Klimabericht Thüringen

Juli 2020

Der Klimabericht des letzten Monats visualisiert rückblickend die aktuellen monatlichen Messwerte und liefert die Einordnung der aktuellen Witterung in die klimatischen Rahmenbedingungen. Die Abweichungen der mittleren Lufttemperatur (Abb. 1), der Sonnenscheindauer (Abb. 2) und des Niederschlags (Abb. 3) im Vergleich zu den 30-jährigen Monatsmittelwerten des Referenzzeitraumes 1961-1990 verdeutlichen den Temperaturanstieg und die Veränderung der Niederschlagsverteilung innerhalb des Jahres.

Temperatur

 

Der Juli 2020 war mit 17,5 Grad Celsius im Flächenmittel für den Freistaat Thüringen im Vergleich zum Mittelwert der vieljährigen Referenzperiode von 1961-1990 (16,4°C) um 1,1 Kelvin zu warm. Er war damit der 9. Juli in Folge, der wärmer war als der vieljährige Mittelwert.

Die Anzahl der Sommertage, also an Tagen mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 25 Grad Celsius, war im Juli überdurchschnittlich hoch. So gab es beispielsweise an der Klimastation Jena-Sternwarte 22 Sommertage. Der Mittelwert der Periode 1961-1990 beträgt hier 13,1 Sommertage; der der letzten 30 Jahre (Periode 1991-2020) 18,0 Sommertage. An der DWD-Station in Artern, die mit Jena zu den zwei wärmsten Stationsstandorten in Thüringen zählt, wurden im Juli 18 Sommertage registriert. Der Mittelwert der Periode 1961-1990 liegt hier bei 11,3 Sommertagen, der der Periode 1991-2020 bei 15,3 Sommertagen.

Die große Hitze, wie in den vergangenen beiden Jahren im Juli erlebt (2018: 20,0°C; 2019: 18,5°C), blieb in diesem Jahr jedoch aus. Damit liegt der Juli um 0,4 Kelvin unter dem Mittelwert der letzten 30 Jahre von 1991-2020 (17,9°C). Das zeigt sich auch an der Anzahl an Heißen Tagen (Tage, mit einer Maximaltemperatur von mindestens 30°C). Diese blieb im Juli 2020 deutlich unter dem Durchschnitt. So verzeichnete die Klimastation Jena-Sternwarte nur drei Heiße Tage. Der Mittelwert der Periode 1961-1990 beträgt hier 4,3 Heiße Tage; der der Periode 1991-2020 6,3 Heiße Tage. In Artern wurden nur zwei Heiße Tage gemessen. Der Mittelwert der Periode 1961-1990 steht in Artern bei 2,7 Heißen Tagen, der der Periode 1991-2020 bei 5,0 Heißen Tagen.

Im Juli fiel in einigen Regionen Thüringens erstmals in diesem Jahr die Temperatur nachts nicht unter 20 Grad Celsius. In diesem Fall spricht man von Tropennächten. Tropennächte traten messbar am 05.07. an der Klimastation Dachwig und am 28.07. an den Klimastationen Weimar-Schöndorf, Krölpa-Rockendorf und Schmieritz-Weltwitz auf.

 

Sonnenscheindauer

 

Der Juli 2020 ist mit 237,5 Sonnenstunden im Flächenmittel für den Freistaat Thüringen durchaus als „sehr sonnig“ einzustufen. Das sind 32,4 Sonnenstunden mehr als der Mittelwert der vieljährigen Vergleichsperiode von 1961-1990 (205,1 h) und bedeutet ein Plus von 15,8 Prozent.

 

Niederschlag

 

Nach dem zu nassen Juni folgte mit dem Juli wieder ein extrem zu trockener Monat. So fielen mit 33,4 mm Niederschlag im Flächenmittel für den Freistaat Thüringen gerade einmal 53,4 Prozent des zu erwartenden Niederschlags der vieljährigen Vergleichsperiode von 1961-1990 (62,6 mm). Dies entspricht einem Minus von 46,6 Prozent. Der Juli 2020 ist damit der 9.-trockenste Juli seit Beginn der Aufzeichnung von flächendeckenden Wetterdaten 1881. In den beiden Dürrejahren 2018 und 2019 lag das Niederschlagsdefizit im Juli bei 41,5 bzw. 33,8 Prozent.

In den beiden folgenden Abbildungen sind die mittlere Niederschlagsmenge im Monat Juli in der Referenzperiode von 1961-1990 (Abb. 4) und die Niederschlagsmenge im Juli 2020 über Thüringen (Abb. 5) dargestellt.

 

 

In keiner Region Thüringens wurde die mittlere Niederschlagsmenge des Monats Juli erreicht. Trotzdem sind bei der Trockenheit regionale Unterschiede sichtbar. So fiel der wenigste Niederschlag in Ostthüringen, insbesondere im mittleren Saaletal und im Raum Gera. An der DWD-Station in Gera-Leumnitz wurden im gesamten Monat gerade einmal 12,7 mm Niederschlag gemessen. Dies entspricht 21,6 Prozent des vieljährigen Mittels (58,9 mm). Auch in den Kammlagen des Thüringer Waldes und im Thüringer Schiefergebirge lag der gemessene Niederschlag weit unter den Erwartungen. Das geringste Defizit gab es im Eichsfeld (Leinefelde: 71,7%, vgl. Tabelle 1).

Die folgende Tabelle 1 zeigt für ausgewählte Klimastationen des Deutschen Wetterdienstes die Niederschlagsmengen im Juli 2020, die vieljährigen durchschnittlichen Niederschlagsmengen im Juli der Referenzperiode 1961-1990 und den prozentualen Anteil des gefallenen Niederschlags.

 

Tab. 1: Niederschlagsmenge an DWD-Messstationen Juli 2020; Datenquelle: DWD; Auswertung: TLUBN

 
 DWD-Messstation
 
 
 Niederschlag
 
Juni 2020
 
[mm]
 
 
Niederschlag 
 
Mittel 1961-1990
 
[mm]
 
 
Juni 2020
 
zu 1961-1990
 
[%]
 
Artern31,148,464,3
Erfurt-Weimar26,648,754,7
Gera-Leumnitz12,758,921,6
Jena (Sternwarte)35,351,768,3
Leinefelde46,464,771,7
Meiningen39,362,463,0
Neuhaus am Rennweg26,997,227,7
Schmücke56,9106,553,4
Teuschnitz28,778,736,4

 

Quellen

DWD 2020:  DWD Climate Data Center (CDC), Raster der Monatssumme der Niederschlagshöhe für Deutschland, Version v1.0

Jahreszeitliche Witterungsberichte und jährliche Witterungsdiagnosen

Bisher veröffentlichte die Klimaagentur viermal im Jahr die jahreszeitlichen Witterungsberichte und einmal im Jahr die Witterungsdiagnose für das vergangene Jahr. In diesen Berichten wird der jeweilige Witterungsverlauf anhand von Messdaten beschrieben und in den klimatischen Kontext eingeordnet. Besondere Ereignisse werden genauer beleuchtet. Mit der Einführung des monatlichen Klimaberichts werden die jahreszeitlichen Witterungsberichte in die Klimaberichte integriert. Nach Abschluss einer meteorologischen Jahreszeit werden mit dem Klimabericht des letzen Monats auch die Einschätzungen für die gesamte Jahreszeit vorgelegt. Die bisherigen Witterungsberichte vom Herbst 2013 bis zum Winter 2019/2020 bleiben verfügbar. Die jährliche Witterungsdiagnose wird weiterhin in gewohnter Form erscheinen.

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