Kälte und Schnee in Thüringen

Schneemassen aus historischer Sicht

Meldung vom 08.02.2021 mit Nachtrag vom 19.02.2021

Die derzeitigen Schneefälle in Thüringen mit dem kommenden langanhaltenden Dauerfrost sind als extremes Einzelereignis einzustufen. Zur Einschätzung und Bewertung solcher Ereignisse bedarf es langer Klimazeitreihen. In Thüringen bietet dafür die Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Jena mit ihrer über 200-jährigen Messgeschichte die besten Möglichkeiten. Die Temperatur wird seit 1824 nahezu durchgehend erfasst und Aussagen zur Schneedeckenmächtigkeit sind ab 1887 möglich.
 

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Abb. 1 Schneehöhen vom 05.02. bis 18.02.2021 im Vergleich zum Zeitraum 24.12.2010 bis 06.01.2011; Datenquelle: DWD; Darstellung:TLUBN

Am 08. Februar lag der Schnee im Thüringer Tiefland ungewöhnlich hoch. Fast flächendeckend wurden Schneehöhen von über 30 cm gemeldet. Auch in Jena ist dieser Grenzwert mit den Schneefällen über Nacht erreicht wurden. Schneehöhen von 30 cm und mehr sind in Jena die absolute Ausnahme. Zuletzt trat dieses Ereignis im Dezember 2010 auf - davor 1970 und 1953. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts kommen noch eine Hand voll Ereignisjahre dazu. Über 40 cm Schneehöhe gab es gemessen seit 1887 bisher nur ein einziges Mal: 40 cm am 27. Dezember 2010. Dieser Rekordwert wurde nun am 08. und 09. Februar 2021 mit 45 und 41 cm übertroffen.

Der letztjährige Winter 2019/20 war der zweitwärmste Winter in Thüringen seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Der diesjährige Winter 2020/21 könnte hingegen einer der schneereichsten werden. Das Aufeinandertreffen zweier gegensätzlicher Extreme ist beim Winter in Thüringen schon öfter vorgekommen und demonstriert die Unplanbarkeit solcher Ereignisse. Damit ist auch für die Zukunft nicht abschätzbar, wann und ob solche Witterungsextreme wieder auftreten werden. Eine Einschätzung bietet der Witterungsbericht Winter 2019/2020 oder der Wintersportbericht 2019/2020.

Natürliche Schneesicherheit

Für die Durchführung von Wintersport wird eine Mindestschneehöhe zum Spuren von Loipen bzw. zur Präparation von Abfahrtspisten benötigt. Diese Grenzwerte variieren zwischen alpinem und nordischem Skisport und sind auch maßgeblich von der Beschaffenheit des Untergrundes anhängig. Auf ebenem oder sogar asphaltiertem Boden genügen teils schon 15 cm Schneedecke, während sehr unebener Untergrund 40 cm und mehr benötigt. Als klimatologischer Grenzwert wurden 20 cm als Mindestschneehöhe festgelegt.

Die Anzahl der Tage pro Winter mit einer Schneehöhe von mindestens 20 cm nimmt langfristig über einen Zeitraum von mindestens 40 Jahren signifikant ab. Auf einer Zeitskala von zehn bis zwanzig Jahren gibt es aber immer wieder Phasen sich verstärkender bzw. abschwächender Winter.

Im 30jährigen gleitenden Mittelwert (Klimazeitraum) gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen der Anzahl an Eistagen (Dauerfrosttage) und der Anzahl an Tagen mit einer Schneehöhe von mindestens 20 cm. Diese Korrelation ist zusätzlich durch die Niederschlagssumme von November bis April gestützt.

Entwicklung der Anzahl an Eistagen

Aussagen für die zukünftige Entwicklung der natürlichen Schneesicherheit liefern Klimaprojektionen. Die für Thüringen wahrscheinlichste Entwicklung der Eistage zeigt eine deutliche und statistisch signifikante Abnahme. In den Höhenlagen Thüringens über 800 m ü NN wird die Anzahl an Eistagen zum Jahrhundertende Werte erreichen, wie sie heute im Raum Stuttgart-Karlsruhe herrschen.

Die projizierte Entwicklung der Schneedeckentage mit mindestens 20 cm Schneehöhe für den 30-jährigen Zeitraum 2021-2050 ähnelt im Median in ihrer Ausprägung den Werten der letzten Dekade (2008-2017). Bezüglich der Bandbreite der Eistageentwicklung zeigen die Messwerte für Thüringen allerdings, dass bereits jetzt die untere Grenze erreicht ist. In Anlehnung daran ist daher mit einer geringeren Schneedeckenhäufigkeit als im Medianverlauf vorgegeben zu rechnen.

Beschneiungspotential

Die künstliche Beschneiung macht sich das Prinzip der Verdunstungskälte zu Nutze. Zum Verdunsten von Wasser wird Energie benötig, die der Umgebung entzogen wird. Die sich daraus ergebende niedrigere Temperatur wird als „Feuchttemperatur“ bezeichnet. Beschneiungsanlagen arbeiten ab einer Feuchttemperatur von -4 °C. Bei 100 % relativer Luftfeuchtigkeit kann aufgrund der Sättigung der Luft mit Wasser keine Verdunstung stattfinden. Demzufolge entspricht die Feuchttemperatur der Lufttemperatur. Ab -4 °C Lufttemperatur kann demzufolge immer beschneit werden. Ist die Luft sehr trocken, ist eine Beschneiung aber auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt möglich.

Ein Beschneiungstag ist im Folgenden als Tag, an dem mindestens vier Stunden lang beschneit werden kann, definiert. Die Anzahl der Beschneiungstage hat in der Vergangenheit stetig abgenommen. Die Abnahme ist dabei deutlich gleichmäßiger und kontinuierlicher im Vergleich zur variableren natürlichen Schneesicherheit. Durch zunehmende Wintertemperatur und häufigeren Niederschlag in Folge feuchter Wetterlagen ist aucht Zukunft ist mit einem weiteren Rückgang der Beschneiungsmöglichkeit zu rechnen.

weitere Infomationen zu Schnee und Schneesicherheit

Folgen des Klimawandels

Indikator I-TO-2: Schneedeckentage im Thüringer Wald

Tage mit einer Schneedecke von mindestens 20 cm in Lagen ab 600 m ü. NN im Thüringer Wald im "Klimawandelfolgen in Thüringen - Monitoringbericht" (2017), S. 111

Anpassung an die Folgen

Maßnahme TO_1: Ausrichtung der Förderung wintertouristischer Investitionen auf den Ganzjahrestourismus und Gebiete hoher Schneesicherheit

Maßnahme TO_2: Etablierung des Kriteriums Schneesicherheit für die Prüfung von Fördervoranfragen für Wintersportinvestitionen

im "Integrierten Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thüringen - IMPAKT II" (2019), S. 104/105

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