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Standortauswahlverfahren

3D-Darstellung der Teilgebiete in Thüringen nach den veröffentlichten Umrissen und Angaben zur Methodik der BGE (TLUBN 2021)

Endlagersuche als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

  • Die Suche nach einem Endlagerstandort für hochradioaktiven Müll ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – koordiniert in alleiniger Zuständigkeit des Bundes vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) sowie dessen Vorhabenträgerin, der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE).
  • Im September 2020 wurden dazu erste geologisch grundsätzlich geeignete Regionen genannt. Auch in Thüringen, sowie in mehr als die Hälfte des Bundesgebiets. Für diese Regionen gilt: Sie bleiben vorerst im weiteren Suchverfahren – was nicht heißt, dass sie besonders geeignet sind. Das herauszufinden ist jetzt die weitere Aufgabe der Bundesgesellschaft.
  • Bis 2031 ist es jetzt noch ein langer Weg, bei dem es zwingend erforderlich ist, dass der Endlagersuchprozess ergebnisoffen und  transparent ist, nach klar definierten Kriterien und unter Beteiligung der Öffentlichkeit.
  • In weiteren Schritten geht es jetzt darum, dass der Bund auf Basis der von den Ländern gelieferten Daten - wie geologische oder seismologische Daten oder auch Daten über Einflüsse aus früherer oder aktiver bergbaulicher Tätigkeit - Regionen identifiziert, die für eine obertägige Erkundung im nächsten Verfahrensschritt geeignet erscheinen.
  • Bürgerinnen und Bürger sollten sich an den Informations- und Beteiligungsangeboten des Bundes rege beteiligen. Thüringen ist im  Nationalen Begleitgremium mit einer engagierten Thüringerin bereits gut vertreten.

Häufig gestellte Fragen zur Endlagersuche

  • In welcher Phase ist das Verfahren aktuell?

    Das Verfahren untergliedert sich in drei Phasen. Derzeit befindet sich das Verfahren im Schritt 2 der Phase 1, an deren Ende die Auswahl von sogenannten Standortregionen für die übertägige Erkundung steht. Im ersten Schritt der Phase 1 wurden geologische und seismologische sowie bergbauliche Daten der Länder gesammelt und u. a. auf deren Grundlage im September sogenannte Teilgebiete bekannt gegeben. Weitere Informationen zum Ablauf des Verfahrens finden Sie auf den Internetseiten der Bundesgesellschaft für Endlagerung und des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung.

  • Wie ist Thüringen an dem Prozess beteiligt?

    Der Freistaat Thüringen als Träger öffentlicher Belange, stellt die für das Verfahren relevanten wissenschaftlichen Daten und gewährleistet durch die Umsetzung von § 21 StandAG die Einhaltung von Sicherungsvorschriften. Das Standortauswahlgesetz sieht darüber hinaus keine Beteiligung der Länder vor. Die Vorhabenträgerin und damit hauptverantwortlich für das Suchverfahrens ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Der Freistaat begleitet das Verfahren aber eng und kritisch. So hat z.B. der Staatliche Geologische Dienst Thüringens den sogenannten Zwischenbericht Teilgebiete geprüft und Hinweise gegeben, welche die Bundesgesellschaft für Endlagerung in den weiteren Schritten berücksichtigen wird.

  • Wie läuft der weitere Suchprozess genau ab?

    Der Endlagersuchprozess gliedert sich in 3 Phasen.

    Phase 1:

    Nachdem die Bundesgesellschaft für Endlagerung im ersten Schritt der Phase 1 54 % der Fläche Deutschlands im sogenannten Zwischenbericht Teilgebiete als potenziell weiter untersuchungswürdig für ein Endlager ausgewiesen hat, erfolgt nun im zweiten Schritt der Phase 1 eine deutliche Reduzierung auf wenige sogenannte Standortregionen. Dazu wird zunächst anhand von vier ausgewählten, repräsentativen Teilgebieten eine Methodik entwickelt, die anschließend in allen 90 Teilgebieten in gleicher Weise angewendet werden soll. Die Teilgebiete werden in sogenannte Untersuchungsräume untergliedert, eingeordnet und miteinander verglichen, um am Ende der Phase 1 geeignete Standortregionen für die übertägige Erkundung vorzuschlagen. Der Deutsche Bundestag entscheidet abschließend darüber, welche Regionen weiter erkundet werden sollen.

    Phase 2:

    Die ausgewählten Standortregionen werden dann in Phase 2 beispielsweise durch Erkundungsbohrungen und seismische Messungen übertägig untersucht und auf ihre Geeignetheit hin begutachtet. Die als geeignet eingeschätzten Standorte schlägt die Bundesregierung dann dem Bundestag und Bundesrat zur untertägigen Erkundung vor.

    Phase 3:

    Die umfassende untertägige Erkundung erfolgt dann in Phase 3. durch die Errichtung von Erkundungsbergwerken an den verbliebenen Standorten. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) bewertet die Ergebnisse der Untersuchungen und schlägt einen bestmöglichen Standort vor. Darüber entscheiden im Wege eines Gesetzgebungsverfahrens der Bundestag und Bundesrat.

