Rote Listen Thüringens

Rote Listen sind Fachgutachten zur Gefährdung von Arten, Pflanzengesellschaften und Biotopen. Sie sind ein Maß für den Zustand der Natur und für Veränderungen der biologischen Vielfalt.

Für den Freistaat Thüringen werden alle zehn Jahre aktualisierte Rote Listen erstellt. Insgesamt 16.814 Arten (Wirbeltiere, Wirbellose, Pflanzen und Pilze), 686 Pflanzengesellschaften und 76 Biotoptypen wurden hinsichtlich ihrer Gefährdung überprüft und sind aktuell in 54 Roten Listen dargestellt.

Die 93 Autoren sind die besten Kenner der Thüringer Tier- und Pflanzenwelt, die meisten sind Mitglieder ehrenamtlicher Fachvereinigungen, von denen die landesweiten Basisdaten erfasst werden. Auch die Zusammenarbeit mit Naturkundemuseen und dem Fachbeirat für Arten- und Biotopschutz sichern das gute Niveau der Gefährdungsanalysen. Für einige Artengruppen war jedoch auf Grund fehlender Spezialisten oder unzureichender aktueller Daten keine Neubearbeitung möglich.

  • Bewertungsmethodik

    In den Jahren 2009/2010 wurden die vorliegenden Roten Listen erarbeitet. Die Bewertungsmethodik basiert auf den Empfehlungen des Bundesamtes für Naturschutz (Ludwig et al. 2006, 2009). Anhand einheitlicher Kriterien wird die Gefährdung jeder einzelnen Art bewertet und in eine Kategorie eingeordnet. Bei den Listen der Pflanzengesellschaften und Biotope wurden aus fachlichen Gründen etwas abweichende Definitionen verwendet, die den jeweiligen Listen vorangestellt sind.

    Abkürzungen und Zeichen in den Roten Listen Thüringens (31 KB)

    Erläuterung der Gefährdungskategorien (26 KB)

  • Überblick über die aktuelle Gefährdungssituation

    Als in Thüringen gefährdet oder bereits ausgestorben wurden 3.455 Tierarten (45 %), 1.903 Pflanzenarten (49 %) 1.510 Pilzarten (29 %), 351 Pflanzengesellschaften (51 %) und 68 Biotoptypen (89 %) in die Rote Liste aufgenommen.

    Diagramm zur Verteilung der untersuchten Wirbeltiere, wirbellosen Tiere, Pflanzen, Pilze, Pflanzengesellschaften und Biotoptypen auf die Gefährdungskategorien 0 bis ungefährdet

    Die Veränderungen zu den letzten Roten Listen aus dem Jahr 2001 sind bei einigen Gruppen erheblich. Sie sind vor allem auf die methodischen Änderungen, einem verbesserten Kenntnisstand und nur zum Teil auf eine geänderte Gefährdungssituation zurückzuführen.

    Positive Entwicklungen wurden bei den Arten unserer Fließgewässer dokumentiert, die auf die deutlichen Verbesserungen der Wasserqualität reagieren (Mollusken, Libellen, Eintags-, Stein- und Köcherfliegen, Wasserkäfer). Durch einen Rückgang gefährdeter Arten zeichnen sich auch Flechten aus, meist infolge der Verbesserung der Luftqualität. Für mehrere Arten konnte die Bestandssituation auch durch Naturschutzmaßnahmen verbessert werden (Kleine Hufeisennase, Fischotter, Luchs, Schwarzstorch, Wanderfalke, Uhu).

    Ausgesprochen kritisch ist die Situation nach wie vor bei Arten, die an Lebensräume der Agrarlandschaft mit extremen Standortbedingungen gebunden sind, wie sehr trockene, nasse oder nährstoffarme Biotope. Hauptgefährdungsursachen sind Veränderungen der Landnutzung (Intensivierung wie auch Nutzungsaufgabe), Nähr- und Schadstoffeinträge sowie eine direkte Zerstörung von Lebensräumen.

    Überblicksbeitrag zu den Roten Listen Thüringens 2011 über Gefährdungskategorien und Gefährdung der Arten und Biotope 

  • Wozu brauchen wir Rote Listen?

    Die Roten Listen haben sich als Argumentations- und Entscheidungshilfe zu einem unersetzlichen Instrument der täglichen Naturschutzarbeit entwickelt. Sie zeigen die Veränderungen der biologischen Vielfalt auf und sind ein Gradmesser für die Wirkungen der Maßnahmen, die Vielfalt an Arten und Lebensräumen in Thüringen zu sichern und wieder herzustellen.

    In Anlehnung an Nowak et al. (1994) haben die Roten Listen folgende Bedeutungen:

    • Information über die Gefährdung und Veränderung der biologischen Vielfalt
    • Identifikation von Gefährdungsursachen
    • Grundlage zur Entwicklung von Schutzmaßnahmen und zur Beurteilung bisheriger Schutzbemühungen
    • Ausrichtung von Landbewirtschaftung und Fördermaßnahmen
    • Entscheidungshilfe für Naturschutzbehörden, z. B. bei der Ausweisung von Schutzgebieten
    • Entscheidungshilfe bei der Bewertung von Eingriffen in Natur und Landschaft
    • Ableitung von Strategien zum Erhalt der biologischen Vielfalt
  • Was sind Ursachen für die Gefährdungen von Arten, Biotopen und Pflanzengesellschaften?

    Um die Ursachen der Gefährdung von der Artenvielfalt insgesamt und objektiver ermitteln zu können, wurden alle Bearbeiter der Roten Listen gebeten, diese für ihre Artengruppe anhand einer Skala einzuschätzen. Zudem sollten die Bearbeiter den Trend in den letzten 10 Jahren beurteilen.

    Im Ergebnis liegt eine Gesamtschau der Gefährdungskomplexe über 44 bewertete Rote Listen hinweg vor.



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