Feldhamsterschutz – die Thüringer Feldhamster-Schwerpunktgebiete

Für den Schutz und Erhalt des Feldhamsters wurden in Thüringen 35 Feldhamster-Schwerpunktgebiete mit einer Gesamtfläche von 51.350 ha abgegrenzt. Diese beinhalten die Hauptvorkommen des Feldhamsters in Thüringen sowie Gebiete mit gutem Besiedlungspotenzial. Ziel ist es, in diesen Gebieten die Feldhamsterbestände zu sichern und räumliche Handlungsschwerpunkte zu setzen. Durch den konzentrierten Schutz des Feldhamsters in den Feldhamster-Schwerpunktgebieten, kann der Erhaltungszustand der Art in Thüringen verbessert und die Art langfristig in Thüringen erhalten werden. Von besonderer Bedeutung sind dabei große unzerschnittene Gebiete von über 1.500 ha. Lebensraumverluste und die Verschlechterungen des Lebensraumzustandes müssen hier zwingend vermieden werden.

Für jedes Feldhamster-Schwerpunktgebiet wurde ein Steckbrief erarbeitet mit Informationen zu örtlicher Situation, Risikofaktoren und Handlungsbedarf. Die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen wird in einem Artenhilfsprogramm im Auftrag des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz erarbeitet.

  • Warum braucht der Feldhamsterschutz eine so hohe Aufmerksamkeit?

    Der Feldhamster (Cricetus cricetus) entwickelte sich in nur wenigen Jahrzehnten von einer als Schädling angesehenen Art zum Sorgenkind des Naturschutzes. Die Art ist in der Roten Liste Deutschlands als auch Thüringens als „Vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Der Erhaltungszustand des im Anhang IV der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie aufgeführten Feldhamsters wird in Thüringen als auch in Deutschland für die kontinentale biogeografische Region mit „ungünstig-schlecht“ bewertet. Aufgrund der akuten Handlungsnotwendigkeit trafen sich auf Initiative des Bundesamtes für Naturschutz im Jahr 2012 deutsche Feldhamsterexperten und stellten Eckpunkte zum Feldhamsterschutz in Deutschland auf. Diese Eckpunkte enthalten die Forderung der Identifizierung und Abgrenzung von Schwerpunktgebieten des Feldhamsters in allen Bundesländern mit Feldhamstervorkommen und deren dauerhafte Sicherung als Quellpopulationen.

    Thüringen griff als eines der ersten Bundesländer diese Forderung auf und ließ anhand von fachlichen Kriterien und in einem mehrstufigen Verfahren 35 Feldhamster-Schwerpunktgebiete abgrenzen. An dem Abstimmungsprozess beteiligten sich die Thüringer Feldhamsterexperten mit ihrem breiten Erfahrungsschatz.

  • Zu den Steckbriefen der Feldhamster-Schwerpunktgebiete

    GebietsnummerGebietsnameLandkreis(e)
    1MönchenholzhausenWeimarer Land
    2SpötauSömmerda, Weimarer Land
    3Ramsla - ButtelstedtWeimarer Land
    4ButtstädtSömmerda, Weimarer Land
    5Weimar - HammerstedtWeimarer Land
    6Büßleben - ObernissaWeimarer Land, Erfurt
    7GothaGotha, Erfurt
    8ArternKyffhäuserkreis
    9Nordhausen - WindehausenNordhausen
    10Nordhausen - UrbachNordhausen
    11HerbslebenUnstrut-Hainich-Kreis, Sömmerda, Gotha
    12Haßleben - StotternheimSömmerda, Erfurt
    13SundhausenUnstrut-Hainich-Kreis
    14SeebachUnstrut-Hainich-Kreis
    15MühlhausenUnstrut-Hainich-Kreis
    16Bad TennstedtUnstrut-Hainich-Kreis
    17StraußfurtUnstrut-Hainich-Kreis, Sömmerda
    18Sömmerda - RohrbornSömmerda
    19StödtenSömmerda
    20Großbrembach - ButtelstedtSömmerda, Weimarer Land
    21Kromsdorf - SüßenbornWeimarer Land
    22KleinrettbachGotha, Erfurt
    23Alach - BinderslebenErfurt
    24Erfurt Gispersleben - MarbachErfurt
    25Döllstädt - GroßfahnerGotha
    26Dachwig - WalschlebenSömmerda
    27KleinwelsbachUnstrut-Hainich-Kreis
    28NeunheilingenUnstrut-Hainich-Kreis
    29BothenheilingenUnstrut-Hainich-Kreis
    30GuthmannshausenSömmerda
    31Warza – GoldbachGotha
    32GangloffsömmernKyffhäuserkreis, Unstrut-Hainich-Kreis, Sömmerda
    33GreußenKyffhäuserkreis, Sömmerda
    34WeißenseeSömmerda
    35Sömmerda NordostSömmerda

    (Stand: 07.09.2020)

  • Wo befinden sich die Feldhamster-Schwerpunktgebiete?

    Die Feldhamster-Schwerpunktgebiete befinden sich in Räumen mit aktuellen Vorkommen des Feldhamsters. Berücksichtigt wurden alle Nachweise in Thüringen ab dem Jahr 2000. Besonders berücksichtigt wurden die Nachweise melanistischer (schwarzer) Feldhamster, für deren Erhalt Thüringen eine hohe Verantwortung trägt.

    Der Feldhamster lebt schwerpunktmäßig in den Äckern der Lössgebiete des „Innerthüringer Ackerhügellandes“. Die Vorkommen am Rand der Goldenen Aue in Nordthüringen sind stark von anderen Vorkommen isoliert. Ursprünglich waren auch im Altenburger Lössgebiet Feldhamster vorhanden, konnten jedoch seit langem nicht mehr bestätigt werden.

    Entscheidend für die Auswahl der Gebiete war ihre Größe und Unzerschnittenheit. Zwölf Schwerpunktgebiete sind über 1.500 ha groß und damit groß genug, um die Quellpopulationen sichern zu können. Sie verteilen sich über das gesamte Thüringer Becken. Besonders wertvoll sind die Gebiete ohne gravierende natürliche oder anthropogene Barrieren wie etwa größere Verkehrstrassen, Gewässer oder bebaute Bereiche. Zusammenhängende günstige Bodenverhältnisse, etwa Lössböden, bedingen die Besiedlung.

  • Schwarze Feldhamster – eine Besonderheit für Thüringen

    Neben dem häufiger vorkommenden bunt gefärbten Feldhamster gibt es auch Feldhamster mit fast gänzlich schwarzem Fell. Diese schwarze Form besitzt deutschlandweit betrachtet in Thüringen ihr Hauptverbreitungsgebiet, woraus sich eine besondere Schutzverantwortung für die thüringischen Bestände ergibt.

    Aktuelle Vorkommen von schwarzen Feldhamstern sind in den Landkreisen Kyffhäuserkreis, Gotha, Sömmerda, Weimarer Land und Unstrut-Hainich-Kreis sowie für Weimar und Erfurt bekannt.

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