  • Wie kann man sich an dem Verfahren beteiligen?

    Die Beteiligung der Bürger*innen an dem Verfahren wird sehr ernst genommen. So konnte sich die Öffentlichkeit bereits in die Erörterung des Zwischenberichts Teilgebiete in der sogenannten Fachkonferenz Teilgebiete einbringen. Diese fand 2020/21 statt. Im weiteren Verfahren soll sich nun ein ähnliches Format, das sogenannte „Fachforum“, etablieren. Auch hier sind Bürger*innen aufgerufen, sich zu beteiligen. Am Ende der Phase 1 werden in jeder Standortregion auch sogenannte „Regionalkonferenzen“ eingerichtet. Auch hier können Bürger*innen, die in einer Standortregion wohnen, teilnehmen. Weitere Informationen zu Beteiligungsmöglichkeiten findet man auf den Seiten des Nationalen Begleitgremiums (BGE) sowie der Seite des Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE).

  • Nach welchen Kriterien wird der richtige Standort eines Endlagers ermittelt?

    Die Auswahl des Endlagers erfolgt nach streng wissenschaftlichen Kriterien welche das Standortauswahlgesetz (StandAG) regelt. Zunächst werden die sogenannten Ausschlusskriterien wie z.B. Vulkanismus- und Erdbebengefahr geprüft und damit erste Regionen ausgeschlossen.

    Im nächsten Schritt wird geprüft, welche Gebiete die sogenannten Mindestanforderungen erfüllen. Beispielsweise sollen u.a. mindestens 300 Meter Gestein das Endlager von der Erdoberfläche trennen. Nur Regionen, die alle Mindestanforderungen erfüllen, sind für ein Endlager geeignet.

    Anschließend werden die geowissenschaftlichen Abwägungskriterien angewendet. Beispielsweise wird geprüft, inwiefern radioaktive Stoffe über Wasserpfade an die Erdoberfläche gelangen könnten oder wie gut das jeweilige Gestein, das die Abfälle umschließt, die gefährlichen Stoffe zurückhalten kann.

    Erst bei vergleichbaren geologischen Voraussetzungen der verbliebenen Standorte kommen sogenannte planungswissenschaftliche Abwägungskriterien zur Anwendung. Darunter versteht man, dass Naturschutzgebiete, Kulturdenkmäler oder dicht besiedelte Gebiete möglichst nicht beeinträchtigt werden sollen.

    Die Ausschluss- und Abwägungskriterien sowie die Mindestanforderungen werden in jeder Phase des Standortauswahlverfahrens von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) angewendet.

  • Warum reichen die bisherigen Zwischenlager nicht aus?

    In den derzeitigen Zwischenlagern werden hochradioaktive Abfälle ausschließlich oberirdisch gelagert. Dadurch ist es aufwändiger, diese gegen äußere Einflüsse zu schützen. Nur eine unterirdische Lagerung gewährleistet den bestmöglichen Schutz für die Bevölkerung über einen sehr langen Zeitraum, indem die hochradioaktiven Abfälle gut gegen äußere Einflüsse verschlossen sind und zugleich nicht an die Oberfläche gelangen können.

  • Wer entscheidet am Ende, wo ein Endlager hinkommt?

    Die Entscheidung über das Endlager treffen der Bundestag und Bundesrat bis 2031. Auf dem Weg dorthin wird die Gebietskulisse fortlaufend eingeengt. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt auf ihrer Internetseite eine Interaktive Karte zur Verfügung, die dazu Auskunft gibt.

Validierung des Zwischenberichts Teilgebiete für Thüringen

Das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) hat eine erste Durchsicht des Zwischenberichts "Teilgebiete" der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) vom 28.09.2020 vorgenommen.

Im Ergebnis dieser ersten Stellungnahme vom Januar 2021 sind nach Auffassung des TLUBN erste kritische Punkte anzumerken. Auszuschließende Gebiete sind bei der Anwendung des Kriteriums „aktive Störungszonen – atektonische Vorgänge“ für Subrosionsprozesse als zu geringflächig ermittelt worden. Im Falle des Kriteriums „aktive Störungszonen – tektonische Störungszonen“ sind auszuschließende Gebiete in ihrer räumlichen Ausdehnung nicht korrekt ermittelt worden. Im Falle des Kriteriums „Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit – Bohrungen“ sind auszuschließende Gebiete nicht in den Vektordaten zu den Teilgebieten berücksichtigt.

Die Teilgebiete mit Steinsalzen in stratiformer Lagerung fallen nach Ansicht des TLUBN deutlich zu groß aus, da die Mächtigkeiten mehrerer Steinsalzformationen des Zechsteins aufsummiert und Bohrdaten als die wichtigsten Belegpunkte unvollständig genutzt worden sind.

Das Teilgebiet Saxothuringikum ist in seinen Ausmaßen deutlich zu groß ausgefallen, da die im Saxothuringikum unter Bedeckung auftretenden Lithologien nicht berücksichtigt worden sind. Nach den Bohrinformationen sind die von der BGE für das Teilgebiet in Betracht gezogenen kristallinen Wirtsgesteine in Thüringen kaum verbreitet.

