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Erkundungen am Erdfall Bottendorf laufen


Am 10. Januar 2021 ereignete sich in der Mittelstraße in Bottendorf/Stadt Roßleben-Wiehe ein Erdfall mit ca. 12 m Durchmesser.

Bild: TLUBN

An gleicher Stelle wurden schon in den Jahren 1904, 1956 und 1980 Erdfälle beobachtet. Aufgrund der Vielzahl der Erdfälle gilt Bottendorf als aktives Subrosionsgebiet. Die Auslaugungsprozesse sind in Bottendorf an die unterirdische Ablaugung der Sulfate des Zechsteins gebunden.

Das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz beauftragte das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN), Untersuchungen der geologischen Strukturen durchzuführen und zur Sicherheit der Anwohner ein Frühwarnsystem aufzubauen und stellte die Haushaltsmittel zur Verfügung.

Von August bis September 2021 wurden im Auftrag des TLUBN seismische Messungen zur optimalen Platzierung der Bohransatzpunkte und zur besseren Lokation tektonischer Strukturen ausgeführt. Sie spiegeln, wie nach der geologischen Karte erwartet, ein von zahlreichen Störungen durchzogenes Gebirge wieder. Diese Störungszonen sind bei Wasserzutritt verantwortlich für die Verfrachtung der leicht löslichen Gesteine und die entstehenden Gesteinsdefizite im Untergrund.

Anfang Oktober 2021 wurde die Baustelle für die Ausführung von vier Kernbohrungen eingerichtet. Derzeit laufen die Bohrungen mit zwei Bohrgeräten auf Hochtouren. Das größere Gerät sorgt für die Bohrkerne der Erkundungsbohrungen mit ca. 100 und 70 m im Verlauf der gesperrten Straße rechts und links des Erdfalls. Diese dienen der Verifizierung der Untersuchungsergebnisse der Seismik in die Fläche der Ortslage.

Im Zuge der 100m-Bohrung wurde im Teufenbereich von 31,5 bis 34 m ein totaler Kernverlust beobachtet. Das Bohrgestänge fiel ins Leere. Das TLUBN hat zum 01.12.2021 eine echometrische Hohlraumvermessung beauftragt, um Dimension und Lage des unbekannten Hohlraumes in der wassererfüllten Bohrung und das mögliche Gefahrenpotential zu erfassen und in 3D darzustellen. Am Tag zuvor findet eine Bohrlochmessung statt, die die Gesteinseigenschaften im offenen Bohrloch erfasst.

Die anderen beiden Bohrungen sind deutlich flacher, ca. 25 und 30 m, und dienen der Unterbringung der so genannten Erdfallpegel. Dabei handelt es sich um Gewichte, die beim Nachbrechen von Gesteinsschichten im Untergrund durch Zug an der Tagesoberfläche Alarm auslösen, ohne dass der sich bildende Hohlraum bereits die Tagesoberfläche erreicht hat. Im Falle des Alarms können die Anwohner rechtzeitig ihre Häuser verlassen.
Das Frühwarnsystem wird digital an das im TLUBN laufende Informationssystem Safeguard angeschlossen, welches im Falle von Bewegungen oder Nachbrüchen alle Verantwortlichen über E-Mail, SMS u.a. informiert. Zusätzlich dazu wird am Sperlingsberg eine Webcam aufgebaut, die auf den Gefahrenbereich fokussiert ist und sich gekoppelt an die Erdfallpegel bei Veränderungen der Tagesoberfläche zuschaltet. Damit werden auch für räumlich Entfernte Veränderungen über PC oder Smartphon sichtbar.

Im Umfeld des aktuellen Erdfalles wurde im September 2021 ein terrestrisches Senkungsmessnetz eingerichtet mit dem Ziel, das Monitoring über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren sicherzustellen.

„Ziel des gesamten Projektes ist die Entwicklung eines geologischen Strukturmodells als Grundlage für weitere Maßnahmen, insbesondere zur Sicherung und Sanierung des vom Erdfall unmittelbar betroffenen Areales in der Mittelstraße“, erklärte der Präsident des TLUBN, Mario Suckert. Die Auswertung und Zusammenführung der Untersuchungen sowie die Entwicklung von Gefahrenhinweisen für die Ortslage Bottendorf erfolgt im TLUBN. Erst im Anschluss daran kann über den Aufwand, der für die Ertüchtigung der in der Ortslage Bottendorf wichtigen Straße notwendig ist, entschieden werden.

Mit der Vorlage des Berichtes und der Gefahrenhinweiskarte für die Ortslage Bottendorf ist voraussichtlich im Mai 2022 zu rechen.

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