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Grünbrücke bei Ilmenau mindert Zerschneidungswirkung durch die BAB 71 (Bild: D. Stremke)

Grünbrücke bei Ilmenau

Natürlich mäandrierendes Fließgewässersystem schafft multifunktionale Vernetzungskorridore (Bild: RANA, A. Schmiedel),  FFH-Gebiet "Ilmtal zwischen Bad Berka und Weimar mit Buchfarter Wald"

Vielfalt naturnaher Lebensräume erhöht Überlebenschance für Tiere und Pflanzen und bietet uns Menschen hohen Erholungswert (Bild: RANA, A. Schmiedel),  FFH-Gebiet "Schweinaer Grund - Zechsteingürtel um Bad Liebenstein"

Natürlich mäandrierendes Fließgewässersystem schafft multifunktionale Vernetzungskorridore, FFH-Gebiet "Ilmtal zwischen Bad Berka und Weimar mit Buchfarter Wald"

Großflächige, unzerschnittene und störungsarme Wälder sind lebensnotwendig für Arten mit hohem Raumanspruch (Bild: H. Wenzel)

Großflächige, unzerschnittene und störungsarme Wälder sind lebensnotwendig für Arten mit hohem Raumanspruch

Schmale Gehölzränder an Wegen sind oft die einzig verbliebenen Verbindungselemente über große Entfernungen zwischen Kernlebensräumen (Aufn. TLUBN, D. Köhler)

Schmale Gehölzränder an Wegen sind oft die einzig verbliebenen Verbindungselemente über große Entfernungen zwischen Kernlebensräumen

Naturnahe Wald- und Wegsäume können Lebensräume für spezialisierte, stark gefährdete Arten vernetzen (Bild: TLUBN, Y. Schneemann)

Naturnahe Wald- und Wegsäume können Lebensräume für spezialisierte, stark gefährdete Arten vernetzen

Offenhaltung und Vernetzung wertvoller Trockenlebensräume durch Schafhutung und Triften (Bild: TLUBN, M. Pagel)

Offenhaltung und Vernetzung wertvoller Trockenlebensräume durch Schafhutung und Triften

Moorlandschaft - klimaschutzrelevantes Refugium seltener Arten - als Kernfläche des Feuchtlebensraumverbundes (Aufn. H. Wenzel)

Moorlandschaft - klimaschutzrelevantes Refugium seltener Arten - als Kernfläche des Feuchtlebensraumverbundes

Landschaftsplanung und Biotopverbund

Landschaftsplanung

Seit 1976 ist die Landschaftsplanung Bestandteil der Naturschutzgesetzgebung des Bundes und seit 1993 des Freistaates Thüringen. Landschaftsplanung findet auf allen Ebenen der Landes-, Raum- und Bauleitplanung statt. Alles, was für die Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege erforderlich ist, wird in den Plänen der Landschaftsplanung dargestellt. Dabei richtet sich die Landschaftsplanung einerseits an die eigenen Naturschutzbehörden, besonders wenn es um die traditionellen Interessen des Arten- und Biotopschutzes geht. Andererseits richtet sie sich an andere Planungsträger und Verwaltungen, deren Vorhaben Auswirkungen auf Natur und Landschaft erwarten lassen.

  • Inhalte der Landschaftsplanung

    Die Landschaftsplanung hat die Aufgabe, die Ziele und Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zusammenhängend für einen bestimmten Planungsraum zu erarbeiten und in Text und Karte mit Begründung darzustellen, und zwar:

    • der vorhandene und der zu erwartende Zustand von Natur und Landschaft einschließlich der Auswirkungen der vergangenen, gegenwärtigen und voraussehbaren Raumnutzungen,
    • die Konkretisierung der Ziele und Grundsätze des Naturschutzes,
    • die Beurteilung des o.g. Zustandes nach Maßgabe dieser Ziele, einschließlich der sich daraus ergebenden Konflikte,
    • die Erfordernisse und Maßnahmen, insbesondere zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung bestimmter Teile von Natur und Landschaft zu Schutzgebieten, zur Sicherung und Schaffung von Biotopverbundsystemen, zum Schutz bedrohter Pflanzen- und Tierarten, zum Schutz, zur Verbesserung der Qualität und zur Regeneration von Boden, Gewässern, Luft und Klima, zur Vermeidung, Minderung oder Beseitigung von Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft.

    Die Landschaftsplanung informiert somit umfassend über den Zustand von Natur und Landschaft.

