Klimabericht Thüringen

September 2020

Der Klimabericht des letzten Monats visualisiert rückblickend die aktuellen monatlichen Messwerte und liefert die Einordnung der aktuellen Witterung in die klimatischen Rahmenbedingungen. Die Abweichungen der mittleren Lufttemperatur (Abb. 1), der Sonnenscheindauer (Abb. 2) und des Niederschlags (Abb. 3) im Vergleich zu den 30-jährigen Monatsmittelwerten des Referenzzeitraumes 1961-1990 verdeutlichen den Temperaturanstieg und die Veränderung der Niederschlagsverteilung innerhalb des Jahres.

Temperatur

 

Der September 2020 war mit 14,5 Grad Celsius im Flächenmittel für den Freistaat Thüringen im Vergleich zum Mittelwert der vieljährigen Referenzperiode von 1961-1990 (12,8°C) um 1,7 Kelvin deutlich zu warm. Damit waren im bisherigen Jahresverlauf bis auf den Mai alle Monate zu warm.

Der September war bis zum 23.9. geprägt durch langanhaltende Hochdruckwetterlagen ohne Niederschlag, mit viel Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen. In Jena z.B. wurden im September insgesamt 12 Sommertage gemessen (Tagesmaximum ≥ 25°C). Das vieljährige Mittel der letzten 30 Jahre liegt bei bloß 5,5 Sommertagen. Am 14., 15. und 16. September überschritt die Höchsttemperatur sogar noch einmal die 30-Grad-Marke (Heißer Tag). Hier liegt der Mittelwert für 1991-2020 bei 1,0 Heißen Tagen. Drei aufeinanderfolgende Heiße Tage gab es bisher in Jena nicht allzu oft: 1961, 1973, 2005, 2016, 2018 und 2020 war dies schon mal der Fall. Spitzenreiter ist 2016 mit fünf Heißen Tagen in Folge. Aber auch an der auf den Kammlagen des Thüringer Waldes gelegenen DWD-Station Schmücke (937 m. ü. NN) wurden im September zwei Sommertage gemessen. Im Zeitraum von 1961 bis 1990 gab es hier im statistischen Mittel einen Sommertag in 30 Jahren. In den letzten 30 Jahren (1991-2020) stieg dieser Wert auf fünf Sommertage in 30 Jahren.

 

Sonnenscheindauer

 

Der September 2020 war mit 218,0 Sonnenstunden im Flächenmittel für den Freistaat Thüringen nach den Jahren 1959 (272,4 h) und 2006 (229,1 h) der drittsonnenscheinreichste September seit Beginn der Messreihe im Jahr 1951. Der sonnenscheinärmste September datiert mit nur 67,0 Sonnenstunden aus dem Jahr 2001.

 

Niederschlag

 

Seit dem Mai wechseln sich zu nasse und zu trockene Monate in schöner Regelmäßigkeit ab. Nach dem deutlich zu nassen August folgte mit dem September wieder ein zu trockener Monat. So fielen mit 41,4 mm Niederschlag im Flächenmittel für den Freistaat Thüringen nur 81,2 Prozent des zu erwartenden Niederschlags der vieljährigen Vergleichsperiode von 1961-1990 (51,0 mm). Dies entspricht einem Minus von knapp einem Fünftel (18,2 Prozent). Der diesjährige September war der trockenste September seit 2006 (27,3 mm). Den niederschlagärmsten September überhaupt gab es im Jahr 1959. Da lag das Flächenmittel für Thüringen bei gerade einmal 1,0 mm.

In den beiden folgenden Abbildungen sind die mittlere Niederschlagsmenge im Monat September in der Referenzperiode von 1961-1990 (Abb. 4) und die Niederschlagsmenge im September 2020 über Thüringen (Abb. 5) dargestellt.

 

 

Während in der Mitte und im Osten Thüringens die erwarteten Niederschlagsmittel annährend erreicht oder lokal auch übertroffen wurden, gab es insbesondere im Thüringer Wald, südlich davon im Grabfeld, Rhön und Werratal, sowie im Norden Thüringens erhebliche Niederschlagsdefizite. An der DWD-Station Schmücke (937 m ü. NN) auf dem Kamm des Thüringer Waldes wurde nur knapp mehr als die Hälfte des vieljährigen Monatsmittels gemessen (53,5 mm bzw. 55,3 %). An der ebenfalls im Thüringer Wald gelegenen Station in Neuhaus am Rennweg (845 m ü. NN) war es mit nur 43,0 mm nicht einmal die Hälfte (48,4 %).

In den Regionen Thüringens mit einer einigermaßen ausgeglichenen Niederschlagsbilanz verdankt man diese hauptsächlich den zwei Starkregenereignissen am 24. und 26. September. Davor blieb es in weiten Teilen Thüringens über den gesamten Zeitraum niederschlagsfrei.

 

Die folgende Tabelle 1 zeigt für ausgewählte Klimastationen des Deutschen Wetterdienstes die Niederschlagsmengen im September 2020, die vieljährigen durchschnittlichen Niederschlagsmengen im September der Referenzperiode 1961-1990 und den prozentualen Anteil des gefallenen Niederschlags.

 

Tab. 1: Niederschlagsmenge an ausgewählten DWD-Messstationen im September 2020 im Vergleich zur Referenzperiode; Datenquelle: DWD; Auswertung: TLUBN

 
 DWD-Messstation
 
 
 Niederschlag
 
September 2020
 
[mm]
 
 
Niederschlag 
 
Mittel 1961-1990
 
[mm]
 
 
September 2020
 
zu 1961-1990
 
[%]
 
Artern36,538,594,0
Erfurt-Weimar38,439,796,8
Gera-Leumnitz44,647,593,8
Jena (Sternwarte)49,642,4117,1
Leinefelde30,545,367,3
Meiningen40,850,281,3
Neuhaus am Rennweg43,088,948,4
Schmücke53,596,755,3
Teuschnitz47,271,166,4

 

Quellen

DWD 2020:  DWD Climate Data Center (CDC), Raster der Monatssumme der Niederschlagshöhe für Deutschland, Version v1.0

Jahreszeitliche Witterungsberichte und jährliche Witterungsdiagnosen

Bisher veröffentlichte die Klimaagentur viermal im Jahr die jahreszeitlichen Witterungsberichte und einmal im Jahr die Witterungsdiagnose für das vergangene Jahr. In diesen Berichten wird der jeweilige Witterungsverlauf anhand von Messdaten beschrieben und in den klimatischen Kontext eingeordnet. Besondere Ereignisse werden genauer beleuchtet. Mit der Einführung des monatlichen Klimaberichts werden die jahreszeitlichen Witterungsberichte in die Klimaberichte integriert. Nach Abschluss einer meteorologischen Jahreszeit werden mit dem Klimabericht des letzen Monats auch die Einschätzungen für die gesamte Jahreszeit vorgelegt. Die bisherigen Witterungsberichte vom Herbst 2013 bis zum Winter 2019/2020 bleiben verfügbar. Die jährliche Witterungsdiagnose wird weiterhin in gewohnter Form erscheinen.

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