Spezielle Schutzbestimmungen für Pilze

Für wildwachsende (nicht aus Zuchten stammende) Pilze der besonders geschützten Arten gelten - wie auch für alle wildlebenden Pflanzen der besonders geschützten Arten - die Entnahme-, Besitz- und Vermarktungsverbote des § 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Verstöße gegen diese Verbote sind bußgeld- und bei vorsätzlichem, gewerbsmäßigem Handeln sogar strafbewehrt.
Von den Verboten sind Pilze aus legalen (zugelassenen) Zuchten ansonsten wildwachsender Arten ausgenommen. Da Kultivierung der besonders geschützten Arten schwierig ist, dürfte dieser Fall kaum eintreten. Kulturarten unterliegen ohnehin nicht den artenschutzrechtlichen Bestimmungen. Für einige der geschützten Arten macht das Naturschutzrecht eine Ausnahme. So ist es nach § 2 Abs. 1 Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) erlaubt, Pilze der Arten Steinpilz, Pfifferling, Schweinsohr, Brätling, Birkenpilz, Rotkappe und Morchel der Natur zu entnehmen, soweit damit lediglich der eigene Bedarf gedeckt wird. Die einschlägige Kommentierung des Naturschutzrechts schließt in den Eigenbedarf auch den familiären Bedarf mit bis zu 8 Personen ein (Louis 1994). Das Vermarktungsverbot bleibt auch für diese Arten bestehen. Wer wildwachsende Pilze der besonders geschützten Arten in größeren Mengen sammelt und weiterverkauft, verstößt damit gegen das Verbot des § 44 BNatSchG. Die übrigen nicht von der Ausnahmeregelung des § 2 Abs. 1 BArtSchV erfassten besonders geschützten Arten unterliegen ohnehin den Verboten des § 44 BNatSchG.

Nach § 2 Abs. 2 BArtSchV kann die nach Landesrecht zuständige Behörde (Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz) weitergehende Ausnahmen von den genannten Verboten zulassen, soweit dadurch die Erhaltung der betreffenden Arten landesweit oder in bestimmten Landesteilen nicht gefährdet ist.

  • Was ist beim Sammeln von Pilzen zu beachten?

    Für die nicht in der BArtSchV aufgeführten, nicht besonders geschützten Arten gelten die bereits unter Punkt 1 erläuterten allgemeinen Schutzvorschriften des § 44 BNatSchG. Das Sammeln von Pilzen für den Eigenbedarf stellt auf jeden Fall einen vernünftigen Grund im Sinne der o. g. Regelung dar. Für das gewerbsmäßige Sammeln dieser Arten bedarf es gemäß § 39 Abs. 4 BNatSchG allerdings einer Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde sowie im Wald nach § 15 Abs. 3 Thüringer Waldgesetz (ThürWaldG) der Zustimmung des Grundeigentümers.
    Somit stellt auch das ungenehmigte Sammeln und die Vermarktung von Pilzen der nicht besonders geschützten Arten in größeren Mengen nach dem § 69 Abs. 3 BNatSchG eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit Bußgeld geahndet werden kann.
    Artenschutzfachlich höchst bedenklich ist es, ohne jegliche Artenkenntnis wahllos alles zu sammeln, was vorgefunden wird, um dann den Pilzberater entscheiden zu lassen. Ein solches Vorgehen wäre nicht mehr von dem Begriff "vernünftiger Grund" gedeckt und stellt damit eine Ordnungswidrigkeit dar.
    Die oben dargelegten Regeln gelten auch für Pilze auf einem Garten- oder privaten Waldgrundstück, wenn sie wildwachsend sind, d. h. sich auf natürliche Weise ohne Zutun des Menschen angesiedelt haben.
    Anders als im Jagd- und Fischereirecht, in dem die Befugnis, sich Wild oder Fische anzueignen, grundsätzlich an den Besitz an Grund und Boden gebunden ist, kann sich ein Grundstückseigentümer nicht auf weitergehende Aneignungsrechte als die genannten berufen. Das bedeutet, auch der Grundstückseigentümer darf nur für den Eigengebrauch sammeln.
    Gesammelt werden kann auf allen Flächen im Außenbereich, soweit deren Betreten nach dem Naturschutzrecht und dem Waldrecht zugelassen ist. Dies betrifft alle ungenutzten Grundstücke im Offenland sowie alle Waldflächen außer Verjüngungsflächen, Pflanzgärten, Flächen, auf denen Holz eingeschlagen wird, forstlich gesperrte Flächen und forstbetriebliche und jagdliche Einrichtungen (§ 6 Abs. 8 ThürWaldG).

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