  • Nutzung der Landschaftsplanung

    Den Landkreisen, kreisfreien Städten und Gemeinden ermöglichen die Instrumente der Landschaftsplanung, ihre naturschutzfachliche Situation in größeren Zusammenhängen zu überblicken, und zwar sowohl in Bezug auf die Flächenqualitäten als auch in Bezug auf die Schutzgüter Arten und Biotope, Boden, Wasser, Klima, Luft und Landschaftsbild. Sie werden durch die Ergebnisse der Landschaftsplanung auch besser vertraut mit den bestehenden und geplanten Umweltbelastungen und deren Auswirkungen auf Natur und Landschaft. Städte und Gemeinden können ihre Chancen und Risiken, die bei der weiteren flächenverbrauchenden oder flächenbeeinflussenden wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung auftreten, besser abschätzen als zuvor. Zunehmend verfügen Kreise, Städte und Gemeinden über eine umfassende naturschutzfachliche Umweltinformation, die für eine Entscheidungsfindung zur Vermeidung oder Kompensation von Umweltbeeinträchtigungen von Bedeutung ist.

    Die bei den Naturschutzbehörden vorhandenen landschaftsplanerischen Informationen vermitteln allen Interessierten Einblicke in den Zustand von Natur und Landschaft in den jeweiligen Planungsräumen und informieren über die Entwicklungsvorstellungen des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Derzeit liegen vier Landschaftsrahmenpläne für die vier Regionen Thüringens und ca. 130 Landschaftspläne für die Landkreise und kreisfreien Städte vor.

Warum brauchen wir einen Biotopverbund?

Naturlandschaften und die traditionellen, vielgestaltigen Kulturlandschaften bestehen überwiegend aus natürlichen oder naturnahen Lebensräumen. Zudem kommen dort viele verschiedene Biotoptypen in einem dichten Mosaik mit einer charakteristischen räumlichen Verzahnung und funktionellen Abhängigkeit voneinander vor.

Manche Pflanzen- und vor allem viele Tierarten sind zur Erfüllung ihrer situativ, täglich oder jahreszeitlich wechselnden Ansprüche an ihren Lebensraum auf solche Biotopkomplexe angewiesen. Weithin bekannt sind etwa die saisonalen Wanderungen zwischen Teillebensräumen, eher kleinräumig bei manchen Amphibienarten und großräumig bei Zugvögeln. Weniger offensichtlich, aber ebenso wichtig sind alltägliche Anforderungen wie die effiziente Erreichbarkeit des Nahrungsangebots im Umfeld von geeigneten Brut- und Niststätten oder Schlafplätzen.

In der modernen Industrie- und intensiv genutzten Kulturlandschaft ist dagegen nicht nur der Flächenanteil naturnaher Lebensräume geringer: Verkehrs- und Leitungstrassen, Baugebiete und ausgeräumte Agrarflächen zerschneiden die verbliebenen Lebensräume oder Wanderwege von Tieren und Pflanzen vielfach und bilden für manche Arten unüberwindliche Hindernisse oder tödliche Gefahrenstellen.

Wie sehr sich solche Zerschneidungen auswirken, hängt von der Biologie und Lebenssituation der einzelnen Arten ab. Wenig mobile Arten sind vor allem durch die Behinderung des genetischen Austausches innerhalb der (Meta-) Population gefährdet. Kleine Populationen sind zudem bei vorübergehenden schlechten Bedingungen von einem höheren Risiko bedroht auszusterben, etwa bei Wetterextremen oder Klimaveränderungen.

Warum Vielfalt auch im Biotopverbund wichtig ist

Da der Biotopverbund neben gleichartigen auch wechselnde Biotopansprüche sicherstellen muss, ist es nicht immer erforderlich, Biotope direkt mit gleichartigen Strukturen und ohne jegliche Unterbrechung miteinander zu verbinden: Je nach den ökologischen Ansprüchen der Arten und ihrer Mobilität sind gerade unterschiedliche Biotope erforderlich. Viele Arten können problemlos kleinere Lücken im Verbund ihrer Optimalbiotope überqueren – sofern sich dort nicht unüberwindliche und potenziell tödliche Hindernisse wie Verkehrsbauwerke befinden.

Der hohe Anteil naturnaher Lebensräume und die historisch bedingt vergleichsweise geringe Zahl von Zerschneidungen ist z. B. der Grund, warum das "Grüne Band" einen wertvollen und mittlerweile als "Nationales Naturmonument" geschützten Biotopverbund bildet, obwohl es aus sehr unterschiedlichen Biotoptypen besteht und einige Lücken in der naturnahen Struktur aufweist.