Hier die Stellungnahme in voller Länge

Mit dem Validierungsbericht zum Zwischenbericht Teilgebiete vom 08.06.2021 hat das TLUBN die Vorgehensweise der BGE zur Anwendung der Ausschlusskriterien, Mindestanforderungen und geowissenschaftlichen Abwägungskriterien umfangreich geprüft. Im Validierungsbericht wird die kursorische erste Stellungnahme des TLUBN vom Januar 2021 durch detaillierte Analyse der Arbeitsschritte der BGE präzisiert und durch Empfehlungen zur weiteren Vorgehensweise im Standortauswahlverfahren ergänzt. Wesentlichen Handlungsbedarf für die BGE sieht das TLUBN insbesondere:

  • in der erneuten Anwendung des Ausschlusskriteriums „Aktive Störungszonen - atektonische Vorgänge“
  • in der erneuten Anwendung der Mindestanforderungen im Wirtsgestein Steinsalz und Kristallin aufgrund der festgestellten, z.T. erheblichen fachlichen und methodischen Fehler sowie
  • im Anschluss der erneuten Anwendung der Mindestanforderungen in der Recherche, Aufarbeitung und Bewertung weiterer gebietsspezifischer Informationen für die Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien..

Hier der Validierungsbericht in voller Länge

Wie geht es weiter im Schritt 2 der Phase 1 der Endlagersuche?

Sämtliche Ergebnisse der Fachkonferenz Teilgebiete aus den Erörterungsterminen, Arbeitsgruppentreffen und über die Online-Beteiligungsplattform übermittelte Stellungnahmen, Kommentare und Hinweise wurden Anfang September 2021 an die BGE übergeben. Der Vorhabenträger hat zugesichert, die Stellungnahmen der Geologischen Dienste und andere Hinweise zu prüfen und je nach fachlicher Einordnung im Schritt 2 der Phase 1 zu berücksichtigen. Damit wurde begonnen.

Gleichzeitig arbeitet die BGE an der Entwicklung von Methoden zur Durchführung von repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen (rvSU), in denen das Endlagersystem in seiner Gesamtheit betrachtet und hinsichtlich seiner Sicherheit unter verschiedenen Belastungssituationen, unter Berücksichtigung von Datenunsicherheiten, Fehlfunktionen und zukünftigen Entwicklungsszenarien untersucht wird. Die rvSU erfolgen im Anschluss in allen 90 Teilgebieten.

Vier der 90 Teilgebiete wurden von der BGE ausgewählt, um die Methodik an realen Daten zu erproben: der Salzstock Bahlburg in der Nähe von Hamburg, das Teilgebiet Opalinuston in Süddeutschland und mit den Teilgebieten Thüringer Becken und Saxothuringikum auch zwei Teilgebiete, die Thüringen betreffen. Der BGE zufolge lässt die Auswahl in keiner Weise Schlussfolgerungen zur Vorfestlegung für Standortregionen zu und trifft keine Aussage über eine potenzielle Eignung.

In Gutachten des Nationalen Begleitgremiums (NBG) und in den Veranstaltungen der BGE der jüngsten Vergangenheit zeichnet sich ab, dass im Schritt 2 der Phase 1 die Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen frühzeitig erneut angewendet werden, um Teilgebiete in Untersuchungsräume zu differenzieren. Damit berücksichtigt die BGE bereits jetzt wesentliche Hinweise der Staatlichen Geologischen Dienste, wie sie u.a. im Validierungsbericht des TLUBN ausführlich dargelegt worden sind. 

Die BGE plant, die Methoden zur Durchführung der rvSU im Frühjahr 2022 vorzustellen. Diese und weitere Arbeiten des Vorhabenträgers sollen im neuen Beteiligungsformat „Fachforum Teilgebiete“ auch in Schritt 2 der Phase 1 öffentlich diskutiert und erörtert werden können.

Bis zur Auswahl eines neuen Standortes für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle ist es damit noch ein langer Weg. Im Rahmen seiner durch das StandAG festgelegten Aufgaben und in gewohnt konstruktiv-kritischer Art und Weise begleitet der Freistaat Thüringen kontinuierlich das Suchverfahren. Dazu zählen bisher u.a. (Liste wird regelmäßig aktualisiert):

  • die Befassung im Thüringer Kabinett (u.a. im Juli 2021)
  • die Befassung im Thüringer Landtag und seinem Umweltausschuss (u.a. im September 2021),
  • die Teilnahme an den Fachkonferenzen Teilgebiete
  • das Stakeholdergespräch von der Thüringer Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz, Anja Siegesmund, mit BGE, BASE, NBG, TLUBN und Landkreistag sowie Städte- und Gemeindebund Thüringen zum aktuellen Stand (am 02.12.2021),
  • regelmäßige Beratungen der thüringischen Begleitgruppe unter Leitung des TMUEN.

Das TLUBN wird dabei als thüringische Fachbehörde auch weiterhin mit fachlicher Expertise zum wissenschaftlichen Dialog im Standortauswahlverfahren beitragen.

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