonderheiten des Gebietes zu schützen und die Eigenheit und Schönheit der Landschaft zu sichern und
  • den im EU-weiten Schutzgebietsnetz Natura 2000 liegenden Teil des Naturschutzgebietes im Sinne der FFH-Richtlinie zu erhalten und zu entwickeln.

Die in dem Naturschutzgebiet zu beachtenden Regeln wurden mit der Neuausweisung zusammengefasst und aktualisiert.

Die Besonderheit des Naturschutzgebietes „Großer Inselsberg“, das eine Fläche von 135 Hektar umfasst, sind die höchstgelegenen, meist naturnahen Rotbuchenwälder im Osten Deutschlands, in denen auch die Eberesche anzutreffen ist. Sie bedecken das Schutzgebiet fast vollständig. Nur an wenigen Stellen stocken Fichtenwälder, die aus Anpflanzungen stammen. Auf ca. 17 Hektar bleibt der Wald seit Jahrzehnten der natürlichen Entwicklung überlassen und es kann ein urwaldartiger Bereich entstehen. Eine artenreiche Bergwiese, die sogenannte Grenzwiese, kleine Gewässer und Blockhalden sind wertvolle Biotope des Offenlandes.

Das Naturschutzgebiet zeichnet sich vor allem durch seinen Reichtum an Moosen und Flechten aus. Es bietet auch Lebensraum für eine artenreiche Vogel- und Insektenwelt, einige anspruchsvolle Landschneckenarten hoch gelegener Buchenwälder und mehrere besonders geschützte Kleinsäuger– und Amphibienarten. So brüten in dem Gebiet Schwarzspecht, Raufußkauz und Waldschnepfe, während zur Vogelzugzeit Schwärme von Bergfinken und verschiedenen Drosselarten zur Nahrungssuche rasten. Kleinäugige Wühlmaus und Haselmaus kommen hier ebenso vor wie Feuersalamander, Bergmolch und Fadenmolch.

 

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