Erdgasgewinnung und -speicherung

Thüringen kann auf knapp 8 Jahrzehnte der Erkundung, Förderung und Speicherung von Erdgas zurückblicken. Die ersten Bohrungen wurden in den Anfängen der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts geteuft. Nach heutigen Kenntnissen sind 411 Bohrungen zu diesem Zweck niedergebracht worden.

Damit kann sich Thüringen auch zu den Gebieten zählen, in denen die Erdgasgewinnung in Deutschland ihren Ursprung hat. Bei einigen, auch noch heute bedeutenden Unternehmungen auf dem Erdgassektor begann deren wirtschaftliche Geschichte in der Mitte Deutschlands.

Geografisch gesehen, liegen die Erdgaslagerstätten im westlichen Bereich des Thüringer Becken, der grob durch den Höhenzug des „Hainich“ im Westen, der Höhenzüge des „Düns“ und der „Hainleite“ im Norden, der Landeshauptstadt Erfurt im Osten und der Stadt Gotha im Süden begrenzt wird.

Geologisch sind die Erdgasfelder an Antiklinalstrukturen in diesem Raum gebunden, wobei als Speicherhorizonte hauptsächlich Schichten des Zechsteins sowie auch untergeordnet Schichten des Buntsandsteins fungieren. In der Vergangenheit wurden umfangreiche Untersuchungen im Hinblick auf die Erkundung und Gewinnung von Erdgas / Erdöl getätigt.

Die Genese und Diagenese der kohlenwasserstoffhaltigen Lagerstätten im Thüringer Becken sind sehr vielgestaltig. Das Staßfurtkarbonat (zSCA) bildet das basale Schichtglied im Staßfurt-Zyklus und wird im Liegenden durch den oberen Werraanhydrit (zWANb) und im Hangenden durch den Basalanhydrit (zSANa) begrenzt. Im Bereich des Thüringer Beckens tritt das Staßfurtkarbonat in Stinkschiefer- (zSS) und Hauptdolomitfazies (zSD) auf. Der Stinkschiefer stellt den tiefsten Horizont des Zechsteins 2 im Inneren des Germanischen Beckens dar. Weiter zum Rand bzw. zur Eichsfeldschwelle hin fehlt der Stinkschiefer und das Staßfurtkarbonat liegt in der Hauptdolomit-Fazies vor. Diese Fazies kann weiter in Zonen des dichten Dolomites (auch Volkenroda-Fazies; Kluftspeicher) und des oohlitischen Dolomites (auch Forstberg-Fazies; Porenspeicher) differenziert werden. Letztere ist nicht mehr bituminös, sondern nur noch mit Gas gefüllt. Der Charakter als Muttergestein tritt hier auf Grund der randlichen Lage zurück.

Unter dem Einfluss der saxonischen Tektonik kam es zur strukturellen Überprägung und Klüftung der Karbonatgesteine. Damit war eine Aktivierung und Umverteilung der Kohlenwasserstoffe verbunden. Neben der Speicherung des Erdgases in strukturellen Fallen war es auch unter besonderen Verhältnissen möglich, dass eine Migration bis in den Mittleren Buntsandstein über Störungszonen erfolgen konnte.

Der Verbrauch an Erdgas liegt heute in Deutschland bei ca. 86 Mrd. m³. Etwa 7,2 % (ca. 6,3 Mrd. m³) davon wird aus heimisch gewonnenem Gas gedeckt. Die Thüringer Lagerstätten tragen hierzu jedoch nur im sehr begrenzten Umfang bei. Lediglich ein Anteil von 0,21 % macht die thüringische Produktion im gesamtdeutschen Maßstab aus. Dies bedeutet in der Rangliste nach dem Hauptproduzenten Niedersachsen (96,3 %), den Ländern Schleswig-Holstein (2,1 %) und Sachsen-Anhalt (1,1 %) den 4. Platz von insgesamt 9 erdgasfördernden Bundesländern. (vgl. auch BVEG 2018[1])

Allein schon anhand des Anteils an der deutschlandweiten Erdgasgewinnung ist ersichtlich, dass diese in Thüringen sehr überschaubar sein muss. Nach der Fusion mit dem ehemaligen privatisierten Treuhandbetrieb, der EEG-Erdöl Erdgas GmbH, und Umfirmierung betreibt nunmehr die Neptune Energy Deutschland AG als einziges Unternehmen an 4 Standorten die Gewinnung von Erdgas.

Für die direkte Erdgasgewinnung in Thüringen werden gegenwärtig 38 Bohrungen genutzt. Davon sind 24 als Förderbohrungen deklariert. 13 von Ihnen dienen der Beobachtung. Eine Bohrung wird zur Rückverbringung von abgeschiedenen Wässern im Zuge der gastechnischen Aufbereitung genutzt. Der Brennwert des in Thüringen geförderten Erdgases liegt zwischen 2 und max. 11 kWh/m3. Das Gas selber besteht zu ca. 50 Vol.% aus Methan als Hauptbestandteil mit relativ gering schwankendem Gehalt. Zusätzlich können weitere Kohlenwasserstoffe (z.B. Ethan, Propan, Butan etc.), Stickstoff, Kohlendioxid und untergeordnet auch noch andere Gase enthalten sein. In der Zusammensetzung können diese je nach Ausbildung und Lage des Speicherhorizontes größeren Schwankungen unterworfen sein. Die Förderung bewegt sich auf einem niedrigen Niveau und es ist zunehmend erkennbar, dass sich die Vorräte dem Ende neigen. Damit wird wohl das Ende der Gasgewinnungsära in greifbare Nähe rücken. Die einzig noch nachgewiesene Lagerstätte wurde auf Grund ihrer Größe und wegen des hohen technischen und technologischen Aufwandes sowie zugehöriger komplizierter und schwieriger Randbedingungen bisher nicht in Anspruch genommen.

Ein Teil der ehemaligen thüringischen Erdgaslagerstätten wird nunmehr als Untergrundgasspeicher betrieben. Die Gasspeicherung erfolgt derzeit im UGS Allmenhausen (62 Mio. m³ Arbeitsgas; Speicherhorizont: Mittlerer Buntsandstein) der TEP Thüringer

Energie Speichergesellschaft mbH, ein Tochterunternehmen der TEAG Thüringer Energie AG. Der UGS Kirchheilingen (190 Mio. m³ Arbeitsgas; Speicherhorizont: Staßfurtkarbonat) der VNG Gasspeicher GmbH befindet sich derzeit in der Stilllegungsphase. Zu den Speichern gehören derzeit insgesamt 22 Betriebs- und Beobachtungssonden.

 


[1] BVEG (2018): E&P in Zahlen – Statischer Bericht 2018. Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e. V., Hannover (www.bveg.de)

Diese Seite teilen:

Das Thüringer Umweltministerium in den sozialen Netzwerken: