Geschichte von Burg und Vogelschutz

Die Burg

Die aus dem 12. Jahrhundert stammende Wasserburg Seebach mit ihrem zwei Hektar großen Park war von 1857 bis 1933 Heimat und Wirkungsstätte von Dr. h. c. Hans Freiherr von Berlepsch, Nestor des Vogelschutzes in Deutschland. 1908 erfolgte die Anerkennung als Staatliche Vogelschutzwarte. Sie ist damit die älteste Vogelschutzwarte Deutschlands.

Nach historischer Überlieferung gilt als ihr Erbauer der Freie Bebo von Seebach im Jahre 1107. Die erste urkundliche Erwähnung stammt allerdings erst aus dem Jahre 1307, als der damalige Erzbischof Peter von Mainz den Gebrüdern Albrecht und Hermann von Seebach die Hälfte des Schlosses zum Wiederkauf überließ.

1524 ging das Schloss, das zu dieser Zeit noch von einem breiten Wassergraben umgeben war, in den Besitz derer von Berlepsch über. Der damalige Schlossherr war Hans von Berlepsch, seinerzeit Burghauptmann auf der Wartburg.

Der Vogelschutz

Am 18. Oktober 1857 wurde der spätere Nestor des Vogelschutzes, Sittich Hans Freiherr von Berlepsch, in der Burg Seebach geboren. Angeregt durch die Stubenvogelhaltung seines Vaters beschäftigte er sich schon frühzeitig mit der Vogelwelt.

Der junge Freiherr von Berlepsch unternahm eine Vielzahl von Reisen, zum Beispiel nach Südamerika, Italien und Norwegen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse gaben u. a. die Anregung, 1884 bis 1886 den Obstgarten der Burg in einen Vogelschutzpark umzugestalten. Sein gesamtes wissenschaftliches Wirken beruhte auf dem auch heute noch empfehlenswerten Prinzip „Beobachtung – Experiment – Anwendung“. Sein Ziel war es, einen Landschaftspark mit vielen für die Vögel wertvollen Bereichen zu schaffen. Auf einer Fläche von nur zwei Hektar schuf er dieses kleine Refugium. Auch andere seiner Aktivitäten waren Neuland im Vogelschutz. Er entwickelte Nisthöhlen und -kästen, erprobte Futterhäuschen und praktizierte spezielle Gehölzschnitte, um Nistquirle zu erzeugen.

Auch  außerhalb  Deutschlands  engagierte  sich  Hans  Freiherr  von Berlepsch aktiv für den Vogelschutz. Bereits im Mai 1890 wandte er sich auf dem 2. Internationalen Ornithologischen Kongress in Budapest gegen  das  Vogeltöten  in  Italien,  ein  noch  heute  aktuelles  Problem.

Mit über 40 Publikationen hat er sich und die Seebacher  Einrichtung  weltweit  bekannt  gemacht.  Sein  Lebenswerk „Der  gesamte  Vogelschutz,  seine  Ausführung  und  Begründung  auf wissenschaftlich  natürlicher  Grundlage“,  erschien  in  sechs  Sprachen und zwölf Auflagen. Für seine Verdienste um den praktischen Vogelschutz wurde ihm 1923 die Ehrendoktorwürde von der Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg verliehen.

Am 2. September 1933 starb Dr. h. c. Sittich Hans Freiherr von Berlepsch in Seebach. Eine schlichte Grabstätte auf dem Seebacher Friedhof, gegenüber der Wasserburg, erinnert an den Altmeister des deutschen Vogelschutzes.

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