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Rote Listen Thüringens

Cover Naturschutzreport, Heft 30, 2021
Naturschutzreport, Heft 30, 2021

Rote Listen sind Fachgutachten zur Gefährdung von Arten, Pflanzengesellschaften und Biotopen. Sie sind ein Maß für den Zustand der Natur und für Veränderungen der biologischen Vielfalt.

Für den Freistaat Thüringen werden alle zehn Jahre aktualisierte Rote Listen erstellt. Insgesamt 16.023 Arten (Wirbeltiere, Wirbellose, Pflanzen und Pilze), 750 Pflanzengesellschaften und 199 Biotoptypen wurden hinsichtlich ihrer Gefährdung überprüft und 2021 in einem Sammelband mit 44 Roten Listen publiziert.

Die über 100 Autoren sind die besten Kenner der Thüringer Tier- und Pflanzenwelt, die meisten sind Mitglieder ehrenamtlicher Fachvereinigungen, von denen die landesweiten Basisdaten erfasst werden. Auch die Zusammenarbeit mit Naturkundemuseen und dem Fachbeirat für Arten- und Biotopschutz sichern das gute Niveau der Gefährdungsanalysen. Für einige Artengruppen war jedoch auf Grund fehlender Spezialisten oder unzureichender aktueller Daten keine Neubearbeitung möglich.

Im Internetangebot des TLUBN werden bis auf weiteres alle Rote Listen aus dem Jahr 2011 und die von 2001 bereitgestellt, die seitdem nicht noch einmal in einer neuen Fassung erschienen.

Die 2021 bearbeiteten Roten Listen können vorerst nur als Druckversion bestellt werden.

Auf dieser Seite stellen wir allerdings eine Übersicht über die 2021 publizierten Ergebnisse der Gefährdungsanalyse bereit. Auch können Sie das Einführungskapitel herunterladen, in der die Gefährdungsursachen beleuchtet sowie die Ergebnisse der Roten Listen im Ganzen vorgestellt werden.

Gefährdungsanalyse der Roten Listen 2021 - Excel-Datei (1,7 MB)

Einführungskapitel der Roten Listen 2021 - Gesamtschau (1,2 MB)

Für die Interpretation der Ergebnisse der Roten Liste der phytoparasitischen Kleinpilze und Fledermäuse können folgende Dateien hinzugezogen werden:

phytoparasitische Kleinpilze (15,7 MB)

phytoparasitische Kleinpilze Excel-Datei (440 KB)

Fledermäuse (2 MB)

  • Bewertungsmethodik

    Die Bewertungsmethodik basiert auf den Empfehlungen des Bundesamtes für Naturschutz (Ludwig et al. 2006, 2009). Anhand einheitlicher Kriterien wird die Gefährdung jeder einzelnen Art bewertet und in eine Kategorie eingeordnet. Bei den Listen der Pflanzengesellschaften und Biotope wurden aus fachlichen Gründen etwas abweichende Definitionen verwendet, die den jeweiligen Listen vorangestellt sind.

    Die Abkürzungen und Zeichen in den Roten Listen, sowie die Erläuterung der Gefährdungskategorien sind im Einführungskapitel des publizierten Werkes beschrieben.

  • Überblick über die aktuelle Gefährdungssituation

    Als in Thüringen gefährdet oder bereits ausgestorben wurden 150 Wirbeltiere (47 %), 3.013 (46 %), 1.905 Pflanzenarten (47 %) 1.315 Pilzarten (26 %), 322 Pflanzengesellschaften (43 %) und 80 Biotoptypen (40 %) in die Rote Liste aufgenommen. Die Verteilung der untersuchten Wirbeltiere, wirbellosen Tiere, Pflanzen, Pilze, Pflanzengesellschaften und Biotoptypen auf die Gefährdungskategorien 0 bis „Ungefährdet“ wird über ein Diagramm erkennbar (inklusive Taxa der Vorwarnliste und aufgrund von Datenmangel nicht weiter bewerteter Taxa).

    Die Veränderungen zu den letzten Roten Listen aus dem Jahr 2011 sind bei einigen Gruppen erheblich. Sie sind vor allem auf methodische Änderungen, einem verbesserten Kenntnisstand und zum Teil auf eine geänderte Gefährdungssituation zurückzuführen.

    Positive Entwicklungen wurden bei den Arten unserer Fließgewässer dokumentiert, die auf die deutlichen Verbesserungen der Wasserqualität reagieren. Durch einen Rückgang gefährdeter Arten zeichnen sich auch einige Moose oder Flechten aus, meist infolge der Verbesserung der Luftqualität. Für andere Arten konnte die Bestandssituation auch durch Naturschutzmaßnahmen verbessert werden (Fische und Rundmäuler, Schwarzstorch, Wanderfalke, Kleine Hufeisennase, Fischotter).

    Ausgesprochen kritisch ist die Situation nach wie vor bei Arten, die an Lebensräume der Agrarlandschaft mit extremen Standortbedingungen gebunden sind, wie sehr trockene, nasse oder nährstoffarme Biotope. Hauptgefährdungsursachen sind zum Beispiel Veränderungen der Landnutzung (Intensivierung wie auch Nutzungsaufgabe), Nähr- und Schadstoffeinträge sowie eine direkte Zerstörung von Lebensräumen.

  • Wozu brauchen wir Rote Listen?

    Die Roten Listen haben sich als Argumentations- und Entscheidungshilfe zu einem unersetzlichen Instrument der täglichen Naturschutzarbeit entwickelt. Sie zeigen die Veränderungen der biologischen Vielfalt auf und sind ein Gradmesser für die Wirkungen der Maßnahmen, die Vielfalt an Arten und Lebensräumen in Thüringen zu sichern und wieder herzustellen.

    In Anlehnung an Nowak et al. (1994) haben die Roten Listen folgende Bedeutungen:

    • Information über die Gefährdung und Veränderung der biologischen Vielfalt
    • Identifikation von Gefährdungsursachen
    • Grundlage zur Entwicklung von Schutzmaßnahmen und zur Beurteilung bisheriger Schutzbemühungen
    • Ausrichtung von Landbewirtschaftung und Fördermaßnahmen
    • Entscheidungshilfe für Naturschutzbehörden, z. B. bei der Ausweisung von Schutzgebieten
    • Entscheidungshilfe bei der Bewertung von Eingriffen in Natur und Landschaft
    • Ableitung von Strategien zum Erhalt der biologischen Vielfalt
  • Was sind Ursachen für die Gefährdungen von Arten, Biotopen und Pflanzengesellschaften?

    Um die Ursachen der Gefährdung der Artenvielfalt insgesamt und objektiver ermitteln zu können, wurden alle Bearbeiter der Roten Listen gebeten, diese für ihre Artengruppe anhand einer Skala einzuschätzen. Zudem sollten die Bearbeiter den Trend in den letzten 10 Jahren beurteilen.​​

    Das Ergebnis dieser Analyse kann dem Einführungskapitel der Roten Listen Thüringens entnommen werden.

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