Gesetzlicher Auftrag zur Schaffung eines Biotopverbundes und Zuständigkeiten in Thüringen

Die Aufgabe, einen Biotopverbund zu entwickeln bzw. wiederherzustellen und zu sichern, ist in den §§ 20 und 21 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) gesetzlich vorgegeben: Danach "wird ein Netz verbundener Biotope (Biotopverbund) geschaffen, das mindestens 20 Prozent der Fläche jedes Landes umfassen soll." Bestandteile dieses Netzes sind, soweit sie dafür geeignet sind, die Schutzgebiete nach Naturschutzrecht. Ziel des Biotopverbundes, an dem sein Erfolg zu messen ist, ist "die dauerhafte Sicherung der Populationen wild lebender Tiere und Pflanzen einschließlich ihrer Lebensstätten, Biotope und Lebensgemeinschaften sowie die Bewahrung, Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen." Der Biotopverbund soll auch zur Verbesserung des Zusammenhangs des Europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000“ beitragen.

Grundsätzlich sind in Thüringen "die Konzeption, Sicherung und Maßnahmen zur Entwicklung des Biotopverbunds und der Biotopvernetzung … Aufgaben der Naturschutzbehörden im Rahmen ihrer Zuständigkeiten im örtlichen, regionalen und landesweiten Maßstab" (§ 8 Abs. 1 Thüringer Naturschutzgesetz). Alle Naturschutzbehörden sind also zur Mitarbeit am Biotopverbund verpflichtet, etwa bei der Aufstellung des Landschaftsprogramms oder von Landschaftsplänen, durch die Ausweisung von Schutzgebieten, bei der Konzeption und Umsetzung von Förderprogrammen oder bei der Steuerung und Umsetzung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen aus der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung.

Die obere Naturschutzbehörde hat die besondere Aufgabe, eine Biotopverbundplanung als fachlichen Teilplan der Landschaftsrahmenplanung zu erstellen. Damit hat ein früherer Auftrag aus der "Thüringer Strategie zur biologischen Vielfalt" aus dem Jahr 2011 in § 8 Abs. 2 des neuen Thüringer Naturschutzgesetzes vom 30.07.2019 eine gesetzliche Verankerung gefunden.

Planung und Umsetzung des Biotopverbundes

Das Bundesamt für Naturschutz hat zur Unterstützung der Bundesländer bei der Konzeption und Abstimmung des Biotopverbundes ein länderübergreifendes Biotopverbundkonzept erstellt und zu Teilaspekten des Themas (z. B. Entschneidung, Grüne Infrastruktur,…) weiterführende Fachkonzepte erarbeiten lassen. Die Ergebnisse dieser Studien und viele weitere Beiträge zum Biotopverbund können auf den sehr informativen Internetseiten des Bundesamtes für Naturschutz zum Biotopverbund abgerufen werden bzw. werden dort als (z. T. kostenpflichtige) Veröffentlichungen angeboten.

Mit dem vom Bundeskabinett im Jahr 2012 beschlossenen Bundesprogramm Wiedervernetzung machten das Bundesumwelt- und das Bundesverkehrministerium den Ländern ein Angebot zur Finanzierung von sogenannten "Entschneidungsmaßnahmen" wie Grünbrücken oder Amphibienquerungen an bestehenden Bundesfernstraßen, das noch immer fortbesteht.

In Thüringen hatte die Naturschutzfachbehörde (TLUG) bereits 2010 verschiedene von Verbändeseite vorliegende Vorschläge (Wildkatzenwegeplan des BUND, Bundeswildwegeplan des NABU) und erste eigene Überlegungen zum Biotopverbund in einem Fachgutachten zu einem Entschneidungskonzept für Thüringen zusammengefasst: Damit wurde insbesondere für den Waldbiotopverbund ein Konzept für besonders dringliche Maßnahmen vorgelegt, um die gravierendsten Barrieren zu beseitigen.

In der Thüringer Strategie für die Erhaltung der biologischen Vielfalt aus dem Jahre 2011 war ein Auftrag an die obere Naturschutzbehörde enthalten, ein landesweites Konzept für den Biotopverbund zu erarbeiten. Die obere Naturschutzbehörde hat dazu 2015 ein im Maßstab des Landschaftsrahmenplanes erarbeitetes Fachgutachten vorgelegt und auch in damals begonnene Verfahren zur Aufstellung der Regionalpläne eingebracht.

Veröffentlichung zum Biotopverbundkonzept

Auf inhaltlicher Grundlage des von der oberen Naturschutzbehörde vorgelegten Fachgutachtens hat das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN) im Dezember 2020 unter dem Titel „Vielfalt durch Vernetzung - Biotopverbundkonzept für den Freistaat Thüringen“ ein landesweites Konzept im Maßstab 1:200.000 veröffentlicht. Die Broschüre kann auf dieser Seite heruntergeladen werden (siehe rechte Randleiste oder unten) oder über das Publikationsverzeichnis des TMUEN als gedruckte Fassung kostenfrei bestellt werden.

Weiterführende Informationen finden Sie auf der Seite Hintergründe und Erläuterungen zum Biotopverbundkonzept.

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