Überblick über die Pflanzenartenvielfalt Thüringens

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Bunte Bergwiese bei Schmiedefeld (02.06.2017, Aufn. H. KORSCH)

 

Nach vorsichtigen Schätzungen kommen in Thüringen über 25.000 Pflanzenarten vor (Pflanzen im weiteren Sinne, einschließlich aller Algen- und Pilzgruppen). Bei weit über der Hälfte dieser Arten, also dem größten Teil der pflanzlichen Vielfalt, handelt es sich um noch weitgehend unerforschte ein- bis wenigzellige Algen und Pilze.

  • Farn- und Blütenpflanzen

    Die Farn- und Blütenpflanzen sind in Spross, Blätter und Wurzeln gegliedert. Von ihnen werden derzeit 2.473 Arten für Thüringen aufgeführt (Zündorf et al. 2006). Sie steuern also lediglich ein knappes Zehntel zur Vielfalt der Pflanzen Thüringens bei, prägen aber nahezu alle unserer heimischen Lebensgemeinschaften. Über 40 % der Farn- und Blütenpflanzen sind als bestandsbedrohte Arten in der Roten Liste verzeichnet (Korsch & Westhus 2011).

    Die Blüten- bzw. Samenpflanzen lassen sich zunächst in zwei Organisationsstufen gliedern, die Nackt- und die Bedecktsamer. Letztere können weiterhin in Ein- und Zweikeimblättrige unterteilt werden. Die zu den Einkeimblättrigen zählenden 52 nachgewiesenen Orchideenarten tragen nur mit weniger als 0,2 % zur pflanzlichen Vielfalt Thüringens bei. Sie weisen aber einige der schönsten und bekanntesten Vertreter der Thüringer Pflanzenwelt auf. (Siehe auch Unterseite "Kartierung der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens")

  • Moose

    Moose sind Sporenpflanzen, die während ihrer Entwicklung einen Generationswechsel durchlaufen. Unsere Kenntnisse über diese Artengruppe den sind ebenfalls gut. In Thüringen kommen 805 Arten vor, davon sind über die Hälfte als bestandsbedrohte Arten in der Roten Liste verzeichnet (Meinunger 2011b). (Siehe auch Thema Mooskartierung auf der Unterseite "Kartierung von Moosen, Flechten, Algen und Pilzen")

  • Algen

    Geringe Kenntnisse besitzen wir über die Algengruppen in Thüringen. Da die meisten Algen weit verbreitet sind, kann man davon ausgehen, dass von den 17.000 weltweit bekannten Süßwasseralgen mindestens 10.000 auch in Thüringen zu erwarten sind (mündl. Mitt., Braune 2008). Besonders artenreiche Gruppen sind die Kiesel- und Grünalgen. Bei den Algen ist unsere Kenntnis weitgehend auf die mit bloßem Auge erkennbaren Arten beschränkt, zu denen auch Rote Listen vorliegen. So wurden bisher 18 Armleuchteralgen (Korsch 2011) und 20 Süßwasser-Rotalgen (Helmecke & Knappe 2011) in Thüringen nachgewiesen. (Siehe auch Thema Algenkartierung auf der Unterseite "Kartierung von Moosen, Flechten, Algen und Pilzen")

  • Flechten

    Flechten sind Pilze, die mit Grünalgen oder Cyanobakterien (so genannte „Blaualgen“) symbiotisch zusammenleben. Unser Wissen zu den Flechten ist relativ gut. 1.148 Arten werden für Thüringen angegeben, wovon fast drei Viertel als bestandsbedroht in der Roten Liste aufgeführt sind (Meinunger 2011a). (Siehe auch Thema Flechtenkartierung auf der Unterseite "Kartierung von Moosen, Flechten, Algen und Pilzen")

  • Pilze

    Bei den Pilzen, die aus heutiger Sicht neben den Tieren und Pflanzen ein eigenständiges Reich bilden, ist von mehr als 10.000 Arten auszugehen (Hirsch et al. 2001). Bekannt sind vor allem die „Großpilze“, d. h. Arten aus den Gruppen der Ständer- und Schlauchpilze, deren „Fruchtkörper“ eine Größe von mindestens 4 Millimeter erreichen und so mit dem bloßen Auge sichtbar sind. Nach unserem gegenwärtigen Wissen gibt es hiervon ca. 4.500 Arten in Thüringen (Hirsch 2011a). Von den „Kleinpilzen“ sind die Phytoparasiten mit 530 Arten und die Schleimpilze mit 241 Arten etwas besser bekannt, so dass für diese Gruppen auch Rote Listen erstellt werden konnten (Hirsch 2011b, Müller & Riemay 2011). (Siehe auch Thema Pilzkartierung auf der Unterseite "Kartierung von Moosen, Flechten, Algen und Pilzen")

  • Weiterführende Literatur

    • Helmecke, K., &  J. Knappe (2011): Rote Liste der Süßwasser-Rotalgen (Rhodophyceae) Thüringens. - Naturschutzreport 26: 411-416
    • Hirsch, G., U. Luhmann & F. Gröger (2001): Rote Liste der Großpilze („Macromycetes“) Thüringens. 3. Fassung, Stand: 09/2001. – Naturschutzreport 18: 332-360
    • Hirsch, G. (2011a): Rote Liste der Großpilze („Macromycetes“) Thüringens. – Naturschutzreport 26: 439-472
    • Hirsch, G. (2011b): Rote Liste der phytoparasitischen Kleinpilze (Peronosporales, Erysiphales, „Ustilaginales“, Uredinales) Thüringens. – Naturschutzreport 26: 473-484
    • Korsch, H. (2011): Rote Liste der Armleuchteralgen (Charophyceae) Thüringens. -  Naturschutzreport 26: 405-410
    • Korsch, H., & W. Westhus (2011): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen (Pteridophyta et Spermatophyta) Thüringens. – Naturschutzreport 26: 365-390
    • Meinunger, L. (2011a): Rote Liste der Flechten (Lichenes) Thüringens. – Naturschutzreport 26: 417-438
    • Meinunger, L. (2011b): Rote Liste der Moose (Bryophyta) Thüringens. – Naturschutzreport 26: 391- 404
    • Müller, H., & K.-H. Riemay (2011): Rote Liste der Schleimpilze (Myxomycetes) Thüringens. – Naturschutzreport 26: 485-490
    • Zündorf, H.-J., K.-F. Günther, H. Korsch & W. Westhus: Flora von Thüringen. – Weissdorn-Verl. Jena: 766 S.

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